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Redaktion: Kathrin Klinkusch, Britta Hennigs, Annika Natus
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P R E S S E D I E N S T  ----  NR. 137/10 ---- 6.11.2010 
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Umwelt/Agrar/Verkehr/Soziales
NABU: Stopp des Artensterbens bis 2020 nur mit naturverträglicher
Landwirtschaft
Tschimpke: Bisherige Subventionspolitik schadet Umwelt und Klima

Lübeck - Aus Sicht des NABU ist ein Kurswechsel in der Agrarpolitik
dringend erforderlich, um in den kommenden zehn Jahren tatsächliche
Erfolge im Artenschutz zu erreichen. Die Landwirtschaft gilt als
Hauptverursacher des Rückgangs heimischer Tiere und Pflanzen. Mit Blick
auf die Ergebnisse der jüngsten Weltnaturschutzkonferenz in Nagoya
appellierte NABU-Präsident Olaf Tschimpke an
Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner, sich bei der anstehenden
EU-Agrarreform für anspruchsvolle Umweltauflagen für Landwirte
einzusetzen. Die internationale Staatengemeinschaft habe sich letzte
Woche zu einem Stopp des Artensterbens, einem vollständigen Abbau
umweltschädlicher Subventionen sowie einer flächendeckend nachhaltigen
Landwirtschaft bis zum Jahr 2020 verpflichtet. Die aktuelle Agrarpolitik
führe jedoch immer noch dazu, dass große Agrarbetriebe in ausgeräumten
Landschaften Millionenbeträge vom Steuerzahler für eine nicht
nachhaltige Wirtschaftsweise erhalten.

„Ackerbewirtschaftung auf riesigen Schlägen ohne Ressourcenschutz,
massiv mit Gülle versorgte, artenarme Wiesen oder klimafeindlicher
Grünlandumbruch mit enorm hohen Kohlendioxid-Emissionen - das alles
wird mit europäischen Direktzahlungen in Millionenhöhe finanziert“,
sagte Tschimpke anlässlich der Bundesvertreterversammlung des Verbandes
in Lübeck. In fast allen Landschaften Deutschlands würden somit rund
sechs Milliarden Euro jährlich für eine vielfach naturfeindliche oder
sogar naturschädigende Landwirtschaft ausgegeben. 

„Die Landwirtschaft muss einen deutlich stärkeren Beitrag zum Natur-
und Klimaschutz leisten. Sie soll in Zukunft nicht nur Nahrungsmittel
und nachwachsende Rohstoffe erzeugen, sondern gleichwertig
Wasserqualität, Klimaschutz und Artenvielfalt erhalten und
verbessern. Die Gesellschaft hat ein Anrecht darauf, für ihre
Steuergelder auch Leistungen im Ressourcenschutz zu erhalten“, so der
NABU-Präsident. 

Auch in Schleswig-Holstein ist die intensive Landwirtschaft massiv für
den Artenschwund verantwortlich. Der NABU-Landesvorsitzende Hermann
Schultz forderte von der Landesregierung klare rechtliche Festlegungen
in der Naturschutzgesetzgebung und einen verstärkten Einsatz auf
Bundesebene, um etwa das in großem Stil von der Agrogas-Nutzung bedrohte
Grünland zu sichern und die flächendeckende Ausbreitung des Maisanbaus
zu stoppen. Wenig hilfreich sei, dass der Bauernverband immer noch den
Zusammenhang zwischen der Nutzungsintensivierung und dem Artenrückgang
leugne, zumal die Landwirtschaft 70 Prozent der Landesfläche ausmache. 

Schultz: „Das politisch gewollte reine Prinzip der Freiwilligkeit zum
Erreichen von Naturschutzzielen ist auch in der Landwirtschaft
gescheitert. In Schleswig-Holstein erwarten die Bürgerinnen und Bürger,
dass für die rund 340 Millionen Euro Direktzahlungen der EU an die
schleswig-holsteinischen Landwirtschaft diese zu entsprechenden
Gegenleistungen zur Sicherung des Naturerbes auf ihren Flächen
verpflichtet werden.“

Schultz wies zudem auf die große Bedeutung des Meeresschutzes für
Schleswig-Holstein hin. Als Land zwischen Nord- und Ostsee hätten die
Menschen hier ein vitales Interesse an einer intakten Meeresumwelt. Die
Havarie der Ostseefähre „Lisco Gloria“ habe deutlich gemacht, wie
gefährdet dieses Ökosystem ist. �
��Man mag sich kaum vorstellen, was
passiert wäre, wenn der manövrierunfähige Havarist an einem Pfeiler der
geplanten festen Fehmarnbeltquerung vollends Leck geschlagen wäre.“
Der NABU lehnt das Projekt einer festen Fehmarnbeltquerung grundsätzlich
ab. 

Positiv sei die gute Zusammenarbeit mit dem Innenministerium in Kiel
u.a. zum Schutz der Schweinswale vor Sprengungen im Meer. Der vom NABU
mit weiteren Verbänden organisierte internationale Kongress MIREMAR vom
16. bis 18. November 2010 in Neumünster werde weitere Impulse beim
Schutz der Meeresumwelt geben können.

Rund 200 Delegierte des NABU trafen sich am Samstag und Sonntag in
Lübeck. Sie diskutierten verbandsinterne Fragen, zogen Bilanz der
Aktivitäten im Jahr des 111-jährigen Verbandsjubiläums und befassten
sich mit aktuellen Themen der Umweltpolitik, darunter umstrittene
Verkehrsprojekte wie Stuttgart 21 und die Fehmarnbeltquerung sowie dem
vom NABU kritisierten Energiekonzept der Bundesregierung mit längeren
Kernkraftwerkslaufzeiten. 

Besondere Aufmerksamkeit widmete der NABU den Plänen des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für einen
„Freiwilligen Zivildienst“.

Tschimpke: „Wenn die Zusammenlegung der verschiedenen vorhandenen
Freiwilligendienste zu einem einzigen Freiwilligendienst aus
verfassungsrechtlichen Gründen nicht möglich ist, dann muss vermieden
werden, dass sich die FÖJ/FSJ der Länder und der zukünftige
Bundesfreiwilligendienst Konkurrenz machen.“ Der NABU begrüßte die
geplante Öffnung des „Freiwilligen Zivildienstes“ für Frauen und
Männer sowie die Abschaffung der oberen Altersgrenze. Für den
geplanten freiwilligen Zivildienst strebt der NABU die
Bundesträgerschaft für den Umweltbereich an. 


Für Rückfragen:
Kathrin Klinkusch, NABU-Pressesprecherin, mobil 0173-930651
Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer NABU Schleswig-Holstein, mobil
0160-96230512

Im Internet zu finden unter www.NABU.de 



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