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Die Dop­pel­stra­tegie des Rafael Correa

Samstag, 24. Dezember 2011 | Ecuador |

Von Ger­hard Dilger - Porto Alegre  –  Klimaretter.info

Yasuní: Nach allerhand Rechenkünsten verkündet Ecuadors Regierung, das 
Jahresziel von 100 Millionen Dollar für das Dschungel-statt-Öl-Projekt sei 
erreicht. Zugleich laufen die Vorbereitungen für die Ölförderung im 
Yasuní-ITT-Gebiet weiter – und Präsident Correa legt die Latte höher: Bis Ende 
2013 will er 750 Millionen.

Die Erfolgsmeldung sorgte nicht nur in der deutschen Öko-Szene für Verwirrung 
[1]: Neulich behauptete Ivonne Baki, Ecuadors Regierungsbeauftragte für die 
Yasuní-ITT-Initiative, gegenüber dem Miami Herald [2] und der spanischen 
Nachrichtenagentur EFE, man habe das Jahresziel von 100 Millionen US-Dollar 
erreicht. Steht das Dschungel-statt-Öl-Projekt, durch das die Förderung von 840 
Millionen Barrel Öl im Yasuní-Nationalpark verhindert werden soll, nun vor dem 
Durchbruch?

Seit 2007 wirbt [3] der ecuadorianische Präsident Rafael Correa dafür, das Öl 
in dem artenreichen ITT-Regenwaldgebiet an der Grenze zu Peru in der Erde zu 
lassen, wenn die Staatengemeinschaft "aus Mitverantwortung" die Hälfte der 
erwarteten Öleinnahmen aufbringt - 3,6 Milliarden Dollar in 13 Jahren. Diese 
Mittel, argumentiert Correa, seien für die Entwicklung des Landes unverzichtbar.

Von der Unterstützung aus Deutschland hängt viel ab: 2009, unter der damaligen 
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), waren Ecuador 50 
Millionen Euro pro Jahr in Aussicht gestellt worden. Doch seitdem sich 
Wieczorek-Zeuls Nachfolger Dirk Niebel (FDP) ein Jahr später darauf festlegte, 
kein Geld in den Yasuní-UN-Treuhandfonds [4] einzuzahlen, steht das innovative 
Projekt finanziell auf tönernen Füßen.

46,9 Millionen "Technische Zusammenarbeit" - aus Deutschland

Parallel dazu wird die Initiative immer populärer: Auf der jüngsten 
UN-Klimakonferenz in Durban [5] galt sie als Lichtblick, die belgische Region 
Wallonien kündigte für 2012 eine Unterstützung in Höhe von 1,6 Millionen Dollar 
an.

Die nun vorliegende Aufstellung aus Bakis Büro, das Präsident Rafael Correa 
direkt unterstellt ist, ist ernüchternd. Zwar werden als Bruttogesamtbetrag 
sogar gut 116 Millionen Dollar genannt, doch im Treuhandfonds, der im August 
letzten Jahres unter dem Dach der UNO eingerichtet wurde, befanden sich am 7. 
Dezember genau 2.469.319,88 Dollar – also gerade 2,5 Prozent des von Correa 
ausgegebenen Jahresziels.

Die "konkreten Zusagen [6]" hingegen belaufen sich auf gut 105 Millionen 
Dollar. Besonders pikant: In diesem Betrag sind unter dem Stichwort "Technische 
Zusammenarbeit" 46,9 Millionen aus Deutschland enthalten, "nach den Erklärungen 
der deutschen Ministerien für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Umwelt (35 
Mio. Euro über drei Jahre)".

Doch diese Rechnung geht nicht auf. Denn offensichtlich hat Niebel hat für 
seine stereotyp vorgetragene Weigerung, die Yasuní-ITT-Initiative zu 
unterstützen, den Rückhalt der früheren "Klimakanzlerin" Angela Merkel (CDU). 
Umweltbewegte Unionsabgeordnete jedenfalls, die sich noch im September für das 
Dschungel-statt-Öl-Projekt ausgesprochen hatten, beugten sich der 
Koalitionsdisziplin. Bei den Ecuador in Aussicht gestellten 35 Millionen Euro 
handelt es sich offenbar um mehr oder weniger konventionelle Waldschutzprojekte.

Auch andere Beiträge sind dubios, etwa die 50,8 Millionen Dollar aus Italien, 
für die Niebel sogar Silvio Berlusconi attackiert hatte. "Dieses Geld stammt 
aus einem Schuldentausch – Ecuador muss das in den Fonds einzahlen, was es 
Italien schuldet", sagt Alberto Acosta, 2007 als Energieminister einer der 
Väter der Initiative, "dabei handelt es sich um als illegitim bewertete 
Schulden aus einem Staudammprojekt".

Wie also erklärt sich Bakis kreative Buchführung? "Die Regierung möchte 
politisch weiter von der populären Yasuní-ITT-Initiative profitieren und spielt 
daher auf Zeit", meint Esperanza Martínez von der Umweltgruppe "Acción 
Ecológica" [7]. In Kürze dürfte Correa die Initiative ganz offiziell um ein 
weiteres Jahr verlängern.

Zugleich laufen die Vorbereitungen für eine Förderung in Tiputini und 
Tambococha, zwei Drittel des artenreichen ITT-Gebietes im Osten des 
Yasuní-Nationalparks, weiter. Das zeigt die vor kurzem fertiggestellte 
Umweltverträglichkeitsprüfung des Staatsbetriebs Petroamazonas [8] für diese 
Ölfelder.

Als "völlig absurd" bezeichnet Martínez das Jahresziel von je 750 Millionen 
Dollar [9] für 2012 und 2013, das Ivonne Baki jetzt bekanntgab. Auch diese 
Ankündigung kann als Schritt hin zu "Plan B", der Ölförderung, interpretiert 
werden.

Das Kalkül: Bis zur Präsidentschaftswahl im Januar 2013, zu der Correa als 
Favorit antreten wird, läuft die Initiative, die sich auch in Ecuador großer 
Popularität erfreut. Danach könnte der wiedergewählte Staatschef grünes Licht 
für die Förderung geben – es sei denn, bis dahin gelingt der Durchbruch 
tatsächlich auch finanziell.

[1] http://www.saveyasuni.eu/themen/aktuelles.html
[2] http://www.miamiherald.com/2011/12/05/2533011/ecuador.html
[3] http://sosyasuni.org/de
[4] http://mdtf.undp.org/yasuni
[5] http://www.klimaretter.info/dossiers/klimakonferenz-durban
[6] http://blogs.taz.de/latinorama/files/2011/12/ITT-Slide-4-ganz.jpg
[7] http://www.accionecologica.org/
[8] http://www.bloque15.com/
[9] http://www.elciudadano.gov.ec/?option=com_content&id=29341 




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