-----Original Message----- Feed: Blickpunkt Lateinamerika Posted on: Monday, September 02, 2013 2:29 PM Author: Blickpunkt Lateinamerika ([email protected]) Subject: Argentinien: Breite Front gegen Fracking in Argentinien vergebens
Breite Front gegen Fracking in Argentinien vergebens In einem Offenen Brief mit dem Titel "Schweigen ist Komplizenschaft" kritisieren Kirchenvertreter den umstrittenen Vertrag wegen seiner Geheimklauseln als inakzeptabel. Doch der Protest nützte nichts: Das Regionalparlament stimmte in dieser Woche der Kooperationsvereinbarung von YPF und Chevron zu. Schon der Titel ist eine Anklage: In einem Offenen Brief mit dem Titel "Schweigen ist Komplizenschaft" kritisieren Kirchenvertreter den umstrittenen Vertrag wegen seiner Geheimklauseln als inakzeptabel. Wer dem zustimme, begehe einen Verrat am Volk. Deutlicher als die rohstoffreiche Diözese Neuquen um Bischof Virginio Domingo Bressanelli hat die katholische Kirche in Argentinien nur selten Abgeordnete aufgefordert, eine Vereinbarung abzulehnen. Doch alle wütenden Proteste nutzten nichts: Das Regionalparlament im argentinischen Neuquen stimmte in dieser Woche der Kooperationsvereinbarung von YPF und Chevron zu. Damit steht einer Ausbeutung der unkonventionellen Rohstoffe in der Region nichts mehr im Wege. Argentinien hofft auf einen dringend notwendigen Impuls für die eigene Erdöl- und Erdgasproduktion; Umweltschützer, Kirche und soziale Bewegungen der Ureinwohner befürchten unabsehbare Folgen für die Umwelt und einen Ausverkauf argentinischer Vorkommen. Auch Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel hat wenig Verständnis für die Allianz des erst 2012 verstaatlichten Konzerns YPF mit dem US-Multi: "Mit dem Abkommen mit Chevron übergeben die Argentinier die Ressourcen an die USA. YPF ist eine Firma, die eine vergiftende Methode wie Fracking benutzt." Die Heftigkeit der Proteste in Neuquen, die mehr als 20 Verletze forderte, erinnert an die Geburtsstunde der Anti-Atomkraft-Bewegung in den 1980er Jahren in Europa. Die Angst vor der umstrittenen Fördermethode und das Misstrauen gegenüber Chevron, dessen Geschichte in Lateinamerika an Umweltskandalen ganze Zeitungsseiten füllt, treibt die Menschen auf die Straße. Staatspräsidentin Cristina Kirchner hofft mit der Kooperation der beiden Unternehmen auf einen Befreiungsschlag. Obwohl das südamerikanische Land über reiche Rohstoffvorkommen verfügt, verzeichnete die Erdöl- und Erdgasproduktion zuletzt rückläufige Zahlen. Grund sind immer neue bürokratische Hürden, Korruption und die aktuellen Währungsprobleme des argentinischen Peso. Wegen des unkalkulierbaren Risikos fand sich kaum ein internationaler Partner bereit, mit dem Staatsunternehmen YPF zusammenzuarbeiten. Kirchner hatte das Unternehmen 2012 im Rahmen eines Rohstoff-Gesetzes verstaatlicht. Während sich internationale Investoren daraufhin erschrocken zurückzogen, feierten Kirchner-Anhänger den Schritt als wichtigen Etappensieg auf dem Weg in eine energiepolitische Unabhängigkeit. Doch allein war YPF überfordert; die Idee des nationalen Alleingangs ist gescheitert. Nur Chevron erklärte sich bereit, auf einen Deal mit YPF einzusteigen. Umgerechnet rund eine Milliarde Euro investiert Chevron in das Projekt zur Förderung unkonventioneller Lagerstätten. Viele Argentinier glauben nun an einen Ausverkauf der eigenen Rohstoffe - was nicht zuletzt daran liegt, dass Kirchner in der Vergangenheit immer vor den US-Konzernen warnte. Dass Chevron obendrein in anderen lateinamerikanischen Ländern wie Ecuador eine Spur der Umweltverwüstung hinterließ, untergräbt ebenfalls das Vertrauen in die Zusammenarbeit. Besonders umstritten ist die Fördermethode. Um an unkonventionelles Erdöl und Erdgas zu kommen, will Chevron wie in den USA üblich auf Fracking setzen. Dabei werden Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in tiefliegende Gesteinsschichten gepresst, um Gas oder Öl zu fördern. Umweltschützer warnen vor unabsehbaren Folgen; Fracking-Experten widersprechen solchen Befürchtungen energisch. Widerstand leisten auch die Ureinwohner der Region. Albino Campo, Sprecher der indigenen Mapuche, kündigte bei der jüngsten Besetzung von Bohrungen in der Region erbitterten Widerstand an. Man habe die Bohrstellen besetzt, um dem Gouverneur zu zeigen, "dass wir nicht damit einverstanden sind, dass YPF und Chevron unser Land und unser Leben vergiften. Solange die Arbeiten nicht von unserer Kommune überwacht werden, werden wir keine weiteren Arbeiten zulassen." Quelle: Tobias Käufer, KNA View article... http://tinyurl.com/l4yqut9 _______________________________________________ Pressemeldungen mailing list [email protected] https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen
