Schweizerische Depeschenagentur/news.ch
http://www.news.ch/600839/detail.htm

Schweizer Agrarforscher Hans Herren ausgezeichnet

Donnerstag, 26. Sep 2013  

Bern - Der Schweizer Agrarforscher Hans Rudolf Herren [1] erhält für seinen
Einsatz gegen Hunger und Armut den Alternativen Nobelpreis [2]. Der
Präsident der Stiftung Biovision ist laut deren Angaben der erste Schweizer,
der mit diesem seit 1980 verliehenen Preis ausgezeichnet wird.

Gemäss Biovision rettete er mit einem biologischen Programm zur
Schädlingsbekämpfung in Afrika Millionen von Menschen das Leben. Mit seiner
Stiftung helfe Herren heute Landwirten, «Hunger, Armut und Krankheit durch
biologischen Landbau zu bekämpfen».

Das Schaffen von Hans Rudolf Herren wird in der Mitteilung vom Donnerstag
als «bahnbrechende praktische Arbeit» bezeichnet, die einer «gesunden,
sicheren und nachhaltig globalen Nahrungsversorgung den Weg bahnt.»

Die Auszeichnung, die von der Right Livelihood Award-Stiftung vergeben wird,
ist mit 57'000 Euro dotiert. Insgesamt verteilt die Organisation 230'000
Euro an vier Preisträger.

Kampf gegen Chemiewaffen

Der US-Amerikaner Paul Walker bekommt den Preis inmitten der aktuellen
Diskussion um die Vernichtung von Syriens Giftgas-Vorräten als «einer der
effektivsten Wegbereiter für die Abschaffung von Chemiewaffen».

Walker habe sich als Direktor für «Environmental Security and
Sustainability» beim Internationalen Grünen Kreuz «unerbittlich» für die
Umsetzung der Konvention zum Verbot von Chemiewaffen eingesetzt, hiess es in
der Begründung der Stiftung. Die Konvention wird gegenwärtig von 189 Staaten
getragen.

«Die Chemiewaffenkonvention ist eigentlich ein Erfolgsmodell gewesen», will
der Direktor der Stiftung, Ole von Uexküll, mit der Auszeichnung auch zeigen
- und richtet dabei den Blick auf die Lage in Syrien.

Durch Walkers Einsatz seien schon Zehntausende Tonnen chemischer Waffen aus
sechs nationalen Arsenalen sicher vernichtet worden. Jetzt konzentrierten
sich seine Bemühungen auf den Beitritt der übrigen Staaten zu dem Pakt.
Syrien soll am 14. Oktober Mitglied werden.

Einsatz für vergewaltigte Frauen

Den Arzt Denis Mukwege ehrt die Stiftung für sein Engagement für
vergewaltigte Frauen in seiner Heimat, der Demokratischen Republik Kongo. In
einem Spital in Süd-Kivu behandelt der Gynäkologe unermüdlich Opfer
sexueller Kriegsgewalt.

Seit Jahren setzt er sich öffentlich dafür ein, deren Peiniger zur
Rechenschaft zu ziehen. Auch ein Attentat auf ihn, bei dem statt Mukwege
einer seiner Mitarbeiter starb, brachte ihn nicht dazu, aufzuhören. Mukwege
wird auch als Anwärter für den Friedensnobelpreis gehandelt.

Der Anwalt Radschi Surani erhält den Preis, weil er sich «furchtlos und
vorurteilsfrei für die Menschenrechte in Palästina und der arabischen Welt»
einsetzt. Im Gazastreifen dokumentiere Surani Menschenrechtsverletzungen,
vertrete Opfer und bilde inzwischen auch syrische Juristen aus.

Auszeichnungen seit 1980

Mit dem Alternativen Nobelpreis - offiziell Right Livelihood Award (Preis
für richtige Lebensführung) - werden jedes Jahr Kämpfer für Menschenrechte,
Umweltschutz und Frieden ausgezeichnet.

Der deutsch-schwedische Publizist Jakob von Uexküll rief den Preis 1980 als
Alternative zu den traditionellen Nobelpreisen ins Leben. Seitdem wird die
Auszeichnung jedes Jahr an mehrere Preisträger vergeben, die praktische und
beispielhafte Antworten auf die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit
finden und erfolgreich umsetzen.

Damit hat die nach dem Preis benannte Stockholmer Stiftung insgesamt schon
153 Preisträger aus 64 Ländern geehrt. Nach der Vergabe unterstützt und
begleitet die Stiftung die Preisträger weiter. Finanziert wird der Right
Livelihood Award heute aus privaten Spenden. (fajd/sda)

--

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Rudolf_Herren
[2] http://www.rightlivelihood.org/herren.html

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Basler Zeitung
http://bazonline.ch/wissen/story/27269310

«Wir haben ein bisschen geahnt, dass etwas im Busch ist»

26.09.2013 

Als erster Schweizer hat Hans Rudolf Herren den Alternativen Nobelpreis
bekommen. Im Interview sagt der Agrarforscher, wie viel Preisgeld er erhält
und was er damit macht

Interview: Matthias Meili

Was bedeutet die Auszeichnung mit dem Alternativen Nobelpreis für Sie und
die Stiftung Biovision?

Das ist grossartig. Es ist eine Anerkennung, dass wir auf dem richtigen Weg
sind mit unseren Programmen, in denen wir ein nachhaltiges Ernährungssystem
für die ganze Welt anstreben.

Sind Sie stolz?

Es ist immer schön, einen Preis zu erhalten. Erwartet haben wir es nicht;
vielleicht ein bisschen geahnt, dass etwas im Busch ist.

Der Alternative Nobelpreis ist «nur» der kleine Bruder des Nobelpreises. Wie
wichtig ist die Auszeichnung? 

Der Preis wird seit 1980 vergeben und ist sehr wichtig. Er gibt uns neuen
Aufschwung. Für mich persönlich ist auch wichtig, dass der Preis
«Alternativer Nobelpreis» heisst. Das zeigt, dass es nicht nur um ein Stück
Wissenschaft geht, sondern dass auch der gesellschaftliche Aspekt, also die
Umsetzung, anerkannt wird. Das zeigt doch, dass man wirklich etwas Wichtiges
erreicht hat auf dem Boden der Realität.

Wie feiern Sie die Auszeichnung?

Ein bisschen Champagner muss sein, wir feiern die Vergabe sicher hier in der
Stiftung Biovision und später auch im Millenium-Institut in Washington.

Was machen Sie mit dem Preisgeld von knapp 57'000 Euro?

Wir setzen die Summe wieder vollständig für Projekte ein, wahrscheinlich in
das Projekt Kurswechsel Landwirtschaft [*], bei welchem wir in den drei
Pilotländern Senegal, Äthiopien und Kenia demonstrieren wollen, dass eine
nachhaltige Landwirtschaft möglich und wünschenswert ist. Ein wesentlicher
Baustein dabei ist, dass die Bauern vor Ort befähigt werden, die richtigen
Methoden zu wählen, um Hunger, Armut und Krankheiten zu bekämpfen.

Sie haben eigentlich das Pensionsalter erreicht. Ziehen Sie sich demnächst
in den Ruhestand zurück?

Natürlich mache ich weiter, es gibt noch viel Arbeit. Lustig ist, dass ich
kurz vor der Preisübergabe in Stockholm den 66. Geburtstag und auch das
15-jährige Bestehen der Stiftung Biovision feiern werde. Der Preis ist dann
ja ein gelungenes Geburtstagsgeschenk. Mit diesem neuen Schwung und als
Optimist, der ich bin, kann ich natürlich nicht gleich aufgeben.

Sie arbeiten unheimlich viel, sind überall präsent.

Ich muss mich vielleicht künftig besser auf ein paar wenige Dinge
konzentrieren. Mein grösstes Anliegen ist ein Durchbruch beim Projekt
Kurswechsel Landwirtschaft, die Umsetzung des Weltagrarberichtes [**] von
2008. Dieser will weg von der industriellen Massenproduktion hin zur
ökologischen Landwirtschaft mit Kleinbauern im Zentrum. Da haben wir auch
schon erste Erfolge aufzuweisen. Bei der Nachhaltigkeitskonferenz vor einem
Jahr in Rio ist es uns immerhin gelungen, den Bericht in die damals
beschlossene Deklaration zu integrieren. Nun gilt es, die nachhaltige
Landwirtschaft aufgrund der Erkenntnisse des Weltagrarberichts und
nationaler Studien durchzusetzen. 

(baz.ch/Newsnet)

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[*] http://www.kurswechsel-landwirtschaft.ch/
[**] http://de.wikipedia.org/wiki/Weltagrarbericht




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