Gerlind Fichte schrieb:
> Hat zwar nicht direkt mit der urspr�nglichen Mail zu tun, aber ich
> �berlege schon ne Weile, wie man eigentlich genau 'kritische Masse' definieren
> kann. Anscheinend ja nicht nur �ber bestimmte Zahlenwerte, oder?!
Die "kritische Masse" ergibt sich aus zwei unterschiedlichen Ph�nomenen:
1. gibt es Produkte, deren Nutzen davon abh�ngt, ob auch andere es benutzen.
Becker hat dazu unter anderem einen Aufsatz geschrieben anhand des Beispieles
eines Restaurant-Besuches. Es gibt bei solchen Produkten bestimmte Niveaus, die
stabil sind. Werden diese Produkte von mehr oder weniger (zuvielen oder
zuwenigen) Kunden genutzt, entwickelt sich die Kundenzahl wieder zur�ck zur
stabilen Lage oder es kommt zu instabilen Situationen. Beispiele sind
Urlaubsreiseziele, deren Popularit�t sich oft zyklisch entwickelt, oder die
Entwicklung von In-Kneipen oder Mode-Produkte oder -erscheinungen. Beispiel
Porsche: Wenn zu wenige einen fahren, wird es schwierig mit dem Service. Wenn zu
viele einen fahren, kann man nicht mehr damit angeben.
Beispiele im Netz sind Chats, Auktionen, Mailinglisten, Anzeigenm�rkte. Bei
zuvielen Usern kann man z.B. das Produkt differenzieren, z.B. einen weiteren
Chat er�ffnen oder eine weitere Liste. Bei zuwenigen Usern kann man neue User
werben oder Chats zusammenlegen, Moderatoren einstellen, Prominentenchats
durchf�hren usw. Bleiben solche Massnahmen erfolglos, wird der Chat instabil und
entwickelt sich entweder in Richtung "tote Hose" oder "Bundestag" (zuviele
Leute, die zuviel quatschen).
2. Gibt es von den Mengen abh�ngige Kostenverl�ufe, in der Regel mit der Menge
sinkende Kosten der Herstellung, des Services und erg�nzender Produkte. Beispiel
Fernsehen: Das Produkt selbst kann ich auch alleine nutzen und es ist mir im
Grunde schnuppe, ob auch andere auch fernsehen. Aber die Kiste w�re als Unikat
unbezahlbar genauso wie die Software.
Dieses Ph�nomen zeigt sich auch im Netz, wenn man zur Refinanzierung eines
bestimmten Contents bestimmte Userzahlen ben�tigt. Eine m�gliche Strategie kann
es sein, m�glichst schnell - moeglichst mit wenig Leisung und niedrigen Kosten
- viele User zu generieren, um mit dem Geld, was man mit diesen verdient, die
f�r das weitere Wachstum notwendige Leistung zu finanzieren. Beispiele hierf�r
sind die Strategie der Mobilcom, aber auch Party-Kneipen-Konzepte (ich mache
eine Sperrm�ll-Kneipe auf, zocke die Leute ab und kaufe mir dann vern�nftiges
Inventar mit den erzielten Ums�tzen). Wenn man sich dann doch keine M�bel kauft,
sondern weitere Sperrm�llkneipen aufmacht, macht man es wie Amazon.
Mit freundlichem Gruss
Gerhard Schoolmann
[EMAIL PROTECTED]
http://www.abseits.de
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