EnergyNews
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Power to Atomkraft?

Power to Gas zeigt sich für Jahrzehnte als Technik im Schafspelz für
unterbeschäftigte Kohle- und Atomkraftwerke

2. September 2013

Überflüssigen Strom in Gas und später wieder in Strom umwandeln: Das hört
sich unverdächtig an wie eine gute Idee zur Stromspeicherung - selbst wenn
am Ende der Speicherung von jeder Kilowattstunde Strom nur noch gut eine
Drittel bis eine Viertel Kilowattstunde übrigbleibt. Aber Strom gibt es ja
ohnehin zu viel und ohne Speicher geht die Energiewende nicht, argumentieren
die Protagonisten dieser Technik. HARTMUT EULER, seit vielen Jahren
kritischer Begleiter und Mitgestalter der Energie-, Klimaschutz- und
Technologiepolitik in Hessen und Schleswig-Holstein, hat diese Argumente
akribisch zerpflückt. Wir geben die wesentlichen Argumente seiner
Veröffentlichung [*] wieder. 

Das Märchen vom Stromüberfluss

Im Jahr 2011 konnte gerade einmal ein Tausendstel des deutschen
Stromverbrauchs nicht ins Stromnetz eingespeist werden (150
Gigawattstunden). Bis zum Jahr 2030 könnte sich die Menge des überflüssigen
Stroms auf zwei Prozent erhöhen. In den kommenden 20 Jahren gibt es also
praktisch keinen Stromüberfluss.

Zwölf zu Eins

Wer aus Strom Gas herstellt, der muss genau diesen Strom zusätzlich
erzeugen. Weil bei der fossilen Stromerzeugung aus rund drei Einheiten
Primärenergie nur eine Einheit Strom erzeugt werden kann und drei Viertel
des eingesetzten Stroms bei der Power-to-Gas-Technik verloren gehen, braucht
man neun bis zwölf (!) Kilowattstunden Primärenergie für eine Kilowattstunde
Strom aus Power to Gas! 

Ebenso drastisch sind die Umweltfolgen: Die Power-to-Gas-Kilowattstunde ist
mit den Emissionen der Erzeugung von drei bis vier Kilowattstunden Strom
belastet. Wie immer auch der Strommix im Netz ist: Für die nächsten zwei
Jahrzehnte ist Power to Gas alles andere als eine umweltschonende Technik.
Zum Vergleich: Pumpspeicher haben einen Verlust von nur rund 30 Prozent.

Wirtschaftlichkeit

Wegen der hohen Umwandlungsverluste bleibt Power to Gas jedenfalls bis 2050
unwirtschaftlich (LEITNER et. al., ET 2013, S. 35). Das liegt daran, dass
der Strom für Power to Gas erst kostspielig erzeugt werden muss, bevor er
dann sehr verlustreich gespeichert wird. Wenn die Power-to-Gas-Anlagen nur
so lange und dort laufen, wo es überflüssigen Strom gibt, dann laufen die
Anlagen nur wenige Stunden im Jahr, viel zu wenig für eine ausreichende
Wirtschaftlichkeit.

Der Charme der Lüge

Man könnte aber Power to Gas umetikettieren als erneuerbare Energie -
betrieben für die kommenden Jahrzehnte mit konventionellem Strom. Die Kosten
hätten alle Verbraucher zu tragen. Zwar wird diese Volksverdummung derzeit
flächendeckend versucht. Ob sie gelingt, erscheint fragwürdig. Denn zu
offensichtlich ist, dass Power to Gas heute die Energiewende schädigt durch
unsinnige Mehrkosten, zusätzliche Klimagas- und Schadstoffemissionen und
erhöhten Stromverbrauch.

Aber wir brauchen doch Speicher ...

Für eine Vollversorgung mit Erneuerbaren müssen acht Prozent des
Jahresstromverbrauchs gespeichert werden, das sind etwa 40 Terawattstunden.

Derzeit liegt die Speicherkapazität in Pumpspeichern in Deutschland bei
gerade 0,04 Terawattstunden. Dafür gibt es in Norwegen und Schweden
Speicherseen mit einer Kapazität von 116 Terawattstunden: 2.300 Mal mehr als
in Deutschland. Derzeit werden diese Seen nur zur Stromerzeugung und nicht
zur Stromspeicherung genutzt. EULER plädiert für eine Kooperation mit den
nördlichen Nachbarn: Deutscher Überflussstrom wird im Norden verbraucht. Das
Niveau der Seen dort steigt, weil die Kraftwerke in dieser Zeit pausieren
können. Gibt es in Deutschland zu wenig Strom, dann erzeugen die Kraftwerke
dort zusätzlich Strom für Deutschland. Die Prognos-Studie „Bedeutung der
internationalen Wasserkraftspeicherung für die Energiewende“ von 2012
beleuchtet genau dieses Szenario. Energieverluste gibt es nur für den Hin-
und Rücktransport des Stroms in der Größenordnung von insgesamt acht
Prozent. Zu den heute bestehenden Leitungen von drei Gigawatt wären neue
Leitungen mit zehn Gigawatt notwendig. Obwohl Norwegen nicht am Hungertuch
nagt, wäre eine faire Bezahlung für beide Länder ein sehr gutes Geschäft.

Vor dem Jahr 2030 werden gar keine Speicher in nennenswerter Größenordnung
gebraucht, weil es keinen Überschussstrom gibt, wenn die Leitungen ausgebaut
werden. Bis dahin wird es schon aus wirtschaftlichen Gründen auch dezentrale
Energiespeicher in nennenswerter Größenordnung geben. Wie hoch der dann noch
verbleibende Speicherbedarf ist, kann heute kaum abgeschätzt werden.

Aus acht mach 24

Acht Prozent des Strombedarfs müssen für eine regenerative Vollversorgung
gespeichert werdenn. Verwendet man Speichertechniken mit einem Verlust von
zwei Dritteln bis drei Vierteln - wie die Power-to-Gas-Technik - dann
braucht man acht mal drei bis vier, also 24 bis 32 Prozent mehr Strom für
die Speicherung. Das sind mehr Anlagen der erneuerbaren Energien, als heute
insgesamt vorhanden sind, und sie tun dann nichts anderes, als die Verluste
der Wasserstoffproduktion auszugleichen. Wer würde das akzeptieren, wenn es
auch bessere, günstigere und umweltfreundlichere Lösungen gibt?

Stopp für Power to Gas

Um Power to Gas zu stoppen, genügt der gemeinsame Wille aller
Entscheidungsträger, die neuerdings zunehmend gewünschten direkten und
indirekten Subventionen zu verweigern. Denn ohne Subventionen oder sonstige
staatliche geregelte Vergünstigungen besteht auch bei deutlich sinkenden
Anlagenkosten überhaupt keine Chance, dass Wasserstoff aus Strom
wirtschaftlich wird.

Leitungen oder Speicher?

Stromleitungen sollten gebaut werden. Denn der Strom muss immer von dort, wo
der Wind gerade weht und die Sonne gerade scheint, dorthin gebracht werden,
wo der Wind gerade nicht weht und die Sonne gerade nicht scheint. Ansonsten
werden entweder die Atom- und Kohlekraftwerke künstlich zusätzlich
beschäftigt oder es werden sehr viel mehr Windkraft- und Solaranlagen
benötigt.

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Selbst fragen, selbst rechnen - so einfach geht es:

Es gibt in dem Speicherprozess drei wichtige Wirkungsgradzahlen, die
miteinander multipliziert werden müssen: Elektrolyseur, Handling - hier
können es mehrere Zahlen für Transport, Einpressen, Kühlen sein - und die
Rückumwandlung.

Wenn der Wirkungsgrad des Elektrolyseurs 80 Prozent beträgt, der
Wirkungsgrad des Handlings bei 15 Prozent Verlusten liegt, somit 85 Prozent
beträgt, und der Motor oder die Brennstoffzelle einen Wirkungsgrad von 40
Prozent haben, so lautet die Rechnung. 0,8 * 0,85 * 0.4  =  0,272.

27,2 Prozent des Stroms werden zurückgewonnen.

Teilt man die Menge des aus dem Elektrolyse- und Rückverstromungsprozess
ausgespeisten Stroms durch das oben gewonnene Ergebnis, so weiß man, wie
viel Strom man insgesamt einsetzen muss, um die gewonnene Energie (zum
Beispiel eine Kilowattstunde) zurückzuerhalten - in diesem Beispiel 1 /
0,272 = 3,68 kWh. 2,68  kWh, also das 2,68-Fache des aus dem
Elektrolyseprozess ausgespeisten Stroms, muss aus Atomkraft, Kohlekraft oder
aus zusätzlich zu errichtenden Windkraftanlagen bereitgestellt werden, um
die Verluste auszugleichen. Die eine Kilowattstunde muss abgezogen werden,
um nicht die Gesamtmenge, sondern nur die Verluste zu errechnen.

Emissionsrechnung: 5-MW-Windkraftanlage und Kostenvergleich Skandinavien 
http://www.energieverbraucher.de/files_db/1378113577_8065__7.pdf

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[*] Hartmut Euler: Vernetzen statt vernichten. Wasserstoff aus Strom
beziehungsweise „Power to Gas“, das umwelt- und klimabelastende, teure und
unnötige Beschäftigungsprogramm für Atom- und Kohlekraftwerke. Kiel 2013
http://www.energieverbraucher.de/files_db/1378106655_8702__12.pdf




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