Süddeutsche Zeitung
http://www.sueddeutsche.de/politik/1.1866056

18. Januar 2014 14:14 

Eckpunkte-Papier zum EEG-Gesetz

Gabriel will Ökostrom-Förderung herunterfahren

Es ist das Projekt, an dem er gemessen werden wird. Wirtschaftsminister Sigmar 
Gabriel legt ein Eckpunkte-Papier zur Reform bei der Energiewende vor. Seine 
Ziele: Weniger Kosten für die Verbraucher und ein gebremster, stärker 
gesteuerter Ausbau bei den Erneuerbaren. Der Zeitplan ist extrem ehrgeizig

Von Oliver Klasen

Angela Merkel hat im Herbst, da war die große Koalition mit der SPD noch lange 
nicht beschlossene Sache, gesagt, dass die Energiewende das große Projekt der 
neuen Regierung sein werde. Die Kanzlerin, die sonst nicht dafür bekannt ist, 
unüberlegt vorzupreschen, war sich wohl sicher genug mit diesen Worten. Sie 
ahnte wohl, dass jede Koalition zwangsläufig daran gemessen wird, ob sie 
Fortschritte bei der Energiewende zustandebringt.

Zu unzufrieden waren sämtliche Beteiligten mit dem, was in den vier Jahren 
unter Schwarz-Gelb erreicht wurde. Die Verbraucher, weil der Strompreis immer 
stärker gestiegen war, während die großen, energiefressenden 
Industrieunternehmen von umfangreichen Ausnahmen profitierten. Die 
Solarbranche, weil die Regierung in einem Anfall von Aktionismus die Förderung 
zusammengestrichen hatte, ohne dass dahinter ein vernünftiges Konzept stand. 
Und die Fachpolitiker, die sich ärgerten, dass ein in der Bevölkerung breit 
akzeptiertes Projekt diskreditiert wird, bloß weil die Detailregelungen im 
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) derart kompliziert und verkorkst sind.

Vielleicht ist diese Unzufriedenheit der Grund dafür, warum Wirtschafts- und 
Energiewendeminister Sigmar Gabriel (SPD) jetzt aufs Tempo drückt. Vier Wochen 
nach seinem Amtsantritt legt er ein Eckpunkte-Papier für eine erste Reform bei 
der Energiewende vor. Sein Hauptziel: Die Förderkosten bei den erneuerbaren 
Energien deutlich drücken.

Gabriels Zeitplan für die Durchsetzung der Reform ist ehrgeizig: Dem Vernehmen 
nach hat der Vizekanzler das Papier schon an mehrere Ministerien zur 
Ressortabstimmung geschickt. Am kommenden Mittwoch will er die Eckpunkte vom 
Kabinett absegnen lassen. Dann trifft sich die Bundesregierung auf Schloss 
Meseberg nördlich von Berlin zur Klausur.

Ein paar Detailfragen sind noch unklar, zum Beispiel das Ausmaß der Kürzungen 
bei Windrädern an Land. Doch innerhalb der kommenden Wochen will Gabriel auch 
dafür eine Lösung gefunden haben. Und dann soll es schnell gehen.

Am 9. April will der Wirtschaftsminister das Gesetz für die Reform des 
EEG-Gesetzes im Kabinett einbringen. Am 26. oder 27. Juni soll dann der 
Bundestag das Gesetz beschließen, am 11. Juli der Bundesrat zustimmen und am 1. 
August, so Gabriels Plan, tritt die Novelle schließlich in Kraft.

Was hat Gabriel konkret vor? Die wichtigsten Punkte seines Papiers:

Niedrigere Vergütungen: 

Von bisher durchschnittlich 17 Cent je Kilowattstunde für Windräder, Solar- und 
Biogasanlagen soll die Vergütung im Jahr 2015 durch die Reform auf im Schnitt 
nur noch zwölf Cent pro Kilowattstunde sinken.

Gebremster und stärker gesteuerter Ausbau: 

Bisher ging die Energiewende insbesondere auf dem Strommarkt schnell. Schon bei 
knapp 25 Prozent liegt hier der Anteil der erneuerbaren Energien. Bis zum Jahr 
2025 streben Union und SPD 45 Prozent an. Doch Gabriel will die Förderung nach 
dem Gießkannenprinzip zurückfahren und macht stattdessen konkrete Vorgaben für 
jede einzelne Erzeugungsart. Die Kapazität von Windanlagen an Land und 
Solaranlagen darf demnach nur noch um je 2500 Megawatt pro Jahr ausgebaut 
werden. Windräder auf See bekommen ein Ausbauziel von 6,5 Gigawatt bis ins Jahr 
2020, das bedeutet, dass pro Jahr ungefähr ein bis zwei Offshore-Windparks 
errichtet werden. Für Bioenergie blieben nur noch 100 Megawatt jährlicher 
Ausbau.

Höherer Druck auf Ökostrom-Erzeuger: 

Geht es nach Gabriel, müssen weit mehr Betreiber von Solar- und Windkraftwerken 
als im Koalitionsvertrag vorgesehen ihren Strom künftig selber vermarkten. 
Bisher haben sie auf 20 Jahre garantierte Festvergütungen bekommen. Ihr Strom 
wird nach den derzeit gültigen Regelungen von den Netzbetreibern eingesammelt 
und an der Strombörse verkauft. Wegen der festen Vergütungen haben die Erzeuger 
aber kein Interesse, den bestmöglichen Preis zu erzielen.

Weniger Privilegien für die Großverbraucher: 

Die Ausnahmen für die Industrie sollen drastisch gestrichen werden. Es gehe 
hier um eine Summe zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Euro, heißt es 
aus der Koalition.

In den Reihen der CDU werden Gabriels Reformpläne positiv aufgenommen. "Der 
Zeitplan ist knackig. Aber wir dürfen keine Zeit verlieren. Es sind dringend 
grundlegende Reformen notwendig", sagt Thomas Bareiß, der 
Energiepolitik-Koordinator in der Unionsfraktion. "Zukünftig muss sich der 
Windzubau auf gute Standorte konzentrieren. Wo es keinen Wind gibt, macht auch 
kein Windrad Sinn", so Bareiß. Die Pläne für mehr Wettbewerb im Ökostrom-Sektor 
gingen in die richtige Richtung. Der Neubau von Anlagen zur Erzeugung von 
erneuerbaren Energien müsse mit einer Mengensteuerung stärker auf den 
Netzausbau abgestimmt werden.

Auch Verbraucherschützer begrüßen Gabriels Papier: "Es besteht die klare 
Erwartung, dass durch den ersten Reformschritt die Strompreise bis 2015 
mindestens stabil bleiben", sagt Holger Krawinkel, der Energieexperte des 
Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Ein weiterer Anstieg der 
Ökostrom-Umlage, die vor allem von den Stromkunden bezahlt werde, sei nicht 
akzeptabel.




° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° 
Ende der weitergeleiteten Nachricht ° Alle Rechte bei den AutorInnen 
Unverlangte und doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen 
Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe 


° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° 
Greenhouse Infopool baut um! 
Wir sind jetzt vor allem hier: 

Twitter: 
http://twitter.com/greenhouse_info 

RSS-Feed: 
http://tinyurl.com/greenhouse-feed

Facebook (Beta): 
http://www.facebook.com/mika.latuschek 

Twitter-News per E-Mail erhalten:
https://listen.jpberlin.de/mailman/listinfo/greenhouse-info




_______________________________________________
Pressemeldungen mailing list
[email protected]
https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen

Antwort per Email an