Der Standard
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Putsch beim WWF

Wo die honorigsten Naturschützer streiten

Im World Wildlife Fund wurde der Präsident gestürzt

CONRAD SEIDL, 21. Oktober 2013

Wien - Die Liste der Akteure liest sich wie ein Who's who der
österreichischen Naturschutzszene: Im World Wide Fund for Nature, früher als
World Wildlife Fund und immer noch als WWF bekannt, sitzen Österreichs
Öko-Promis und bewegen allein mit ihrer Präsenz und ihrem guten Ruf manchen
Projektwerber und manchen Politiker dazu, naturschädigende Vorhaben noch
einmal zu überdenken. Gelungen ist das etwa an der Schwarzen Sulm und bei
der Verhinderung des Ausbaus der Donau östlich von Wien. Man hat Bartgeier
und Bären wieder eingebürgert, Seeadler und Trappen geschützt.

Gemeinsam.

Aber nun liegen einander einige der honorigsten Naturschützer Österreichs in
den Haaren. Anlass ist eine Mitgliederversammlung des WWF am 10. Oktober,
die so ganz anders verlaufen ist, als es sich der Vorstand des Vereins
vorgestellt hatte. "Der Vorstand wurde im Zuge der Neuorientierung
abgeschafft", teilt Franko Petri, Pressesprecher des WWF, auf Anfrage des
Standard mit.

Stimmt nicht, sagt Reinhold Christian, der selber eine zentrale Rolle beim
Aufbau des Nationalparkgebiets in den Thaya-Auen hatte. Er sei nach wie vor
Präsident des WWF - eine Rolle, die es nach den am 10. Oktober beschlossenen
Statuten des WWF Österreich gar nicht mehr gibt.

Beschluss nicht rechtskräftig

Der Beschluss dieser Statuten sei allerdings nicht rechtskräftig, sagt
Christian: Denn die Beschlussfassung darüber sei erfolgt, nachdem die
ordnungsgemäß einberufene Versammlung von ihm ordnungsgemäß geschlossen
worden ist. Und: Die Statutenänderung entspreche eben nicht jener
Statutenänderung, die vom dazu befugten Organ (dem laut neuen Statuten
ebenfalls nicht mehr existierenden Stiftungsrat) zeitgerecht eingebracht
worden war.

Thomas Höhne, Rechtsanwalt und selber Sitzungsteilnehmer, hält die
Entmachtung des Präsidenten jedoch für korrekt: Dieser hätte die Versammlung
vertagen, aber nicht schließen dürfen.

Christian beschwört, der Sache des Naturschutzes nicht im Wege stehen zu
wollen - es gehe nicht um Strukturen, sondern darum, dass der WWF sein in
Österreich erwirtschaftetes Budget demokratisch kontrolliert verwalte.
(Conrad Seidl, DER STANDARD, 22.10.2013)




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