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29. Mai 2013

Indien: Regierung auf Konfrontationskurs zur Zivilgesellschaft -
Repressalien gegen NGOs

von Ranjit Devraj

Neu-Delhi, 28. Mai (IPS) - Jahrelang hat sich Indiens liberale, von der
Kongresspartei angeführte Koalitionsregierung über den Widerstand
zivilgesellschaftlicher Gruppen gegen Pläne geärgert, wirtschaftliches
Wachstum durch Privatisierungen, Mega-Atomkraftwerkparks und die Ausbeutung
von Rohstoffen auf indigenen Territorien zu erzielen. Nun hat sie Hunderten
Nichtregierungsorganisationen (NGOs) den Kampf angesagt, deren Aktivitäten
angeblich "öffentlichen Interessen zuwiderlaufen".

Am 30. April erhielten mehrere NGOs die Mitteilung, dass die Bankkonten,
über die sie auswärtige Zuschüsse erhalten, eingefroren worden sind [1].
"Das war ein Schock, der allerdings nicht überraschend kam", meinte Lalita
Ramdas von 'Greenpeace International'. Schließlich würden zunehmend
autoritäre, undemokratische und repressive Maßnahmen gegen jeden ergriffen,
der die Positionen und Entscheidungen der Regierung in Frage stelle.

Betroffen sind vor allem Organisationen, die sich mit Atomkraft,
Menschenrechten, Umwelt und Ökologie beschäftigen - Bereiche, in denen
Firmeninteressen auf dem Spiel stehen. Zu ihnen gehört das 'Indian Social
Action Forum' [2] (INSAF), ein Netzwerk aus mehr als 700 NGOs. INSAF
versucht derzeit, den staatlich eingeschränkten Zugang zu den
internationalen Hilfsgeldern gerichtlich zu erzwingen.

In einer beim Obersten Gerichtshof eingereichten Petition beschreibt sich
INSAF als Organisation, die sich dafür einsetzt, "dass die in der indischen
Verfassung verankerten Grundrechte gegen die offenkundigen und ungezügelten
Verstöße durch den Staat und durch Unternehmen geschützt werden müssen".

Kampagnen gegen Land Grabbing und Umweltfrevel

Das Netzwerk organisiert Kampagnen gegen Land Grabbing, Umweltkatastrophen
durch Bergbaubetriebe, die Privatisierung von Wasser, gen-modifiziertes
Essen, Kernkraftwerke und gegen die Auflagen internationaler
Finanzinstitutionen wie Weltbank und Asiatischer Entwicklungsbank, die den
Menschen schaden.

Wie INSAF vor Gericht betonte, engagiert sich die Organisation für eine
säkulare und friedliche Sozialordnung und verurteilt Angriffe auf das Leben
und die Rechte der Menschen. Koordinator Anil Chaudhary verwehrte sich
dagegen, dass Organisationen, die sich gegen die Diskriminierung von Frauen
einsetzten, als "politisch" eingeordnet worden seien. Ähnliches gelte für
Gruppen, die sich für die Rechte von Bauern einsetzten. "Die gleiche Willkür
kann auch bei Umweltgruppen zum Tragen kommen, die die Natur gegen jede Form
gewissenloser Industrialisierung schützen wollen."

Chaudhary zufolge sollte die Regierung nicht allein die Konten von
Organisationen einfrieren, die unter dem Schirm von INSAF arbeiten, sondern
die gesamte ausländische Förderung stoppen. INSAF versucht unter anderem,
eine parlamentarische Untersuchung der Aktivitäten internationaler
Finanzinstitutionen wie der Weltbank in Indien zu veranlassen.

Parallel zu den INSAF-Kampagnen machen derzeit einflussreiche Bewegungen für
Transparenz und saubere Regierungsführung von sich reden. Initiator ist
Arvind Kejriwal, der Gründer der 'Aam Admi'-Partei, die bei den Wahlen 2014
antreten will. Kejriwal, der mit seinem sozialen Engagement 2005 das
Inkrafttreten eines Gesetzes über Informationsfreiheit [3] erreicht hatte,
wird auch mit der Transparenz-Kampagne von Anna Hazare in Verbindung
gebracht. Hazare war im April 2011 in einen Hungerstreik getreten, der von
mehr als 100.000 Menschen unterstützt wurde.

Straßendemos für Regierung unbequem

Straßendemonstrationen für eine bessere Regierungsführung sind Neu-Delhi
seither ein Dorn im Auge. Als die Proteste nach der brutalen Vergewaltigung
einer Studentin im vergangenen Dezember ihren vorläufigen Höhepunkt
erreichten, ging die Polizei mit Gewalt gegen die Demonstranten vor.

Die Regierung von Ministerpräsident Manmohan Singh stößt sich ferner an
Bemühungen von NGOs, die Arbeiten an mehreren geplanten Kernkraftwerksparks
an den Küsten lahmzulegen, insbesondere in Jaitapur im Bundesstaat
Maharashtra, in Mithi Virdi in Gujarat und in Kudankulam in Tamil Nadu.

Im Februar blockierte die Regierung die Konten von zwei einflussreichen NGOs
in Tamil Nadu, die mit Protesten gegen das Kraftwerk in Kudankulam in
Verbindung gebracht wurden. 'Tuticorin Diocesan Association' [4] und 'Tamil
Nadu Social Service Society' hatten nach eigenen Angaben Hilfsgelder in Höhe
von vier Millionen beziehungsweise acht Millionen US-Dollar über einen
Zeitraum von fünf Jahren bis 2011 erhalten. Mit starkem Rückhalt durch die
Kirche arbeiten die Gruppen weiter, obwohl sie keinen Zugriff auf ihre
Konten haben. Im gleichen Fünf-Jahres-Zeitraum hatten etwa 22.000 NGOs in
ganz Indien ausländische Hilfsgelder in Höhe von insgesamt rund zwei
Milliarden Dollar erhalten.

Unerwartete Proteste gab es auch in den Reihen von Verbündeten der
Kongresspartei in der regierenden 'United Progressive Alliance' (UPA). Devi
Prasad Tripathi, Parlamentarier und Generalsekretär der 'Nationalist
Congress Party', erinnerte Innenminister Sushil Kamar Shinde daran, dass
sich die UPA den Schutz "säkularer, demokratischer und progressiver Kräfte
im Land" auf die Fahnen geschrieben habe. (Ende/IPS [5]/ck/2013) [ASIEN/843]

Links:

[1] http://insafindia.net/2013/05/insaf-bank-account-frozen-frozen-by.html
[2] http://insafindia.org/
[3] http://rti.gov.in/
[4] http://www.tasoss.org/
[5] http://www.ipsnews.net/2013/05/indian-govt-on-collision-course-with-civi




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