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Posted on: Monday, December 09, 2013 6:28 PM
Author: Marlies Uken ([email protected])
Subject: EU will Tiefseefischerei strenger regeln

Die Französin Pénélope Bagieu hat mit einem Blogeintrag über die 
Tiefseefischerei einen kleinen Überraschungscoup gelandet 
<http://www.penelope-jolicoeur.com/2013/11/take-5-minutes-and-sign-this.html> : 
Mit einer wunderbaren Leichtigkeit erzählt sie in einem Comic, warum 
Tiefseefischerei ein lukratives Geschäft ist und was die EU zurzeit vorhat – 
und inzwischen haben mehr als 740.000 Menschen eine Online-Petition der 
französischen Umweltorganisation Bloom 
<http://petition.bloomassociation.org/stop-the-destruction-of-deep-sea/>  
unterzeichnet, welche die französische Regierung, aber auch die EU-Politik dazu 
auffordert, in der Tiefsee das Fischen mit Grundschleppnetzen strenger zu 
regulieren.

Der Comic ist aktuell, weil am Dienstag das EU-Parlament über einen Vorschlag 
der EU-Kommission abstimmen soll. Er sieht vor, dass zukünftig in Wassertiefen 
von mehr als 600 Metern die zwei Fischereiarten verboten werden soll: die 
Grundschleppnetzfischerei und die Stellnetzfischerei. Die Regel soll in 
EU-Gewässern und in den internationalen Gewässern des Nordatlantiks gelten. 
Umweltschützer kritisieren beide Fangmethoden, vor allem die 
Schleppnetzfischerei, weil dabei der Meeresboden regelrecht einmal durchpflügt 
wird. Gerade die Tiefsee sei bislang kaum erforscht, über Fangarten wie den 
Schwarzen Degenfisch, Blauleng und Grenadierfisch sei kaum etwas bekannt. Die 
Fischarten dort werden erst sehr spät geschlechtsfähig und sehr alt.

“Das Ökosystem Tiefsee ist extrem verletzlich, bislang kaum erforscht, 
geschweige denn reguliert”, sagt Matthew Gianni von der Deep Sea Conservation 
Coalition in Amsterdam. Auch Wissenschaftler wie Rainer Froese vom 
Helmholtzzentrum für Ozeanforschung in Kiel sprechen sich gegen die 
Tiefseefischerei aus: Man wisse, dass einige Populationen bereits durch wenige 
Fangfahrten nahezu ausgerottet wurden, 
<http://www.futureocean.org/de/cluster/aktuelles/meldungen/2013/2013_09_17_schonzeit_tiefsee.php>
  sagt der Fischereiexperte.

Nun also der erste Schritt: das Verbot von extrem umweltschädigenden 
Fangmethoden in den Tiefen des Meeres, das Fischen mit Langleinen soll erlaubt 
bleiben. Man könnte nun denken, das ginge eigentlich leicht über die Bühne. 
Schließlich kommt der Tiefseefischerei bislang kaum eine ökonomische Bedeutung 
zu. Wie die jüngsten Zahlen der EU-Kommission zeigen, gibt es kein Unternehmen, 
das ausschließlich Tiefseefischerei betreibt. Und es sind gerade einmal 14 
Trawler, bei denen Tiefseefische mehr als zehn Prozent des Fangs ausmachen. Zum 
Vergleich: Aktuell sind in der EU rund 37.500 Fangschiffe registriert.

Auch wenn die Tiefseefischerei zurzeit also ein maritimes Nischendasein 
fristet, ist der Widerstand gegen strengere Regulierung groß, glaubt man den 
Umweltschutzorganisationen. “Gerade Spanien und Frankreich wehren sich heftig 
gegen eine strengere Regulierung”, sagt Gianni. Er glaubt, dass dahinter vor 
allem Industrieinteressen stecken. Die Fischereibranche fürchtet offenbar, dass 
das Verbot der Grundschleppnetze in der Tiefsee erst der Anfang ist und später 
ausgeweitet wird. Erst im Sommer hatte der britische EU-Parlamentarier Stuart 
Agnew das französische Fischereiunternehmen Scapêche beschuldigt, in der 
Tiefsee bedrohte Arten zu fischen – finanziert mit dem Geld europäischer 
Steuerzahler. <http://www.stuartagnewmep.co.uk/view_article.php?articleID=25>  
Pikant: Scapêche gehört zu Intermarché, einer der bekanntesten Supermarktketten 
Frankreichs.

Verrückt ist, dass über ein prinzipielles Verbot der Tiefseefischerei gar nicht 
mehr nachgedacht wird. Dabei wäre das aus meiner Sicht das Naheliegendste: Wenn 
man nicht weiß, was dort unten los ist, sollte man doch erst einmal forschen, 
bevor man die Wirtschaft reinlässt, oder?

 

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<http://blog.zeit.de/gruenegeschaefte/2013/12/09/eu-will-tiefseefischerei-strenger-regeln/>
 

 

 

 

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