On Monday, September 09, 2013 9:45 AM, Roland Schnell
[mailto:[email protected]] wrote:

Schon seltsam. Wenn ein Forscher aus Down-Under so etwas publiziert, dann
springen die Medien an. Dabei ist diese Banalität schon seit den 1980er Jahr
in Deutschland bekannt, als es noch eine rege Abfalldebatte gab.

Man stellte fest, dass vollständiges Recycling nicht möglich ist, weil immer
Nebenprodukte, Schlacke, Abgase etc. anfallen. Es gibt auch Berechnungen,
dass hinter einem Personalcomputer eine Tonne Material steht.

Die wirksamste Methode, diese eine Tonne nicht wirksam werden zu lassen, ist
der Verzicht auf die Herstellung des Personalcomputers. Das nannte man
"Abfallvermeidung"

Inzwischen wurde der Begriff "Abfallvermeidung" systematisch ausgehöhlt. Er
wird nur noch auf den unverwertbaren Restmüll bezogen und jede Form von
Recycling (inklusive Verbrennung = thermisches Recycling) gilt als
Abfallvermeidung.

Siehe auch:
http://www.graskraft.de/referenzen/abfallwirtschaft.html

Aber da der Prophet im eigenen Land nichts gilt, bleibt nichts anderes
übrig, als die Arbeit von Wiedmann als Erkenntnis aus dem englischen
Sprachraum zu verbreiten.

Roland Schnell


Am 09.09.2013 03:24, schrieb Greenhouse Infopool:

WirtschaftsWoche 
http://www.wiwo.de/ -- http://tinyurl.com/nk2lsrv

Verrechnet: Industrieländer schaden der Umwelt viel mehr als gedacht

Von Jan Willmroth 

04.09.2013 

Tommy Wiedmann [1] dürfte in dieser Woche einige Politiker und
Wissenschaftler vor den Kopf gestoßen haben. Der Ökonom und
Nachhaltigkeitsforscher von der australischen Universität New South Wales
hat eine Studie veröffentlicht (hier [2] als PDF), die ein ziemlich
drastisches Urteil über die Folgen des Wirtschaftswachstums in entwickelten
Ländern fällt: Die Welt verbraucht viel mehr Ressourcen, als Regierungen und
Organisationen wie die UN vorrechnen.

Damit sich der Ressourcenhunger der Welt nicht bis 2050 verdoppelt und der
Planet an seine Grenzen stößt, müssen Wirtschaftswachstum und
Ressourcenverbrauch entkoppelt werden. Glaubt man den bisher kursierenden
Zahlen, hat dieser Prozess in höher entwickelten Ländern bereits begonnen.

Durch effizientere Technologien, Recycling-Prozesse und die Zunahme des
Welthandels sind Länder wie Deutschland für jede zusätzliche Einheit
Bruttoinlandsprodukt auf immer weniger natürliche Ressourcen angewiesen, um
ihr Wachstum zu treiben. Das ist der Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum.

Wiedmann und seine Kollegen aber warnen: Dieser als „relative Entkopplung“
[3] von Wachstum und Ressourcenverbrauch bekannte Prozess ist nach ihren
neuen Berechnungen viel kleiner als bislang angenommen, und in einigen
Ländern findet er noch überhaupt nicht statt.

„Mit den aktuellen Messgrößen sind Regierungen nicht in der Lage, ihren
tatsächlichen Ressourcenverbrauch zu messen“, sagt Wiedmann. Weniger
Umweltschäden für jedes Prozent Wirtschaftswachstum - das ist offenbar noch
frommes Wunschdenken [4].

Weltweit 70 Milliarden Tonnen Rohstoffe

Für die Berechnungen entwickelten er und Kollegen der nationalen
australischen Wissenschaftsagentur CSIRO, der Universität Sydney und der
kalifornischen Universität in Santa Barbara ein neues Modell, mit dem sie
den Fluss von Rohstoffen in der Weltwirtschaft über einen Zeitraum von 18
Jahren und so den „materiellen Fußabdruck“ von fast allen Ländern der Erde
messen konnten.

In 2008 wurden demnach weltweit 70 Milliarden Tonnen Rohstoffe abgebaut -
die Autoren zählen dazu Eisenerze, Biomasse (also etwa Holz), fossile
Brennstoffe und Mineralien. Zehn Milliarden Tonnen wurden direkt gehandelt.
In die gewöhnlichen Berechnungen des Ressourcenverbrauchs fließt allerdings
nicht die Menge an Rohstoffen ein, die für Förderung und Transport benötigt
werden. Das waren den Berechnungen zufolge im gleichen Jahr 29 Milliarden
Tonnen. Damit gehen zwei Fünftel der weltweiten Rohstoffe allein für den
Export von Gütern und Dienstleistungen drauf.

Weil diese Menge nie das Herkunftsland verlasse, werde sie nicht adäquat
mitberechnet, schreiben die Autoren. Wenn ein deutscher Zulieferbetrieb für
die Autoindustrie eine Tonne Stahl verarbeitet, verbraucht er weit mehr als
nur eine Tonne Stahl, so das Argument. Das Konzept ähnelt dem des
CO2-Fußabdrucks [4], der die bei Produktion und Transport eines Produkts
anfallenden Emissionen mitberechnet und der in der Klimapolitik viel
diskutiert wird.

Materieller Fußabdruck: Die ehrliche Berechnungsmethode

Als Alternative zu gängigen Berechnungsmethoden wie dem inländischen
Materialverbrauch [5] schlägt Wiedmann nun vor, den „materiellen Fußabdruck“
zum Standard bei der Berechnung des Ressourcenverbrauchs zu machen.

Um ihn zu ermitteln, multiplizierten er und seine Kollegen die Nachfrage
eines Landes nach Gütern und Dienstleistungen in einem Jahr mit
Multiplikatoren, die alle für den Endverbrauch benötigten Materialien
repräsentieren. Diese Größen ermittelten sie mit einer gigantischen Menge an
Daten, in der Transaktionen von fast 15.000 Industriesektoren in 186 Ländern
erfasst sind.

Darin zeigt sich: In allen betrachteten Industrieländern wächst der
Ressourcenverbrauch annähernd proportional zum Bruttoinlandsprodukt, wenn
man den materiellen Fußabdruck zugrunde legt. Von relativer Entkopplung ist
dann keine Spur mehr. In absoluten Werten sind die USA der mit Abstand
größte Importeur von Rohstoffen, die in gehandelten Gütern stecken, und
China der größte Exporteur.

Die Berechnungsmethode steht nun für jeden bereit, und die Ergebnisse
scheinen eindeutig zu sein: Die Entkopplung von Wachstum und
Ressourcenverbrauch und dessen negativen Umweltfolgen ist eine unwahre
Geschichte - und wird es erst einmal bleiben.

Viele, die einen Hoffnungsschimmer für eine nachhaltigere Wirtschaft sahen,
werden jetzt also enttäuscht. Die Arbeit beginnt von Neuem.

[1] http://www.civeng.unsw.edu.au/staff/tommy_wiedmann
[2] http://phys.org/pdf297339999.pdf
[3] http://tinyurl.com/6yg7aff
[4] http://www.bmu.de/P431/
[5] http://tinyurl.com/oroqh2x




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