Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung http://www.faz.net/-gpg-70bas
Druck auf Buchhändler WWF drängt kritisches Buch vom Markt 02.06.2012 Der WWF versucht den Verkauf eines Buches zu stoppen, das sich kritisch mit der Naturschutzstiftung auseinander setzt. Mehrere Buchhändler haben den Titel schon aus dem Programm genommen. Der WWF teilte mit, er wehre sich damit gegen falsche Tatsachenbehauptungen Mit ungewöhnlicher Schärfe geht die Naturschutzstiftung WWF Deutschland gegen ein Buch vor, das sich kritisch mit dem World Wide Fund for Nature auseinandersetzt. In seinem Auftrag hat eine Anwaltskanzlei bei großen Buchhändlern wie Amazon oder Libri interveniert und Unterlassungsansprüche geltend gemacht. Zahlreiche Buchhändler haben daraufhin das Schwarzbuch WWF des Journalisten Wilfried Huismann aus ihrem Programm genommen, obwohl der WWF vor Gericht bislang keine einstweilige Verfügung gegen den Titel erreichen konnte. Das Landgericht Köln will erst nach einer mündlichen Verhandlung am 15. Juni darüber entscheiden. Somit bleibt das Buch vorerst erlaubt und ist dennoch praktisch vom Markt verschwunden. Über den Verlag kann es noch bezogen werden [1]. Der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Burkhardt Müller-Sönksen warnte vor einer Selbstzensur durch die Großhändler. Ob das Buch falsche Tatsachen enthält, wird das Gericht im Rahmen der mündlichen Verhandlung und einer etwaigen Beweisaufnahme klären, sagte Müller-Sönksen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). Derweil müssten die Großhändler nicht auf die Hinweise seitens der Anwälte des WWF eingehen. Sollten die Händler ohne Prüfung kollektiv einknicken, käme dies einer Selbstzensur gleich, die die Meinungsfreiheit faktisch beschränkt, warnte der FDP-Politiker. Huismann [2] kritisiert in seinem Buch die Nähe des WWF zur Industrie, dessen koloniale Vergangenheit und Intransparenz sowie die Beteiligung an ökologisch umstrittenen Projekten. Insbesondere wirft er dem WWF vor, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die für Naturzerstörungen verantwortlich sind. Der WWF Deutschland weist die Vorwürfe zurück [3] und teilte mit, er stelle sich selbstverständlich gerne jeder kritischen Berichterstattung, wehre sich aber gegen falsche Tatsachenbehauptungen. Das Buch beschreibe viele Umweltprobleme, für die der WWF aber nicht verantwortlich sei. Das Gegenteil ist richtig: Der WWF versucht, Märkte zu verändern, um eine möglichst nachhaltige Wirtschaftsweise voranzutreiben. Die Verlagsgruppe Random House teilte der F.A.S. mit, im Auftrag des sonst so sanft auftretenden WWF Deutschland sei bereits vor der Buchveröffentlichung massiv Druck auf den Verlag ausgeübt worden. Unser Verlagsverständnis von Pluralismus und Meinungsfreiheit sieht jedenfalls anders aus. Das Buch war am 20. April erschienen und zunächst auch erhältlich. Gut eine Woche später bekamen die Buchhändler Post von der Anwaltskanzlei und stoppten den Verkauf. Wir bewerten das nicht inhaltlich, sagte der Geschäftsführer des Buchportals Libri.de, Per Dalheimer, der F.A.S. Wir nehmen den Titel dann raus und warten auf eine Klärung. Der Buchhändler Thalia teilte mit, man wolle sicherstellen, dass wir nur rechtlich unstrittige Titel im Sortiment führen. Amazon wollte sich nicht zu dem Vorgang äußern. Der Verlag hat bislang die Hälfte der Auflage in Höhe von 10.000 Stück absetzen können. Autor Huismann sprach von einer flächendeckenden Einschüchterungskampagne des WWF. -- [1] http://www.randomhouse.de/Buch/Schwarzbuch-WWF/e398886.rhd [2] http://www.wilfried-huismann.de/ [3] http://www.wwf.de/schwarzbuch-wwf/ -------------------------------------------------------------------------- Die Welt http://www.welt.de/106407074 02.06.12 Die Macht hinter dem Panda Nachhaltig beschädigt: Wilfried Huismanns Reportagen über den WWF bringen Licht in die dunklen Machenschaften der hoch angesehen Naturschutzorganisation Von Marion Lühe Laut Marktforschung zählt der Panda des WWF zu den glaubwürdigsten Markenzeichen der Welt. Kein Wunder, dass Firmen wie Coca-Cola, Unilever und Shell sich darum reißen, ihre Produkte mit dem sympathischen Wappentierchen zu schmücken. Dafür verpflichten sie sich nicht nur, "nachhaltig" und ressourcenschonend zu produzieren, sondern zahlen dem WWF auch hohe Summen. Die weltgrößte Naturschutzorganisation mit Hauptsitz in Genf und einem jährlichen Spendenaufkommen von 500 Millionen Euro betont immer wieder Sinn und Zweck einer solch engen Kooperation mit führenden Industrieunternehmen: "Man kann die Welt nicht mit Nein-Sagen verändern." Ihr Projekt "Green Economy" verspricht vollmundig mehr Wachstum und Konsum bei gleichzeitigem Erhalt der natürlichen Ressourcen. Wie genau diese "Paarung von Panda und Profit" funktioniert und welche schmutzigen Geschäfte mit dem globalen Umweltgütesiegel "grün gewaschen" werden, lässt sich in Wilfrid Huismanns "Schwarzbuch WWF" nachlesen. Auf seinen Reisen nach Indien, Indonesien und Argentinien hat der Autor und Filmemacher Fakten zusammengetragen, die die Glaubwürdigkeit der Naturschutzorganisation bezweifeln lassen. Der mit großem PR-Aufwand betriebene Einsatz für bedrohte Tierarten beispielsweise erweist sich bei näherem Betrachten als fragwürdiges Unternehmen. In Indien spricht Huismann mit Experten, die dem WWF-Projekt zur Rettung des Tigers jeden Nutzen absprechen, ja sogar von gravierenden Schäden berichten. Spendengelder landen in den Taschen lokaler Funktionäre, die einheimische Bevölkerung wurde zwangsweise umgesiedelt. Über die Versicherung des WWF, man habe eine einvernehmliche Lösung mit den Ureinwohnern gefunden und diese sogar in Projekte integriert, können Huismanns Gesprächspartner nur lachen. Ihre Dörfer und ihre Kultur sind verschwunden, nur wenige von ihnen sind in dem neugeschaffenen Nationalpark geblieben, wo sie kellnern. Aus den Herrschern des Dschungels sind Servicekräfte des Ökotourismus geworden. Die Rettung bedrohter Tiere geht über das Wohl der Menschen, aber auch mit dem Tierschutz ist es anscheinend nicht so weit her, wie die Werbeplakate des WWF mit ihren traurig dreinblickenden Orang-Utans suggerieren. Seit die Europäer Palmöl als Ökotreibstoff entdeckt haben, werden die Regenwälder Indonesiens mit Hochdruck gerodet und in industrielle Monokulturen umgewandelt, ohne jede Rücksicht auf Orang-Utans. Aufgrund der Zusage, eine vergleichsweise kleine Fläche "Primärwald" stehen zu lassen, habe der asiatische Energiekonzern Wilmar das begehrte Nachhaltigkeits-Zertifikat des WWF erhalten, so Huismann. In Argentinien diene bereits über die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzflächen dem Anbau von Soja für Biosprit. Die Sojawüsten zerstörten die Artenvielfalt und trieben Kleinbauern in die Slums der Städte. Dass das zuständige Agrarunternehmen Monsanto trotz Einsatz von Gentechnik angeblich den "Persilschein" des WWF erhielt, stellt für Huismann einen Tabubruch innerhalb der Naturschutzbewegung dar. Angesprochen auf solchen "Ablasshandel" mit Nachhaltigkeitszertifikaten verschanzt man sich beim WWF hinter Floskeln. Hinter vorgehaltener Hand aber geben Mitarbeiter dem Autor durchaus ihre Enttäuschung zu erkennen. Huismanns Reportage öffnet die Augen über die verborgenen Seiten dieser nach außen sich offen gebenden Naturschutzorganisation. Sie zeigt eine einflussreiche, im Schatten von Regierungen agierende politische Macht, die mit der Agrarindustrie zusammenarbeitet und den einheimischen Völkern in Kolonialherrenmanier zeigt, wo's langgeht. Nach Lektüre dieses Buches ist der "Glaube an das Gute im Panda" erschüttert. Wilfried Huismann: Schwarzbuch WWF. Gütersloher Verlagshaus. 256 S., 19,90 Euro. ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Ende der weitergeleiteten Nachricht ° Alle Rechte bei den AutorInnen Unverlangte und doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Greenhouse Infopool Berlin [email protected] www.twitter.com/greenhouse_info www.freie-radios.net www.coforum.de ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° "Klimaschutz muss als Bewegung von unten kommen." http://energiewende.wordpress.com http://klima-der-gerechtigkeit.de
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