Hallo!

Am 2013-11-17 18:45, schrieb [email protected]:
Hallo Liebe Funkfeuer-Freunde!

Nachdem ich hier als negativ-Beispiel verlinkt wurde, fühle ich mich genötigt Erichs Mail zu beantworten.
Entschuldige bitte - da das Bild bereits öffentlich zugänglich war, bin ich davon ausgegangen, dass dieser temporäre Aufbau, der -den mir zugegangenen und möglicherweise unrichtigen Informationen nach- einen Totalschaden am Gerät zur Folge hatte, durchaus als solches, humorvoll gemeintes Negativbeispiel auch von Dir so beabsichtigt war. Wenn dem nicht so gewesen sein sollte, entschuldige ich mich, ersuche Dich jedoch, die weiter unten stehenden Bedenken meinerseits zumindest zu erwägen und daraus Konsequenzen in Bezug auf die fortgesetzte Veröffentlichung des Fotos zu ziehen.

    Aber genau das, lieber Michael, ist ja das Problem:
    Indem man einen Knoten ohne Netzzugang in die Landschaft stellt,
    motiviert man andere potentielle Knotenbetreiber dazu, dies auch
    zu tun...
    ... die stellen dann fest, dass darüber kein Zugang möglich ist,
    halten das Netz für unzuverlässig ...
    ... und weg sind sie.


Also da kann ich nur zum Teil zustimmen. Offline-Knoten brauchen definitiv keine öffentliche IP-Adresse, besonders nicht wenn sie Mangelware sind. Wenn man der Meinung ist, dass es gute Werbung für Funkfeuer ist, eine SSID mit funkfeuer.at <http://funkfeuer.at> auszustrahlen, kann man das auch ohne public IP machen.
Das habe ich ja geschrieben... lass es mich so formulieren: Das Ausstrahlen einer Funkfeuer-SSID und die Nutzung von OLSR mit öffentlicher IP-Adresse bei einem Offline-Router erweckt die fehlerbehaftete Erwartungshaltung, dass dieser in Wahrheit eine Verbindung hätte. Festzustellen, dass dem nicht so ist, kann enttäuschend sein.


Allerdings den Versuch, unser Netz oder sogar eine Verbindung zu einem einzelnem Nachbarknoten als zuverlässig darzustellen, halte ich für schwer bedenklich, und sollte nach Möglichkeit unterlassen werden.
Dass Du im Umkehrschluss aus einer von vielen möglichen Situationen das genaue Gegenteil annimmst, kann aber auch nicht zur verallgemeinerten Behauptung führen, dass solche Setups generell zuverlässig wären. Sie sind jedenfalls unter dem Aspekt, dass der Knoten überhaupt nicht angebunden ist, unzuverlässig und genau genommen zur Verbreitung der Idee des Netzes kontraproduktiv - und genau darum geht es in der Diskussion.

Niemand bei Funkfeuer garantiert irgendwelche Leistungen, und die Instabilität einzelner Verbindungen ist durch das Netzdesign als gegeben anzusehen (Knoten gehören einzelnen Privatpersonen, die diese nur so lange online halten, wie sie selbst Lust dazu haben). Die Einzige Möglichkeit eine stabile zuverlässige Anbindung zu haben, ist sich mit möglichst vielen Nachbarn zu verlinken, und das sollten wir auch um die gesamt-Stabilität unseres Netzes zu erhöhen an jeden Interessenten der einen Knoten aufbauen will so kommunizieren.
Du wirst sicherlich mitbekommen haben, dass das Betreiben eines stabilen Knotens und das Entwickeln besserer, standardisierter Software und Lösungen für einige von uns durchaus ein erstrebenswertes Ziel ist, und, dass die darin investierte Freizeit und Mühe dieser Personen nicht die angemessene und vielleicht erhoffte Wertschätzung erhält, wenn man deren Knoten in einen Topf mit anderen -beispielsweise komplett ungewarteten- Knoten wirft.

Um nur ein Beispiel zu nennen:
Gerade unser Obmann setzt relativ hohe Anforderungen in seine Aufbauten - und seine Peeringpartner wissen diese Sorgfalt überaus zu schätzen. (Umgekehrt gesagt: Einige merken sofort, wenn auch nur eine Kleinigkeit nicht stimmt). Das Peeren mit unzuverlässigeren Knoten führt in diesem Kontext unweigerlich zum -letztlich verdienten und wohldosierten- LQMult.


Ein Neueinsteiger in der Kennenlernphase benötigt aber Erfolge, andernfalls wird er schnell das Interesse am Projekt verlieren - und da ist ein schlechter Link zumindest einmal ein besserer Erfolg als kein Link oder ein Link ohne Connectivity. Wenn jemand allerdings kommuniziert, dass solche Einzellinks das Non Plus Ultra sind, so hat derjenige sowie nicht verstanden, worum es geht: Es steht auch auf der Homepage. Wenn so etwas vorkommt, dann kann es auch an einer unzureichenden PR und Selbstdarstellung von Funkfeuer liegen oder an der Fremddarstellung durch lose mit dem Verein interagierenden Personen. Hier wird es sicherlich noch jede Menge Arbeit geben. Ein periodischer, nach Möglichkeit verpflichtender, Newsletter des Vereins an registrierte Community-Mitglieder wäre hierbei sicherlich hilfreicher als Homepagetexte und Mailinglisten, die nicht immer die Meinung der Organe unseres Vereins wiedergeben - wie beispielsweise auch meine Meinung dies nicht tut.
 ...


    Ad Montage "so günstig wie ihm irgend möglich":
        Auch dieser Schuss kann nach hinten los gehen: siehe hier
    <http://gallery.funkfeuer.at/d/465035-2/IMG_1680.JPG> ein
    Fallbeispiel für "so nicht".


Das ist mein Knoten, und für meine Anwendung, einfach nur als Bastelei war es eine einfache, funktionstüchtige Lösung. Natürlich ist das keine professionelle Installation die man jemandem Verkaufen kann, oder etwas dass ich so montieren würde, wenn ich es Jahrelang nicht mehr angreifen möchte, aber dieses leider in den letzten Jahren zunehmend abfällige Ansehen der Bastler in unsrer Funkfeuer Community finde ich Schade, und bei
Ich denke, dass Du den Ernst dahinter nicht richtig einschätzt: Eine schlecht montierte Antenne, die sich ablöst, kann ebenso wie ein lockerer Dachziegel zum tödlichen Geschoss werden. Auf die Nanostation mag das vielleicht mangels größerer Masse weniger zutreffen und sie mag vom Kabel abgefangen werden, Verletzungen oder Schäden kann sie dennoch verursachen. Ich bin zwar überzeugt, dass Du entsprechende Maßnahmen getroffen hast, dass das bei Dir nicht passiert, denke aber bitte an die unzähligen Besucher unserer Website, etwaige Zufallsbesucher, die nicht über Deinen Erfahrungshorizont und Deine Kenntnisse verfügen. Es gibt nun einmal Extreme: geschickte und ungeschickte Menschen, übervorsichtige und nicht achtsame Bastler... und all dies in zahlreichen Abstufungen. Kurz gesagt: Du würdest ja auch nicht vor Kindern demonstrativ über die rote Ampel gehen.

diesen Tendenzen der Professionalisierung verstehe ich auch gut, warum viele Funkamateure Funkfeuer mitlerweile sehr Negativ betrachten. Wir sollten aufpassen, dass wir eine simple Gemeinschaft bleiben,
Ich denke schon, dass das gemeinnützige Funkfeuer einen Auftrag zur Volksbildung innehat, der nur bisher nicht in den Statuten festgeschrieben wurde. Die fachgerechte Montage von Antennen ist, denke ich aber mehr eine individuelle Verantwortung und vor allem eine Frage der Sicherheit, die der Verein nach Kräften unterstützen muss. Immerhin gibt es dafür auch dicke Kataloge an Bauvorschriften, DIN-Normen, etc, die der Hobbybastler ja auch gar nicht alle kennen kann, deren Missachtung aber mitunter ihm selbst zum Nachteil gereichen können.

und nach Möglichkeit unterbinden, dass sich hier Leute wie Provider verhalten, und Bekannten gegen Entgelt Knoten aufbauen und dann von der Community einfordern, dass deren Route bis zum Uplink stabil und zuverlässig zu funktionieren hat.
Deine Bedenken sind nachvollziehbar. In Deiner Argumentationslinie sehe ich eine zu starke Verallgemeinerung: a) Es gibt im Umfeld von Funkfeuer sicherlich Personen, die eine gewisse Erfahrung im Aufbauen von Knoten haben und diese im Freundeskreis weiterzugeben, ist sicherlich ein valides Mittel Interesse an Funkfeuer und die Knotendichte zu erhöhen. Wenn diese Leute ein Entgelt für bestimmte Leistungen vereinbaren, ist das in erster Linie deren Privatsache. Ob das Entgelt in Bezug auf die Leistung angemessen ist oder nicht, ist die weitere Frage.

b) Dass der Uplink als Selbstverständlichkeit hingenommen wird, liegt in der Natur der Nutzung öffentlicher IPs. Diese Entscheidung wurde aber sehr früh getroffen und nur selten hinterfragt. Hier einen Paradigmenwechsel herbeizuführen ist sicherlich nicht einfach und vermutlich auch nicht gewünscht - es ist zur Institution geworden und wurde sicherlich auch als Goodie, als Anreiz zum Mitmachen dargestellt. Ich habe schon öfter die Meinung vertreten, dass man diese Bereiche trennen könnte, und, dass man das Netz durchaus so auch kommerziellen Providern (die sich überhaupt darauf einlassen würden) auf diese Weise zu öffnen vermag. Dem muss man Gegenüberstellen, dass die Verfügbarkeit sowieso meist unter dem liegt, was kommerzielle Provider bereits für geringes Geld anbieten - mit dem Unterschied, dass bislang die Wahl des Netzabschlussgerätes beim Nutzer allein liegt und man wohl Support von bestens motivierten Idealisten bekommt, was mir bei kommerziellen Anbietern in letzter Zeit nie passiert ist, was aber nicht bedeuten muss, dass es das nicht gibt.

c) Zu Behaupten, dass Leute sich wie (Access-)Provider (im Sinne des ECG) verhalten, ist schlicht unrichtig, da diese Personen ja nur selten (=nie) Verfügungsgewalt über die gesamte Infrastruktur oder die dafür relevanten Teile der Infrastruktur des Netzes gewinnen können, sondern allenfalls über Teilstrecken (Transit=Nodeowner). Ob und wie Uplink bereitgestellt wird, liegt im Ermessen des Vereins, der Sponsoren und sonstiger Mitwirkender, die aus eigenem Willen agieren. Für eigene Leistungen (Content, Hosting, ...) Entgelt verlangen zu dürfen, ist wohl nicht zu beanstanden. Wenn Personen Ihre Leistung vergütet bekommen, so liegt auch das im Ermessen der beteiligten Personen und es ist, solange hinreichend über die Natur dieses Netzes aufgeklärt wird, und kein Entgelt für fremde (Access-)Leistungen eingefordert wird, sicherlich nicht einmal verwerflich. Das Leistungen im Umkreis von Vereinen erbracht werden, das ist vom Bienenzuchtverein bis zum Briefmarkensammlerverein, über den Sportvereine, Case-Moddervereinen, Reitsportvereinen etc. wohl selten anders, denn Unentgeltlichkeit endet oft dort, wo eine Leistung über den bloßen Freundschaftsdienst hinausgeht. Von der Community zu fordern, was man ihr selbst im gleichen Maß gibt, ist, wie ich meine, recht und billig. Wer gibt, der soll auch nehmen dürfen. Wer nimmt, der ist gebeten, auch zu geben. So hat das hier lange funktioniert und tut es noch. Wer mehr Ansprüche an das Netz stellt, darf auch mehr investieren - allerdings ist fraglich, ob derjenige das dann noch zu teilen bereit ist... Im Sinne der Fairness sollte solch eine Situation dann nicht noch durch Verbote verschärft werden - egal, ob diese umsetzbar sind, oder nicht.

d) Zuverlässigere Verbindungen sind sicherlich auch das Forschungsziel dieses experimentellen Netzes. Wozu sonst treiben wir den Aufwand? Zur Urlaubs- und Weihnachtsgeldvernichtung in Abwesenheit lohnenderer Investitionsmöglichkeiten?! Was nützt freie Infrastruktur, wenn sie im Fall des Falles nicht einmal halbwegs stabil funktioniert?

e) Sozialer Aspekt: wenn Personen aus "sozial schwachen Schichten" (kann ich schön politisch korrekt sein ;) das Netz für ihre Bedürfnisse nutzen, was sie prinzipiell auch tun können, da das Netz für alle Teilnehmer, die einen Node betreiben, offen steht, so erfüllen wir auch damit einen gemeinnützigen Dienst an der Gesellschaft. Diesen Dienst dann unter dem Anspruch zu betreiben, dass es sowieso nie funktionieren soll, weil es sonst "providerartig", nein, schlimmer noch: "fast schon kommerziell" erscheinen könnte, halte ich für einen nicht unbedingt der Sache angemessenen Zugang zum Problem. Ich denke nicht, dass beispielsweise "Drei" mit der "Initiative 100" Funkfeuer als Konkurrenten betrachten würde, noch denke ich, dass A1 oder andere Unternehmen ein über PR-Aktionen hinausgehendes, hohes Interesse daran hätten, Zugänge zu verschenken. (Die Sozialtarifierung erfolgt meines Wissen nämlich in der Regel über Zuschüsse vom Bundessozialamt, die wiederum aus Steuergeldern aufgebracht werden und für die eigene Verträge mit zwischen Bundessozialamt und ausgewählten Providern erfolgen. Wie alle Zuschüsse unterliegt das einer gewissen bürokratischen Hürde, die sich Leute, die schon ganz andere Probleme haben, mitunter nicht antun werden oder wegen Versäumung von Fristen herausfallen.).

Abschließend:
Dass Wucherer in unserer Mitte sich frei bewegen, dass nehme ich dann doch nicht an. Falls Du ein Beispiel kennst, kannst Du dies gerne bei den jeweiligen Vereinsorganen zur Sprache bringen und man wird sicherlich mit den Betroffenen das Gespräch suchen; Man kann aber allenfalls um eine Offenlegung ersuchen, um ein allfälliges Ungleichgewicht aufzudecken, wenn keine unmittelbare Förderung stattgefunden hat. Unterbinden kannst Du solche Dinge aber letztlich nicht, außer mit Zugangsbeschränkungen (Accounting, Monitoring, ...). Zudem herrscht Vertragsfreiheit und (angeblich) Meinungsfreiheit in diesem Lande. Ein solches Verbot - um nicht von einem "Wettbewerbsverbot" zu sprechen, was hier unangemessen wäre, weil der Verein ja kein Unternehmer ist - entspricht meines Erachtens auch nicht der Grundidee der Community (frei gesagt: offen für Alle) und wäre auch sonst wohl unzulässig.

    ...

 ...

    Wenn es nach mir ginge, würde ich sogar einen Schritt weiter gehen
    und eine Konsolidierung der genutzten Kanäle verlangen, sodass
    diese besser mit künftigen Technologien zusammenpassen. Für den
    Standard 802.11ac wurde kürzlich postuliert, dass nur noch die
    Nutzung der Kanäle 1,6 und 11 (auf 2.4 GHz) einen reibungslosen
    Betrieb ermöglichte. (siehe Mail von mir an Discuss) Die RTR
    formulierte für den Standard 802.11g, dass nur die Känale 1,5,9
    und 13 friktionsfrei zu nutzen seien.
    Wir hingegen nehmen mit der Verteilung 1,4,7,10,13 bewusst
    geringere Kanalabstände in Kauf - noch dazu im Adhoc-Mode, den ich
    bekanntlich für nicht besonders gut managebar halte. Ein Ausweg
    ist hier
    
<http://www.comsys.rwth-aachen.de/fileadmin/papers/2011/2011-wirtz-chants.pdf>
    beschrieben. Ich würde mich freuen, wenn diese Diskussion auf
    Discuss fortgeführt würde.
    Ich habe einen Anriss dieser Konzepte unter dem Begriff NGN
    <https://wiki.funkfeuer.at/wiki/Next_Generation_Nodes> auf einer
    Wiki-Seite begonnen und lade herzlich zu einer konstruktiven
    Kritik daran ein. Es gibt noch ausreichend offene Fragenstellungen
    und fehlende Informationen.


Diese technischen Entscheidungen liegen außerhalb meiner Expertise, aber bevor man solche tiefgreifenden Änderungen beschließt, wäre es imho sinnvoll, eine größere Arbeitsgruppe zu bilden, die sich damit beschäftigt. (ähnlich wie bei IPv6)

Aus diesem Grund habe ich diese erste Diskussionsgrundlage in der Wiki dazu erstellt und um Meinungen gebeten. Nichts anderes als die Einladung zur Schaffung einer Arbeitsgruppe, wenn es denn überhaupt die erforderliche Innovationshöhe und faktische Eignung besitzt, ist in der Publikation zu sehen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir gewachsene Strukturen und Nutzungsparadigmen unter diesen Aspekten neu bewerteten und überlegten, ob und wie man Dinge besser machen kann. Es sind in diesem Stadium sicher noch ausreichend Denkfehler darin verborgen, die auszubügeln jeder herzlichst eingeladen ist. Ob das völliger Blödsinn, ein Quantensprung oder irgendwas dazwischen ist, muss in letzter Konsequenz sowieso die Community entscheiden. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob man Gegensätze, sich in der Vergangenheit entwickelt haben, vereinen könnte. Ich rechne mit und ersuche um Kritik, bessere Vorschläge, fortführende Informationen - insbesondere zu OLSR-NG. Bei IPv6 und NAT64 ist sowie die IPv6-Arbeitsgruppe gefordert, Überlegungen dazu einzubringen - würdest Du da bitte gleich einmal die Koordination übernehmen?

LG, Thomas

Danke für die vielen "+1" und auch die gegensätzlichen Meinungen.

LG
Erich

-- 
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