http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,824098,00.html

Der Spiegel - 27.03.2010

Gasleck in der Nordsee

Umweltschützer warnen vor "Bohrloch der Hölle"

An der Elgin-Bohrinsel in der Nordsee strömen große Mengen Gas aus. 
Umweltschützer fürchten ein Ökodesaster, rund um die Plattform könnten sich 
Todeszonen bilden. Der Aktienkurs des Betreibers Total ist abgestürzt

HAMBURG - Rund 240 Kilometer östlich der schottischen Küste entweicht 
unkontrolliert Gas, es stammt aus einem Leck an der Elgin-Bohrinsel des 
Energiekonzerns Total. An der Oberfläche bildete sich eine riesige Gaswolke, 
auf dem Wasser breitete sich ein Ölfilm aus. Total hat die Plattform komplett 
evakuiert, von zwei in der Nähe gelegenen Stationen, die Shell betreibt, wurde 
ebenfalls ein Teil des Personals abgezogen.

Ein Gebiet von gut drei Kilometern um die Plattform herum ist für den 
Schiffverkehr gesperrt. Hubschrauber dürfen ihr nicht näher kommen als knapp 
fünf Kilometer. Linienflugzeuge, die deutlich höher fliegen, sind nicht von der 
Sperrzone betroffen.

Manager des Konzerns und britische Behörden erklärten aber, für die 
Öffentlichkeit bestehe nur eine geringe unmittelbare Gefahr. Das Gas werde sich 
in die Atmosphäre verflüchtigen. Die ausströmende Gasmischung enthalte 
allerdings giftigen Schwefelwasserstoff, weshalb Personen in der Nähe gefährdet 
seien. Zudem ist die Gasmischung leicht entzündbar, was bevorstehende Arbeiten 
deutlich erschweren dürfte. 1988 explodierte in der Nordsee die Plattform 
"Piper Alpha", nachdem dort Gas ausgeströmt war. 167 Menschen kamen bei dem 
Unglück ums Leben.

Gefahr für Fische, Plankton und Bodenlebewesen

Der bei Erkundungsflügen beobachtete Ölfilm erstreckt sich nach Angaben des 
britischen Energieministeriums über eine Fläche von rund 1,4 mal 11 Kilometern. 
Mit den Worten von Großbritanniens Energieminister Charles Hendry klingt das 
wenig dramatisch: "Die Menge des Films entspricht einem Sechzehntel eines 
Olympia-Schwimmbeckens." Er bescheinigte dem Konzern und den Behörden ein gutes 
Krisenmanagement. "Bislang sind alle Vorschriften eingehalten und die richtigen 
Schritte eingeleitet worden", so Hendry.

Naturschützer warnen dagegen vor verheerenden Folgen, die das ausströmende Gas 
und Öl auf die Umwelt haben kann - insbesondere nach Angaben von Total so 
genanntes Saures Gas entweicht, das mit Schwefelwasserstoff angereichert ist. 
"Bei einem, wie von Experten befürchteten, langandauernden Gasaustritt könnten 
Todeszonen in der Umgebung entstehen und das Ökosystem der Nordsee schädigen", 
sagte Meeresschutzexperte Stephan Lutter vom WWF. Auch die Kohlenwasserstoffe 
und Kondensate aus dem eigentlichen Erdgas würden in hohen Mengen eine Gefahr 
für Fische, Plankton und Bodenlebewesen darstellen.

Im Golf von Mexiko, in dem allerdings um die 780 Millionen Liter Öl ausgetreten 
sind, zeigen sich die verheerenden Folgen für die Umwelt an verschiedenen 
Stellen. Gerade berichteten Forscher von Schäden, die das Öl bei Korallen 
angerichtet hat.

Die norwegische Umweltgruppe Bellona sprach angesichts des hohen Drucks und der 
hohen Temperaturen im Gasvorkommen von einem "Bohrloch der Hölle" und erklärte: 
"Das Problem ist außer Kontrolle geraten." Bevor die Arbeiter auf der Plattform 
in Sicherheit gebracht worden seien, hätten sie sich 14 Stunden um eine 
Eindämmung des Problems bemüht, sagte Bellona-Chef Frederic Hauge.

Aktienkurs von Total eingebrochen

Greenpeace kritisierte in Anbetracht des Unglücks, dass die britische Regierung 
neue Anreize für Bohrungen in tieferem Wasser westlich der Shetland-Inseln 
biete und wies darauf hin, dass die Öl- und Gasförderung in der Nordsee für die 
Arbeiter und die Umwelt gefährlich sei.

Total erklärte, der Konzern halte sich alle Optionen offen, das Leck zu 
beseitigen - darunter auch eine Entlastungsbohrung. Dies würde jedoch rund 
sechs Monate dauern. Total flog nach eigenen Angaben 10 bis 20 Spezialisten ein 
und heuerte den Dienstleister Wild Well Control an, der auch bei der 
Katastrophe im Golf von Mexiko 2010 zum Einsatz kam.

An der Plattform förderte Total täglich neun Millionen Kubikmeter Gas, was drei 
Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdgas entspricht. Zudem wurden an 
der Bohrinsel täglich 60.000 Barrel Leichtöl gewonnen - rund 5,5 Prozent der 
britischen Gesamtfördermenge von Erdöl. Nach der Evakuierung der Plattform zog 
der Gaspreis an. An der Pariser Börse verlor die Total-Aktie mehr als sechs 
Prozent und war damit der mit Abstand größte Verlierer im Pariser Leitindex 
CAC40 sowie im EuroStoxx50.

wbr/Reuters

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Gasleck in Nordsee: Zweiter Energiekonzern zieht Arbeiter von Bohrinsel ab 
(27.03.2012)
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,823981,00.html
"Deepwater Horizon"-Katastrophe: Öl schädigt Korallen (27.03.2012)
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,824013,00.html
Gasleck: Energiekonzern evakuiert Nordsee-Bohrinsel (26.03.2012)
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,823830,00.html

Mehr im Internet

Total: Informationen zum Elgin-Zwischenfall
http://www.totalepmediacentre.com/go?Elgin25mar2012
Zwischenfälle in der Nordsee: Grafiken vom "Guardian"
http://www.guardian.co.uk/news/datablog/2011/jul/06/oil-spills-north-sea-rigs?intcmp=239#data

_______________________________________________________________________

++ Weitergeleitet durch DNR Redaktionsbüro Fachverteiler für Mitgliedsverbände 
++ Veröffentlichungsrechte bei den AutorInnen ++ Bitte insbesondere nicht auf 
Webseiten stellen ++ Bitte nur in eigener Organisation weiterleiten ++ 
Fachverteiler abbestellen: mailto:[email protected]?subject=keine-mails ++ 
Weitere Umwelt-Infodienste: www.dnr.de/umweltinfo ++ Umweltpolitische 
Monatszeitschrift: www.dnr.de/umwelt-aktuell ++ Bitte prüfen Sie, ob diese 
E-Mail wirklich ausgedruckt werden muss. Danke! ++






_______________________________________________
Pressemeldungen mailing list
[email protected]
https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen

Antwort per Email an