Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten

Nach 38 Jahren Geoinformatik, Geoinformationssysteme und alles was damit zusammen hängt, nehme ich nun Ende Januar Abschied vom Berufsleben und beginne einen neuen Lebensabschnitt. Es war eine bewegte Zeit, die bei ESRI in Kranzberg 1988 begann. Im Rahmen meiner Dissertation an der Universität Bern bin ich dann aber schnell auf OpenSource Software und OpenSource GIS gestossen. Das GIS meiner Wahl war damals, sehr zur Verwunderung meiner Kollegen, GRASS. Mit dem konnte ich alles das machen, was ich für meine Arbeit benötigte. Viele glückliche Umstände führen dazu, das FOSS4G ab dann der zentrale Punkt meiner Arbeit war. In Solothurn, ab 1999 standen dann für meine FOSS4G Ideen alle Türen offen, da sich der Kanton für eine Linux Strategie entschieden hatte und die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten bestanden.

In dieser Zeit spielten Projekte wie UMN MapServer eine Schlüsselrolle – pragmatisch, leistungsfähig und von einer internationalen Community entwickelt. DIe grosse Lücke im Software Stack war das Desktop GIS. Um 2003 entdeckte ich Quantum GIS und war von dem Potenzial sehr angetan, obwohl es noch ein ganz kleines Pflänzchen war und noch nicht so viel konnte. Aber wenn  man an das kleine glaubt kann grosses daraus werden. Auch hier spielten glückliche Umstände eine Rolle, denn mit Marco Hugentobler sass einer der Kernentwickler von Quantum GIS ganz in meiner Nähe in Zürich. Nun stand Geld zur Verfügung und ich hatte einen Entwickler an der Hand. Das war der Grundstein für die erfolgreiche Entwicklung von Quantum GIS das später zu QGIS wurde. Marco konnte für den Kanton Solothurn alle Funktionen in Quantum GIS entwickeln, die für die Arbeit im Kanton erforderlich waren - Datenanalyse, Symbolisierung, Digitalisieren und Kartenproduktion. Die Welt stand offen für ein freies Desktop GIS. Heute ist QGIS aus der Geoinformatik nicht mehr wegzudenken, damals wurden wir ausgelacht.

Mein besonderer Dank gilt den Menschen, die diesen Weg möglich gemacht haben: den Entwicklerinnen und Entwicklern, die oft im Hintergrund mit grosser Ausdauer und Leidenschaft gearbeitet haben, den Kolleginnen und Kollegen in Verwaltung, Hochschulen und Büros, die den Mut hatten, neue Wege zu gehen und jenen wenigen, die früh Verantwortung übernommen und andere mitgezogen haben - in der Schweiz wie in der restlichen Welt. Ohne diesen persönlichen Einsatz, ohne Vertrauen und ohne manchmal auch kontroverse Diskussionen wäre vieles nicht entstanden.

Was mich all die Jahre begleitet hat, war nicht nur die technische Exzellenz dieser Werkzeuge, sondern vor allem die Community dahinter: offen, kritisch, hilfsbereit und stets bereit, Wissen zu teilen. Diese freie Kultur hat meine Arbeit und mein Engagement geprägt – und sie hat FOSS4G stark gemacht.

Mit grosser Dankbarkeit für all die Begegnungen, Diskussionen und gemeinsamen Projekte weltweit trete ich nun aus dem sehr aktiven Berufsleben einen Schritt zurück. Die FOSS4G-Community ist heute hervorragend aufgestellt, und ich bin überzeugt, dass sie ihren Weg weiterhin erfolgreich gehen wird. Die aktuellen Herausforderungen der Zeit – die vielen ungesunden Abhängigkeiten, die wir schon früh gesehen haben, und die nun auch von Entscheidungsträgern zunehmend erkannt werden – mahnen uns zur Wachsamkeit angesichts eines wachsenden Autoritarismus und nationalistischer Strömungen, die an vielen Orten der Welt wieder an Stärke gewinnen.

Und ich werde weiterhin ein Teil der Community sein, denn ich scheide nicht aus dem Leben. Wer weiss, wo wir uns über den Weg laufen, welche glücklichen Umstände auch in Zukunft das Leben bereichern wird und welchen Beitrag ich in Zukunft leisten werde? Wir werden sehen. Vielleicht liest der ein oder andere Weggefährte diesen Text und erinnert sich an gemeinsame Momente. Das würde mich sehr freuen.

Vielen Dank für alles. Es ist mir eine grosse Freude und Ehre, Teil dieser Entwicklung zu sein.

Auf bald Euer

Horst Düster


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Dr. Horst Düster
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