Hallo! So dann will ich auch mal meine Meinung zu dem Thema kundtun: Ich finde die Unterteilung in funktionale Werke, "Meinungswerke" und Unterhaltungswerke / ästethische Werke nicht vollst. logisch. Dennoch glaube ich, dass es für ein Organ wie die FSFE richtig ist, nach außen diese Ansicht zu vertreten, da es für unterschiedliche Kämpfe unterschiedliche Verbündete gibt und es unter den gegebenen Umständen m.E. sinnvoller, also effektiver ist, Freiheiten Schritt für Schritt zu erkämpfen, als zum "Frontalangriff" zu blasen (also auf jeden Fall für Lobbyorganisationen wie die FSFE).
Warum die Unterteilung der Werke oder zumindest das Anwenden unterschiedlicher Regeln auf sie m.E. falsch ist: Alle diese Werke haben die Gemeinsamkeit durch Information representiert zu werden, d.h. Reproduzierbarkeit und Veränderbarkeit ist heutzutage ohne Kosten möglich. Da wir in einer Gesellschaft leben, die auf der ausbeutirschen Produktion von Waren und deren Konsum aufbaut, muss der Information ein warenförmiger Charakter aufgzwungen werden. Das passiert durch rechtliche und/oder technische Einschränkungen (DRM) der Verbreitung oder Veränderung. So kann man dann die nicht frei angebotenen Möglichkeiten, dann noch als Quasi-Produkte veräußern. Eine der Gesellschaft eigentlich zur Verfügung stehende Resource, die Information, wird künstlich verknappt, um an der Nachfrage verdienen zu können. Betrachten wir die Unterscheidung funktionelle Information <-> ästhetische Information: Auf den ersten Blick mag das logisch klingen, ein Programm macht irgendwas, ein Bild kann man nur angucken. Aber in den meisten Fällen ist die Unterscheidung doch garnicht so einfach. Betrachten wir eine Geschichte, die eine Großmutter ihrer Enkelin erzählt. Für das Kind mag die Geschichte unterhaltender Natur sein, die Großmutter will dem Kind aber vielleicht durch die Geschichte etwas beibringen, womit die Geschichte ein lehrendes Werk, ähnlich einem Schulbuch und damit funktional wäre, oder nicht? Sollte die Gesellschaft diese Unterscheidung nun machen? Oder sagt die Gesellschaft: Geschichten sind Unterhaltung und vergibt das Recht Geschichten mit -nc-nd zu versehen? Wäre das wünschenswert? Dann darf diese Geschichte nur im Wortlaut verlesen werden und auch nicht von der Babysitterin, denn die verdient schließlich Geld! Es gibt viele Beispiele die Subjektivität dieser Unterscheidung zeigen... vielleicht ist ja für einen Mathematiker ein Algorithmus wesentlich ästethischer als ein Bild von Picasso oder ein Lied von Rammstein.... Zurück zu einem Beispiel von vielleicht momentan größere Bedeutung: Warum sollte eine Band -nc-nd auf ihr Werk vergeben können? Warum genau ist die "Gitarrenspur" heiliger als ein Algorithmus in meinem Programm? Warum profitiert die Gesellschaft nicht von Remixen von Musik? Warum darf es nur einen Director's Cut von einem Film geben und nicht auch einen Hannes' Cut? Vielleicht wäre der ja besser!? > Wenn ich z.B. eine schöne Geschichte schreibe und sie unter eine > "wörtliches Kopieren" / "ND" Lizenz stelle. Der Leser, kann sich die > Geschichte auch umschreiben und den coolen Namen Spider Jerusalem > überall in Kübelböck umändern. Nur darf er es danach so nicht weiter > verbreiten. Warum sollte das nicht legitim sein? Ich will nicht, > dass meine coole Hauptperson Kübelböck heißt. Und was hätte es mit > freier Kultur zu tun, dass jemand den Namen meiner Hauptperson > umändern darf? Genausowenig wie //du// die Software von jemand anderem veränderst, ändert //er// den Namen //deiner// Hauptperson! Er erstellt wenn dann ein derivates Werk von deinem, indem die Hauptperson Kübelbock heißt. Die Spider Jerusalem-Story wird es ja danach genauso von deiner Homepage zum runterladen geben. Ob auf www.dieTollstenGechichten.de dann deine Geschichte oder seine Platz1 wird hat ja nur damit zu tun was in der Gesellschaft (oder besser gesagt im Nutzerkreis der Seit) besser ankommt. Vielleicht wird seine Geschichte ja auch beliebter und du bekommst nur alle drei Wochen Fanpost, während bei dem Kübelbockautor die Frauen schlange stehen... Tja, so ist das halt. Die Gesellschaft hat von deiner Geschichte trotzdem mehr profitiert, als wenn sie -nd gewesen wäre. > Oder ich habe einen Anti-Kriegs-Film gedreht und jemand ändert > einfach den Schluss und auf einmal wird mit dem Film der Krieg > verherrlicht. Oder du adaptierst einen Kriegsverrlichenden Film zu einem Anti-Kriegsfilm... Das ist doch genauso wie mit Software. Wenn ich ein SIcherheitstool schreibe, damit sich die Bürger gegen Staatsüberwachung schützen können, kann es auch sein, dass das Militär das nimmt um seine Soldaten in seinen Angriffskriegen vor "feindlicher" Spionage zu schützen. > Oder ich habe mit meiner Band einen Song gemacht gegen Rassismus, > jemand ersetzt die Tonspur mit gewaltverherrlichendem Text. s.o. Gerade bei solchen Werken muss einem doch die Funktionalität des ästhethischen ins Auge springen, oder nicht? Zuletzt will ich noch auf die Meinungswerke eingehen: Das einzige Problem was ich bis jetzt ausmachen konnte ist die Kenntlichmachung von Veränderungen um eine Verwechslung zu verhindern. Hier gilt im Prinzip schon, was ich geschrieben habe: Wenn du einen politischen Diskurs führst, wird es deine Version eines Textes immernoch auf deiner Seite geben, alles andere wird von der attribution-klausel in Kombination mit der im internationelen Urheberrecht implizit verankerten non-advertisement-klausel geregelt. Im Endeffekt, muss unter jeden Derivat dann drunterstehen, dass es Teile von dir enthält, ohne dass mit deinem Namen gegen deinen Willen für das Derivat geworben werden darf. Dass irgendjemand den Sinn verfremden kann, indem er in einem Aufsatz immer das Wort "Nazi" durch "Astronaut" ersetzt und alle Satzzeichen weglässt, ist klar, aber hat das wirklich negative Folgen für eine Gesellschaft wenn Verwechslung mit den Originalautor ausgeschlossen wird? Und was die nicht eindeutige Zuordbarkeit angeht, könnte ich Frage was denn nun ein Film wie Blood Diamond z.B. ist. Ein typischer (spannender) Hollywood FIlm, also Unterhaltung, oder wegen seiner Gesellschaftskritik, ein poltisches, also Meinungswerk? Aber wie gesagt, der Kampf um Freiheit in Musik/Filmen ist nicht Aufgabe von FSFE, das würde den Kampf um Freiheit in Software sehr beschädigen. -- Solidarische Grüße Hannes P.S: Matze, ich könnte ja mal provokativ fragen, wie du es rechtfertigst Künstlern technische Möglichkeiten (DRM) zum Durchsetzen von -nd zu verweigern, wenn du ihnen die rechtliche Möglichkeit zubilligst? _______________________________________________ fsfe-de mailing list [email protected] http://lists.gnu.org/mailman/listinfo/fsfe-de
