Blickpunkt Lateinamerika
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22.03.2012

Brasilien

Bischof Cappio: Wasser-Großprojekte gescheitert

Der als Umweltbischof bekannte katholische Bistumsleiter von Barra in
Brasilien, Flavio Cappio [1], sieht die großen Staudammprojekte in seinem
Land als gescheitert an. Unmittelbar nach den letzten Präsidentschaftswahlen
seien die Arbeiten am Sao Francisco komplett gestoppt worden, sagte Cappio
in einem Interview [2] der katholischen Nachrichtenagentur APIC zum
Weltwassertag. Die unfertige Baustelle biete heute ein "desolates Bild". Die
Umleitungskanäle seien aufgrund der Hitze und der extremen Trockenheit
bereits in starkem Verfall. Nach Angaben Cappios sind lediglich 15 Prozent
der Arbeiten realisiert.

Der Bischof, der zwei Mal gegen das Megaprojekt in Hungerstreiks trat,
wertet die Stauung des Sao Francisco als ein "offensichtliches Beispiel von
Korruption", hinter dem auch wahltaktische Überlegungen der Regierung
gestanden hätten. Riesige Summen seien an den Ufern des Flusses versandet,
statt etwas für die bedürftige Bevölkerung dort zu tun.

Die Menschen der Region beobachten die Situation nach Worten Cappios "mit
einer Mischung aus Freude und Empörung". Mit Freude deshalb, weil "wir eine
Umweltkatastrophe verhindert haben". Mit Empörung, weil bereits so viel Geld
verschwendet und hunderte Quadratkilometer Vegetation zerstört worden seien.

Auch das Riesenprojekt eines Wasserkraftwerks in Belo Monte am Amazonas
steht nach Meinung Cappios vor dem Aus. Nach und nach würden auch dort die
Arbeiten nachlassen, so die Prognose des Bischofs. Er warnte erneut vor
"absurden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen" im Fall eines
Weiterbaues. "Das Unglaublichste von allem aber ist", so Cappio, "dass sich
das Projekt auf Technologien stützt, die heute bereits komplett überholt
sind."

Wie sein Amtsbruder Erwin Kräutler steht Bischof Cappio (65) für das soziale
und politische Engagement der Kirche in Brasilien. Seit 1997 leitet der
Franziskaner die Diözese Barra im Bundesstaat Bahia, einer der ärmsten
Regionen des Landes. Durch seinen Kampf gegen die Umleitung des
Sao-Francisco-Flusses wurde Cappio über die Grenzen des Landes hinweg
bekannt.

Quelle: KNA

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[1] http://tinyurl.com/7vte3pt
[2] http://www.kipa-apic.ch/a229963




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