Informationsdienst Gentechnik
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20.08.2013 

Gene können von der Nahrung ins menschliche Blut gelangen

Eine neue Studie liefert Hinweise darauf, dass komplette Gene aus
Nahrungsmitteln in die Blutbahn von Menschen gelangen können. Forscher
verschiedener Universitäten aus Ungarn, den USA und Dänemark untersuchten
Blutproben - und fanden darin DNA-Abschnitte, anhand derer sie zum Beispiel
feststellen konnten, ob jemand Kartoffeln oder Tomaten gegessen hatte. Nun
müssten auch Behörden, die für die Überprüfung von Gentechnik-Organismen
zuständig sind, ihre Position überdenken, forderte die britische
Organisation GM Watch. Offizielle Stellen gingen lange davon aus, das Erbgut
pflanzlicher und tierischer Lebensmittel werde bei der Verdauung gänzlich
aufgelöst.

Das Autorenteam mit Forschern der ungarischen Akademie der Wissenschaften,
der Harvard Medical School und der Technischen Universität Dänemarks
untersuchte über 1.000 Blutproben, die im Zuge von anderen Studien genommen
worden waren. Im Blutplasma fanden sie neben zellungebundener Eigen-DNA der
Individuen auch fremdes Erbgut. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht nur
ein Teil der DNA nicht vollständig abgebaut wird, sondern dass Fragmente,
die lang genug sind um komplette Gene zu tragen, vom Verdauungstrakt ins
Blut gelangen können“, schreiben die Wissenschaftler im nicht-kommerziellen
Fachjournal Plos One. Bislang wurde vielfach angenommen, dass das nicht
möglich sei. Dafür, dass diese Annahme überholt sein könnte, wurden
allerdings schon mehrere Indizien geliefert.

In den Blutproben stellten die Wissenschaftler Genmaterial aus
Pflanzenzellen fest, vor allem von Kartoffeln, Tomaten und Sojabohnen. Es
habe auch Hinweise auf Hühnchen-DNA gegeben, denen aber mit weiteren Proben
nachgegangen werden müsse, so die Experten. Besonders häufig scheint das
pflanzliche Erbgut im Blutplasma von Menschen aufzutauchen, die an
chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten leiden. Über welche Mechanismen die
DNA den Verdauungsprozess übersteht und ins Blut gelangt, ist noch unklar.

Die britischen Gentechnik-Kritiker von GM Watch sehen in der aktuellen
Untersuchung einen weiteren Beleg dafür, dass die Annahmen der für
Gentechnik zuständigen Behörden überholt seien. „Du bist, was Du isst“,
dieser Satz treffe eben doch zu. Das müssten nun auch Behörden wie die
britische Food Standards Agency und die EU-Lebensmittelbehörde EFSA zur
Kenntnis nehmen. Ihre Einschätzung ist schließlich nötig, um gentechnisch
veränderten Pflanzen Zulassungen zu erteilen. Diese Pflanzen enthalten meist
Gene aus anderen Spezies, beispielsweise Bakterien oder Viren. Neuere
Kreationen wie der mehrfach modifizierte Smartstax-Mais der Agrarkonzerne
Monsanto und Dow enthalten sogar künstliche Gene, die komplett im Labor
hergestellt wurden. Smartstax erhält in der EU bald eine Zulassung und darf
dann als Futtermittel für die Viehhaltung genutzt werden. [dh]

PLOS ONE: Complete Genes May Pass from Food to Human Blood (30.07.13)
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi/10.1371/journal.pone.0069805

GM Watch: Complete genes can pass from food to human blood - study
http://www.gmwatch.org/index.php/news/archive/2013/15007 

Infodienst: Forschung: Gentech-Nahrung könnte Dickmacher sein (06.08.12)
http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/26154.html

Infodienst Dossier: Die EFSA - Probleme mit der Risikoprüfung von Gentechnik
http://www.keine-gentechnik.de/dossiers/efsa-reform.html

Infodienst: China: Gentechnik-Bakterien in Flüssen (08.01.13)
http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/26897.html

Infodienst: EFSA-Experte: Viele Gentechnik-Pflanzen enthalten Viren-Gen
(23.01.13)
http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/26961.html




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