On Sunday, December 15, 2013 11:41 AM, Roland Schnell
[mailto:[email protected]] wrote:

Die bornierte Haltung zum EEG bei den Grünen und der Lobby der Erneuerbaren
hat letztlich zu dieser Situation geführt. Man wollte keine Veränderung an
der Heiligen Kuh des EEG, obwohl sich die Bedingungen seit der historisch
richtigen Einführung völlig verändert haben.

Beim Biogas ist eigentlich jedem Fachmann klar, dass Leistung durch die
Gasspeicher planmäßig hochgefahren werden kann. Trotzdem wurde Biogas lange
als Grundlast betrachtet. Größere Gasmotoren für die kurzfristige
Verdoppelung der Leistung waren unrentabel aufgrund der Koppelung der
Vergütung an die Leistung in kW, nicht an die jährlich oder monatlich
eingespeiste Strommenge (kWh/a).

Eine Heerschaar von Juristen hat sich an Formulierungen abgearbeitet, die
dann häufig in der Praxis unterlaufen wurden, weil es eben noch cleverere
Juristen gab. Damit ist das EEG zu einem Monstrum geworden, das immer mehr
Aspekte aus der Landwirtschaft versucht zu regeln. Bis hin zu den Pflanzen,
deren Anbau erlaubt sein soll.

Aus purer Gewinnsucht institutioneller Anleger war die Gülle, einst die
Grundlage jeder Biogasanlage, in Verruf gebracht worden: unwirtschaftlich.
Die Folge sind die berüchtigtigen Maisplantagen mit dem Clustern von einem
Dutzend baugleichen Biogasanlagen.

Für die Aktivierung der Speicherfunktion des Biogases wird nun die teuerste
und ökologisch fragwürdigste Methode empfohen: Die Aufarbeitung zu Methan
und dessen Einspeisung ins Erdgasnetz. Der Sieg des zentralen Systems gegen
die dezentrale Lösung, die die Kontrolle und Wertschöpfung in der
Landwirtschaft lässt. Das Ganze wird durch eine weitere Absurdität auf die
Spitze getrieben: Überschüssiger Wind- und Solarstrom soll zu Methan
aufbereitet werden. Das wird sogar noch als Kohlendioxid-Senke deklariert,
weil das Methan chemisch aus Wasserstoff (Elektrolyse) und Kohlendixoid (aus
umstrittenen CCS-Projekten) erzeugt wird.

Die Zeiten werden rauer, da die Grünen und die Linke auf Jahre nun die
einzige Opposition sind.

Der Gedanke, von dem hauptsächlich vom Strom geleiteten EEG (Wind, Wasser
und Photovoltaik liefern nur Strom) ein von einer nachhaltigen Landnutzung
abgeleitetes Bioenergie-Gesetz abzuspalten, ist ihnen verhasst. Dagegen
sträuben sich auch die Naturschutzverbände, die ihre Biomasse am liebsten
als Heimstatt für seltene Arten verrotten lassen, statt sie energetisch zu
nutzen.

Das Problem ist, dass Deutschland damit technologisch auf das Abstellgleis
geschoben wird. An vielen Stellen auf der Welt gibt es Biomasse im Überfluss
und einen Mangel an Energie oder die Anwendung kostspieliger fossiler
Energieträger, die zudem noch bei Gewinnung und Transport eine Gefahr für
die Umwelt darstellen. Allein die bisher ungenutzen Nebenprodukte aus der
Nahrungsmittelproduktion könnten in vielen Ländern eine Stromversorgung auf
dem flachen Land und die Erzeugung von Prozesswärme für die
lebensmittelverarbeitende Industrie gewährleisten.

Das Problem in der Energiediskussion ist, dass Energie meist mit Strom
gleichgesetzt wird. Die einen wollen die Stromnetze in das letzte
afrikanische Dorf bringen (wobei selten gefragt wird, wie viel Kupfer dafür
notwendig sein wird), die anderen wollen Strom aus Photovoltaik (bevorzugt)
oder Wind und Wasser anbieten.

Die Lebensmittelverarbeitung braucht aber vor allem Prozesswärme. Man
erwartet, dass für die Versorgung der Megastädte mit Millionen Einwohnern
immer mehr auf vorverarbeitete Nahrung umgestellt wird. Bislang werden
teilweise die lebenden Tiere angeliefert und die Abfälle von Fruchtmärkten
und Schlachtereien stellen ein enormes hygienisches Problem dar.

Dezentrale Verarbeitung von Biomasse erlaubt es, die Reststoffe (zwischen 50
und 90 % des Ernteguts) gleich dort zu lassen, wo sie auf kurzem Weg wieder
auf die Felder als Dünger gelangen können, statt sie zum Abfallproblem in
den Städten werden zu lassen. Jede Tonne nicht essbare Biomasse, die in eine
Metropole transportiert wird, generiert ein Problem beim Verkehr: Verstopfte
Straßen, Aufwand an Kraftstoffen, Luftverschmutzung. Und dasselbe nochmal
beim Einsammeln und Hinauskarren.

Leider ist das deutsche EEG völlig ungeeignet, hierfür Modelle zu
ermöglichen.

Noch schlimmer: In vielen Ländern wird die Untätigkeit bei Initiativen für
erneuerbare Energien damit begründet, dass es kein Einspeisegesetz gebe.
Dabei sind die Strompreise auf dem Land längst in einem Bereich, dass
erneuerbare Systeme billiger kommen. Nur das Schielen auf das deutsche
Vorbild blockiert das Denken.

Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass Deutschland beim Biogas in Afrika
und Asien von Indien und China überrollt wird. Die Verantwortlichen lässt
das allesamt kalt.

Roland Schnell, Berlin, DE

Am 14.12.2013 14:34, schrieb Greenhouse Infopool:

-----Original Message-----
From: [email protected]
Sent: Saturday, December 14, 2013 2:02 PM
Subject: PM, Oliver Krischer, Kommission stellt nicht nur Ausnahmen sondern
auch EEG infrage – Bundesregierung muss für EEG und Energiewende in Brüssel
kämpfen

Pressemitteilung

Oliver Krischer | Mitglied des Deutschen Bundestages | Bündnis 90/Die Grünen

EU-Kommission stellt nicht nur Ausnahmen, sondern auch EEG infrage –
Bundesregierung muss für EEG und Energiewende in Brüssel kämpfen

Zur dem Kommissionsentwurf [1] für EU-Beihilfeverfahren zum EEG erklärt
Oliver Krischer MdB:

Der Kommissionsentwurf zum Beihilfeverfahren ist ein Desaster für die
Energiewende, aber auch für die Industrie. Die Europäische Kommission stellt
nicht nur die ausufernden Ausnahmen bei der Zahlung der EEG-Umlage, sondern
auch das EEG insgesamt infrage. Jetzt rächt sich, dass weder die abgewählte
schwarz-gelbe Bundesregierung noch die Große Koalition irgendetwas
unternommen haben, um das Verfahren abzuwenden. Und man fragt sich: Was tut
eigentlich der deutsche Energiekommissar für die deutsche Energiewende in
Brüssel?

Wenn Merkel und Gabriel nicht noch weiteren Schaden für Energiewende und die
Industrie entstehen lassen, müssen sie unverzüglich mit allem Nachdruck in
Brüssel aktiv werden. Es kann nicht sein, dass sich die Bundesregierung das
zentrale Instrument der Energiewende, das EEG, einfach so aus der Hand
nehmen lässt.

Die Kommission will dem Entwurf zufolge nicht nur gegen die
Ausnahmetatbestände bei der Zahlung der EEG-Umlage vorgehen, sondern auch
gegen das EEG insgesamt. Zwar wird das EEG für grundsätzlich zulässig
erklärt, will es aber als Beihilfe deklarieren. Das widerspricht der
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes und faktisch könnte Brüssel
die Förderung der Erneuerbaren Energien in Deutschland diktieren. Es drängt
sich der Eindruck auf, dass die Kommission gar nicht mit Widerstand aus
Deutschland rechnet, wo doch schon der deutschen Energiekommar nichts für
das EEG tut.

Weder die alte schwarz-gelbe Bundesregierung noch die Große Koalition haben
bisher einen tragfähigen Vorschlag zur Reduzierung der Ausnahmen gemacht.
Erst hat Schwarz-Gelb die Ausnahmen gegen jede Vernunft immer weiter
ausgeweitet, dann ist die Große Koalition nicht über Prüfaufträge
hinausgekommen. Es ist schlichtweg niemandem mehr zu erklären, weshalb etwa
Schlachthöfe, Tierfuttermittelhersteller oder der Braunkohletagebau von den
Ausnahmen profitieren.

Damit die Ausnahmen dauerhaft europarechtlich abgesichert sind, muss die
neue Bundesregierung eine Regelung analog zur
EU-Strompreiskompensationsrichtlinie entwickeln und nur noch die wirklich
energieintensiven Unternehmen begünstigen, die im internationalen Wettbewerb
stehen. So kann das EEG gesichert und den Unternehmen die dringend
notwendige Planungssicherheit geben werden.

Oliver Krischer 
Mitglied des Deutschen Bundestages 
Bündnis 90/Die Grünen
Büro Berlin: Platz der Republik 1, 11011 Berlin, Telefon: +49 30 227-72059,
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