Heinrich-Böll-Stiftung/Klima der Gerechtigkeit
http://klima-der-gerechtigkeit.de/2014/01/16/k 

Kritik am Umweltkapitel der Trans-Pacific Partnership nach
Wikileaks-Veröffentlichung

16. Januar 2014, von Lili Fuhr

Es ist Obamas größes Projekt in Sachen Freihandel: die Trans-Pacific
Partnership (TTP), ein Abkommen, das die USA derzeit mit 11 weiteren
Pazifik-Anrainerstaaten unter strengster Geheimhaltung aushandelt. Eines von
29 Kapiteln - das dritte, das Wikileaks veröffentlicht hat - befasst sich
mit dem Thema Umwelt und wurde nun in einer Version vom 24. November 2013
von Wikileaks veröffentlicht [1]. Der Sierra Club, das Natural Resources
Defense Council und der WWF haben gemeinsam eine ausführliche Analyse und
Kritik des Dokuments verfasst [2]. Berichtet hat unter anderem die New York
Times [3]. 

Sierra-Club-Chef Michael Brune fasst die Kritik so zusammen [4]: 

-- Wenn das Umweltkapitel so abgeschlossen wird, wie es in diesem geleakten
Dokument steht, dann wird Präsident Obamas Umweltbilanz schlimmer sein als
die von George W. Bush. Der Entwurf dieses Kapitels fällt bei jedem
einzelnen unserer Themen durch - Meere, Fisch, Naturschutz, Waldschutz - und
macht die Fortschritte in früheren Freihandelsabkommen zunichte.--

Hier wird deutlich, dass Freihandels- und Profitinteressen auf der einen und
Umwelt und Naturschutz auf der anderen Seite schwer vereinbar sind. Das
sollten wir im Kopf behalten, wenn wir uns auf die Debatte um ein
Freihandelsabkommen der USA mit der EU (TTIP [5]) einlassen. Dass dabei
schon einmal ganz grundsätzlich die Intransparenz und Geheimhaltung ein
Problem darstellen und unsere Demokratie zur Makulatur wird, hat Jürgen
Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung jüngst sehr schön beschrieben [6]:

  --Das Verhandlungsmandat der EU wurde zwischen der Kommission und dem
Ministerrat verhandelt, also den Wirtschaftsministerien der
Mitgliedsstaaten. Weder das Europaparlament noch die Parlamente der
Mitgliedsstaaten wie etwa der Bundestag dürfen dabei mitreden, das
Verhandlungsmandat ist geheim und sie haben genauso wie die Öffentlichkeit
kein Recht, es überhaupt zu sehen. Alle Papiere, die auf den
Verhandlungstisch gelegt werden, sind geheim. Es wird mir immer ein Rätsel
bleiben, wie sich Parlamente derart auf eine Nebenrolle reduzieren lassen.
(...)

  Lassen wir uns also von solchen Ablenkungsmanövern nicht beeindrucken. Der
Kampf um TTIP ist kein Kampf zwischen Europa und Amerika. Es ist ein Kampf
zwischen Konzernmacht und demokratischen Entscheidungsprozessen. (...)

  Wir dürfen es unseren Abgeordneten nicht durchgehen lassen, ein weiteres
Mal ein großes Stück UNSERER Souveränität wegzudelegieren und
transnationalen Konzernen freie Hand zu geben, wie sie es schon so oft getan
haben. Dieses Abkommen würde künftigen Parlamenten weitreichende
Beschränkungen auferlegen, notwendige umweltpolitische und viele andere
Regulierungsmaßnahmen zu ergreifen. Wir müssen es stoppen, so wie wir ACTA
und das alte MAI gestoppt haben, und ich erlaube mir den Hinweis, dass wir
diese Abkommen nicht gestoppt haben, indem wir schönere und grünere Abkommen
gefordert haben. Wir haben gesagt, wir wollen diese Abkommen überhaupt
nicht.--

Links:

[1] https://wikileaks.org/tpp-enviro/pressrelease.html
[2] http://action.sierraclub.org/site/DocServer/TPP_Enviro_Analysis.pdf
[3] http://nyti.ms/19tzDKG
[4] http://tinyurl.com/kjrrj2q
[5] http://www.klimaretter.info/politik/hintergrund/15369
[6] http://tinyurl.com/pxcj7ol




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