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16.01.2014 Der Knackpunkt bleibt das Fleisch Veranstalter rechnen mit 20 000 Demonstranten für eine andere Agrarpolitik / Kritik von Tierrechtlern an Protestzielen Zwei Bündnisse wollen die »Grüne Woche« mit Protesten kritisch begleiten. Während eine Großdemonstration vor dem Kanzleramt die Agrarwende fordert, geht Tierrechtlern dies nicht weit genug Von Robert D. Meyer Wenn am Samstag mehr als 20 000 Menschen zur vierten »Wir-haben-es-satt!«-Demonstration [1] nach Berlin kommen, um für eine andere Agrarpolitik zu protestieren, wird Sandra Franz der Demonstration fernbleiben: Die Veganerin gehört zur Aktionsgruppe »Grüne Woche demaskieren« [2], die sich kritisch mit der wichtigsten internationalen Messe für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau auseinandersetzt. Obwohl beide Gruppen in vielen Punkten übereinstimmend scharfe Kritik an der mehrheitlich praktizierten Landwirtschaft und der Agrarmesse üben, demonstrieren die Bündnisse unabhängig voneinander. »Wir finden uns in den Forderungen von ›Wir haben es satt‹ nicht wieder«, sagt Franz. Knackpunkt für Organisatoren von »Grüne Woche demaskieren«: Die Mehrheit der Teilnehmer an der Großdemonstration spricht sich für die Nutztierhaltung und damit für den Verzehr von Fleisch sowie anderer tierischer Produkte aus. »Die Demonstration hat einen zu großen Event-Charakter. Uns geht es eher darum, Leute für eigene Aktionen zu motivieren«, erklärt Franz. Deshalb konzentriert sich die erstmals in diesem Jahr protestierende Gruppe nicht auf ein einzelnes Großereignis, sondern will die Landwirtschaftsmesse den gesamten Zeitraum über mit eigenen Veranstaltungen [3] begleiten. Geplant ist unter anderem am Freitag eine satirische Pro-Fleisch-Demo vor dem Internationalen Kongresszentrum, wo sich anlässlich der »Grünen Woche« [4] das »Frische Forum Fleisch« zu einer Tagung [5] trifft. Im Zentrum der Kritik steht das aus Sicht der Tierrechtler- und Umweltaktivisten zur Schau gestellte Bild, das die »Grüne Woche« von der Landwirtschaft vermitteln will. Schlimm findet Franz etwa den auf der Messe präsentierten Erlebnisbauernhof. Laut Werbung der Veranstalter soll dieser den Besuchern »realistische Einblicke in die moderne, nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft« liefern. Franz hält dies jedoch für eine Irreführung. Was auf dem Bauernhof vollkommen ausgeblendet werde, sei das Thema Schlachtung: »Wir glauben nicht, dass die Veranstalter vor Tausenden Zuschauern ein Tier töten würden«, ist sich Franz sicher. Stattdessen gibt es für die jungen Besucher einen Streichelzoo. »Fleisch sei nicht zum Leben nötig«, ist die Veganerin überzeugt. Diese Botschaft wird am Samstag wohl auch Hilal Sezgin [6] bei einer Lesung aus ihrem neuen Buch »Artgerecht ist nur die Freiheit« wiederholt über die Lippen kommen. Die Journalistin lebt gemeinsam mit einer Herde Schafe auf einem Bauernhof in der Lüneburger Heide. Das Zusammenleben meint die Autorin dabei durchaus im wörtlichen Sinn: Sezgin verzichtet darauf, die Tiere zur Herstellung von Wolle oder Milch und anderen Produkten zu nutzen. Dieses Verständnis vom Umgang mit Tieren wollen die Mitglieder von »Grüne Woche demaskieren« der Öffentlichkeit vermitteln. Der Gruppe gehören Einzelpersonen an, die sich wiederum in Initiativen wie dem Tierrechtsnetzwerk Nandu [7], der Berliner Tierbefreiungsaktion und dem Bund für Vegane Lebensweise engagieren. Auch die stärker als bisher auf der Messe vertretenden Produzenten aus der ökologischen Landwirtschaft sieht Franz kritisch. »Bio ist nicht gleich Bio. Hier gibt es große Unterschiede«, sagt sie. Viel Zuspruch wird die Gruppe mit ihrer Kritik unter den Landwirten nicht finden, die am Samstag mit ihren Traktoren Teil des Protestzugs durch Berlin sind. Großen Zulauf erhoffen sich die Bündnisteilnehmer, darunter der Bund für Umwelt und Naturschutz [8], der Bioanbauverband Demeter und Attac, durch die jüngsten Skandale im Agrarsektor. So sorgten Enthüllungen über Dumpinglöhne in der Schlachtindustrie und Bilder von misshandelten Ferkeln für eine wochenlange Debatte über die Zustände in der Landwirtschaft. GRÜNE WOCHE Die »Internationale Grüne Woche« in Berlin ist die weltgrößte Schau der Land- und Ernährungswirtschaft sowie des Gartenbaus. Präsentiert werden in diesem Jahr rund 100 000 Nahrungs- und Genussmittel, Tausende Tiere und Pflanzen. Die »Grüne Woche 2014« öffnet ihre Tore auf dem Berliner Messegelände für Besucher am 17. Januar, letzter Besuchstag ist der 26. Januar. [1] http://www.wir-haben-es-satt.de/ [2] http://gruenewoche.blogsport.de/ [4] http://www.gruene-woche.de/ [5] http://www.nd-online.de/termine/45329.html [6] http://de.wikipedia.org/wiki/Hilal_Sezgin [7] http://www.nandu.net/ [8] http://www.bund.net/ Zum Thema 16.01.2014: Ein Kuhstall ist kein Ponyhof Bei der Grünen Woche poliert die Nahrungsmittelwirtschaft ihren Ruf auf http://www.nd-online.de/artikel/920985.html ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Ende der weitergeleiteten Nachricht ° Alle Rechte bei den AutorInnen Unverlangte und doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Greenhouse Infopool baut um! 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