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Erdbebenangst an spanischer Mittelmeerküste

Von einem unterirdischen Erdgaslager ausgelöste Erdbeben werden in Katalonien 
und Valencia stärker und heizen die Debatte um Fracking an

Ralf Streck 04.10.2013

Die spanische Provinz Castellón ist in Aufruhr, weil der Boden unter den Füßen 
der Bewohner nicht aufhört zu beben. Am Mittwoch hat das Industrieministerium 
Experten in die Provinz geschickt, wo der Ebro in Valencia ins Mittelmeer 
mündet. Das hatten die Kleinstädte Vinaròs, Benicarló und Peñíscola mit 
Nachdruck und "maximaler Eile" am Dienstag gefordert. Allein zwischen 22 Uhr am 
Dienstag und sieben Uhr am frühen Mittwoch wurden zehn neue Erdstöße 
verzeichnet. Am Dienstag gab es ein heftigeres Beben mit der Stärke 4,2 auf der 
Richterskala. Das ist ein neuer Rekordwert in der Region, die Menschen sind 
verängstigt.

Der Bürgermeister von Vinaròs, Juan Bautista Juan, hat bestätigt, dass die 
Experten inzwischen eingetroffen sind, um die Lage zu erörtern. Viele in der 
Region gehen davon aus, dass die Erdstöße von der unterirdischen Lagerung von 
Erdgas hervorgerufen werden. Seit mit der Einlagerung von Gas begonnen wurde, 
kam es zu etwa 300 Erdbeben. Etwa 20 Kilometer von der Mittelmeerküste entfernt 
wird vor der Küste, wo einst Erdöl aus dem Boden gepumpt wurde, das größte 
unterirdische Erdgaslager Spaniens entstehen. 1,2 Milliarden Euro sollen 
investiert werden und es ist nicht das einzige Projekt dieser Art.

Da es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Beginn der Einlagerung und den 
Erdstößen gibt, hat Industrieminister José Manuel Soria schon am 26. September 
verfügt, dass kein Erdgas mehr eingelagert werden darf. Allerdings betonte er 
dabei, dass die Firma mit dem Projekt beauftragte Firma Escal UGS über alle 
notwendigen Gutachten verfüge, bei denen jegliche Erdbebenrisiken 
ausgeschlossen worden seien.

Doch die Wirklichkeit sieht für die Bewohner anders aus und viele haben Angst. 
Bürgermeister Juan und seine Kollegen nehmen diese Furcht auf und fordern eine 
umfassende Untersuchung. Die Sicherheit der Bürger dürfe nicht durch eine 
industrielle Tätigkeit aufs Spiel gesetzt werden, fügte Juan im Namen der drei 
Bürgermeister an.

Induzierte Erdbebentätigkeit

Die benutzte Technik ist dem Fracking ähnlich, bei dem Gas durch Aufbrechen von 
Gesteinsschichten gewonnen wird. Denn es wird kein großer Hohlraum mit dem 
flüssigen Gas gefüllt, sondern es wird in den porösen Untergrund eingepresst, 
erklärte der Minenexperte Ángel Cámara. Die Berufsgenossenschaft der Geologen 
sieht einen klaren Zusammenhang zwischen der Lagerung und den Erdbeben. Ihr 
Präsident Luis Eugenio Suárez spricht von einer "induzierten 
Erdbebentätigkeit". Beim Herauspumpen des Öls habe der Druck im Gestein 
abgenommen und da es teilweise flexibel sei, habe es sich zusammengezogen. Beim 
Einfüllen des Gases muss es sich wieder ausdehnen und es besteht das Risiko, 
dass es zu Brüchen kommt. Das sei stets beim Einfüllen von Flüssigkeiten der 
Fall, wie auch bei der unterirdischen Einlagerung von CO2.

Im angrenzenden Katalonien, das direkt am Ebro an Valencia grenzt, spricht man 
von einer möglichen Fahrlässigkeit. Der Sprecher der Regionalregierung Xavier 
Pallarès weist mit Bezug auf das Erdbebeninstitut der Region darauf hin, dass 
ein Beben in der Stärke von 3,6 am 24. September direkt mit der Einlagerung in 
Verbindung stehe. "Etwas ist passiert", sagte er und schließt nicht aus, dass 
Escal UGS nicht alle "Auflagen" erfüllt habe. Die katalanische 
Regionalregierung fordert eine genaue Untersuchung, zu der auch eine 
geologische Studie gehören müsse.

Dass man sich nicht an die Vorgaben und Auflagen gehalten habe, weist der 
Präsident der Firma zurück. Sowohl das Einfüllen und die Entnahme von Gas seien 
gestoppt und die "Auflagen des Industrieministeriums strikt ausgeführt worden", 
erklärte Recaredo del Potro. Sowohl das zweite Lager im Meer, als auch das an 
Land seien im perfektem Zustand und ihre Sicherheit und Operierbarkeit beider 
Anlagen gewährleistet.

Gefahr von Dominoeffekten

Da sich für viele Menschen Parallelen zum Fracking aufdrängen, ist das Wasser 
auf die Mühlen der Gegner der Technik. Die Fracking-Gegner sprechen davon, dass 
die Einlagerung von Gas gegenüber dem Fracking nur "Kinderspielchen" seien. 
Denn dabei werde drei Mal so hoher Druck eingesetzt. Die Zahl der Gegner steigt 
auch in Spanien, wo die Technik verstärkt zur Gasgewinnung angewendet werden 
soll. Umweltschützer in Valencia wollen die Region zur "Fracking-freien Zone" 
erklären.

Eulàlia Masana, Professorin für Geologie an der Universität Barcelona, weist 
aber darauf hin, dass die Vorgänge nicht gleich seien, da beim Fracking durch 
das Einpressen einer mit Chemikalien versetzten Flüssigkeit das Gestein 
"aufgebrochen" werden müsse. Doch wie ihr Kollege Cámara warnt sie vor 
Dominoeffekten durch ausgelöste Erdbeben, für die das Einfüllen von Gas 
verantwortlich sein könne. Wenn das Gas in einer Gegend eingefüllt wird, wo es 
Verwerfungen in der Erdkruste gibt, können die Erdbeben auch zu Tsunamis an der 
Küste führen, meint der Minenexperte.

Ohnehin ist das nicht das einzige Problem mit induzierten Erdbeben. Denn am 
Oberlauf des Ebro gibt es einen Staudamm, der auf Erdfalten drückt und Erdstöße 
auslöst. Das ist deshalb besonders gefährlich, weil Staudammbauer und Geologen 
den Staudamm ohnehin für unsicher halten, weil eine Hangseite abzurutschen 
droht. Das könnte die Mauer zum Einsturz bringen und die Flutwellen könnten 
dramatische Folgen für Atomkraftwerke am Ebro haben, sagen Krisenszenarien.

Links

[1] http://www.rtve.es/n/754642/
[2] http://tinyurl.com/nj2wk7h
[3] http://tinyurl.com/nvqlax9
[4] http://www.rtve.es/a/2040260/
[5] http://ccaa.elpais.com/ccaa/2013/10/01/catalunya/1380620071_471326.html
[6] http://www.elperiodico.cat/ca/noticias/medi-ambient/-2707293
[7] http://www.europapress.es/epsocial/naturaleza-00323/20131002135458.html
[8] http://www.elmundo.es/elmundo/2013/09/17/castellon/1379433392.html
[9] http://www.heise.de/tp/artikel/25/25526/1.html
[10] http://www.heise.de/tp/blogs/2/149466




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