die tageszeitung
http://www.taz.de/Intelligente-Stromzaehler/!130091/

* 29. 12. 2013

Intelligente Stromzähler

Zu hohe Kosten, zu wenig Nutzen

Smart Meter in Privathaushalten lohnen sich nicht. Sie kosten mehr als sie 
sparen. Das besagt eine Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums

BERNWARD JANZING

FREIBURG taz | In die Debatte um intelligente Stromzähler, die sogenannten 
Smart Meter, kehrt Ernüchterung ein. Eine Studie der Unternehmensberatung Ernst 
& Young im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums hat ergeben: Die Kosten 
für den modernen Zähler mitsamt der nötigen Kommunikationstechnik liegen für 
Privathaushalte in der Regel höher als der Betrag, der durch 
Verbrauchsverlagerung einzusparen ist.

Die Idee, die hinter den intelligenten Zählern steckt: Wenn Windkraft oder 
Photovoltaik gerade Strom in großer Menge ins Netz speisen und damit die Preise 
am Spotmarkt der Strombörse purzeln lassen, bekommen auch Privathaushalte 
billigere Energie. Das schafft Anreiz, einen Teil des Stromverbrauchs in Zeiten 
hohen Angebots zu verlagern, was der Stabilität des Netzes zugute käme. Als 
Beispiel dient oft der Betrieb der Waschmaschine.

Was in der Theorie schlüssig klingt, rechnet sich in der Praxis nicht, so nun 
das Ergebnis der Studie. Geht man vom Ziel aus, bis 2022 die Haushalte zu 80 
Prozent mit einem intelligenten Zählersystem auszustatten, seien jährliche 
Kosten in Höhe von etwa 89 Euro je Kunde anzusetzen, heißt es. Dem stehen aber 
im Durchschnittshaushalt nur Einsparungen durch Lastverlagerung von 10 bis 20 
Euro pro Jahr gegenüber. Fazit der Studie: Die Kosten seien insbesondere für 
Haushaltskunden mit geringem Jahresverbrauch „unverhältnismäßig hoch“.

Allenfalls Haushalte mit sehr hohem Stromverbrauch hätten die Chance, 
ausreichende Einsparungen zu erzielen - doch dort wären Einsparungen meist auch 
schlicht mit ein wenig Umsicht möglich. Entsprechend urteilte das 
Nachrichtenportal der IT-Branche, Heise: „Smart Meter für Privatkunden sind 
moderne Rosstäuscherei.“

Geringe Preisunterschiede auf dem Markt

Einer der Gründe für die Unwirtschaftlichkeit der elektronischen Zähler sind 
die oft nur geringen Preisunterschiede am Spotmarkt. Die Kosten einer 
Kilowattstunde schwanken im Laufe des Tages meist nur um wenige Cent - zu 
wenig, um im Privathaushalt spürbare Änderungen des Verbrauchsverhaltens 
bewirken zu können. Daher sind nur wenige Haushalte bereit, die Kosten eines 
intelligenten Zählers zu tragen.

Zudem haben viele Bürger Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, weil die 
neuen Zähler ein präzises Verbrauchsprofil dokumentieren.

Um die neue Technik dennoch flächendeckend etablieren zu können, diskutiert die 
Studie eine Umlage für alle Kunden - auch für jene, die die intelligenten 
Zähler gar nicht wollen. Das Nachrichtenmagazin Spiegel hatte berichtet, dass 
die Bundesregierung genau das planen solle, doch das Wirtschaftsministerium 
dementierte.

Fehlende flexible Tarife

Damit die Verbraucher profitieren können, müsste es allerdings überhaupt 
flexible Stromtarife geben. Dass die noch nicht angeboten werden, liegt zu 
einem guten Stück am Aufbau des liberalisierten Strommarkts. Denn da gibt es 
zum einen den Stromlieferanten, dem es heute völlig egal ist, wann der Kunde 
seinen Strom verbraucht, weil er die Energie für seinen Kunden nach einem 
Standardprofil bereitstellen muss.

Und dann gibt es die Netzbetreiber, die für die Ausregelung des Netzes 
zuständig sind. Mit ihnen aber hat der Stromkunde keine Geschäftsbeziehung. 
Branchenkenner sprechen nun von rund 50 Gesetzen in unterschiedlichen 
Zuständigkeitsbereichen, die geändert werden müssen, damit zeitvariable Tarife 
beim Endkunden ankommen können - eine gigantische Aufgabe.

Wäre das geschafft, bliebe noch eines: Laut Nachrichtenportal Heise würde 
deutschlandweit für die Kommunikation eine Strommenge „in der Größenordnung von 
mindestens drei Milliarden Kilowattstunden pro Jahr“ nötig - die Erzeugung 
eines mittelgroßen Kohlekraftwerks.

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http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2013/12/30/a0082

* 30.12.2013

SVENJA BERGT ÜBER INTELLIGENTE STROMZÄHLER

Besser gar nicht erst anfangen

Der erste Schritt zu Privatsphäre ist es, Datensammlungen zu vermeiden

Nun sollte es auch bei der Bundesregierung durchsickern: Intelligente 
Stromzähler, die den Verbrauch von Haushaltsgeräten je nach Stromangebot im 
Netz steuern sollen, verursachen mehr Kosten als Nutzen. So eindeutig ist das 
Ergebnis einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie. 
Wenn das Kostenargument die neuen Zähler zu Fall bringt - gut. Doch das größte 
Problem ist nicht, dass Haushalte nicht und die Stromkonzerne sehr wohl von den 
Geräten profitieren würden. Sondern dass der Stromverbrauch ziemlich viel über 
unser Verhalten, über unsere Ausstattung mit Geräten und Gewohnheiten verrät.

Alleine an Hand der Verbrauchskurve eines Haushalts lassen sich detaillierte 
Profile erstellen. Wann wird gekocht, wann Wäsche gewaschen, wann läuft die 
Kaffeemaschine, wann ein Fön oder eine Heizlampe, und zu welcher Uhrzeit geht 
jemand schlafen? Oder: Wann verlässt jemand das Haus, fährt in den Urlaub, und 
deuten diese Linien da nicht auf Hanfanbau in der Wohnung hin?

All das bekommt eine neue Relevanz, seitdem klar ist: Verbrauchsdaten, die an 
den Stromanbieter übertragen werden, verbleiben sicher nicht bei ihm. Selbst, 
falls die Anbieter sie nicht - was für sie attraktiv und vermutlich die erste 
Verwendungsoption wäre - für Werbezwecke nutzen: Die NSA kann mitlesen. Und im 
Gegensatz zu Handys, die sich ausschalten lassen oder zu Hause liegen gelassen 
werden, um einer Überwachung zu entgehen, oder E-Mails, die man verschlüsseln, 
und soziale Netzwerke, die man meiden kann - wer will und kann auf Strom 
verzichten? Und wäre das dann nicht auch wieder verdächtig?

Der erste Schritt zu mehr - oder überhaupt - Privatsphäre ist es, 
Datensammlungen zu vermeiden. Bei den Stromzählern besteht dazu noch die Chance.




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