Rundfunk Berlin-Brandenburg
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18.01.2014

GRÜNE WOCHE 2014

Protestaktionen in Berlins Mitte und an der Messe

30.000 Menschen demonstrieren für eine Agrarwende

"Wir haben Agrarwirtschaft satt": Unter diesem Motto sind am Samstag in
Berlin rund 30.000 Menschen auf die Straße gegangen. Sie forderten
anlässlich der Grünen Woche einen besseren Tier- und Naturschutz in der
Landwirtschaft. Aktivisten gelang es zudem, auf den Funkturm neben den
Messehallen zu klettern und dort ein Transparent zu entrollen.

Mehrere zehntausend Menschen sind am Samstag in Berlin für einen besseren
Tier- und Klimaschutz in der Landwirtschaft auf die Straße gegangen. Unter
dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt" [1] forderten die Teilnehmer von
der Bundesregierung eine agrarpolitische Wende.

Nach Informationen des Veranstalters nahmen etwa 30.000 Menschen an dem
Protestzug teil. Rund 70 Traktoren seien dem Protestzug vorweg gefahren,
hieß es. Einige Landwirte seien mit ihren Treckern aus ganz Deutschland bis
zu 50 Stunden lang angereist. Der Protestzug begann am Vormittag am
Potsdamer Platz und endete am Kanzleramt.

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Aktivisten entrollten am Funkturm ein Plakat mit der Aufschrift "Bloß nicht
genau hinsehen"
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Foto: rbb-online.de
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Anlass der Proteste war die Agrarmesse Grüne Woche, die derzeit auf dem
Berliner Messegelände stattfindet. Hier kletterten am Samstag zudem einige
Protestierende auf den Funkturm, um für mehr Tierschutz in der
Landwirtschaft zu demonstrieren. Sie entrollten ein Transparent mit der
Aufschrift "Bloß nicht genau hinsehen". Darunter war das Symbol der drei
Affen zu sehen, die nicht hören, nicht sehen und nicht sprechen. Die Gruppe
"Grüne Woche demaskieren" [2] wurde erst kürzlich von Tier- und
Umweltschützern gegründet. Bereits am Freitag war es nach der Eröffnung der
Grünen Woche zu Protesten von Tierschützern gekommen [3].

Gegen Chlorhühnchen, Hormonfleisch und Gentechnik

Bei ihrer Demonstration in Berlins Mitte forderten die Teilnehmer einen
Kurswechsel in der Agrarpolitik. Statt weiterhin "Klientelpolitik für die
Agrarindustrie" zu betreiben, solle sich die Bundesregierung für eine
"tiergerechte und ökologische Agrarwende" einsetzen.

"Wer Megaställe genehmigt und subventioniert, lässt die Bauern im Stich und
handelt gegen die Interessen von Verbrauchern, Tieren und Umwelt", erklärte
Jochen Fritz vom Bündnis "Wir haben es satt". Er kritisierte eine mögliche
Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa und forderte eine
Landwirtschaftspolitik, "die das Arten- und Höfesterben stoppt und den
Hunger in der Welt bekämpft."

Neben Tierwohl und Gentechnik rückten die Unterstützerorganisationen vor
allem das geplante Freihandelsabkommen zwischen EU und USA in den
Blickpunkt. Das Abkommen schade Verbrauchern und Landwirten gleichermaßen.
"Chlorhühnchen, Hormonfleisch und Gentechnik auf dem Teller lehnen wir ab",
erklärte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND). Stattdessen sollten die bäuerlichen Betriebe in
Deutschland gefördert werden.

Breites Bündnis von Verbänden und Organisationen

Träger der Großkundgebung, die seit 2011 jedes Jahr stattfindet, ist ein
breites Bündnis [4] von rund 100 Umwelt-, Verbraucherschutz- und
Entwicklungsorganisationen sowie von Bürgerinitiativen und
Landwirtschaftsverbänden. Zu ihnen zählen unter anderen der Bund für Umwelt-
und Naturschutz Deutschland (BUND), die Hilfsorganisationen Brot für die
Welt und Misereor, die Bürgerrechtsbewegung Attac und die
Erzeugergemeinschaften Demeter und Bioland.

"Deutliches Stoppschild"

Grünen-Chefin Simone Peter nannte die Demonstration laut Mitteilung "ein
deutliches Stoppschild gegen Massentierhaltung in Mastanlagen, Gentechnik
auf dem Teller und Pestizide im Essen". Der Ökolandbau zeige, dass es auch
anders gehe. Der Bio-Branche dürften keine Knüppel zwischen die Beine
geworfen werden, weil der neue Agrarminister vor allem auf industrielle
Massenproduktion setze.

Landwirtschaftsminister Friedrich auf der Grünen Messe

Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) begrüßte, dass sich
Demonstranten an der politischen Debatte beteiligten. "Alle Argumente, die
dort vorgetragen werden, spielen auch in unserer Diskussion eine Rolle und
haben ihre Berechtigung", sagte er. Es sei gut, dass die Demonstranten ihre
Meinung sagten, "weil es zeigt, dass viele Menschen sich Gedanken machen um
die Welternährung". Gute Landwirtschaft mit nachhaltiger Produktion und
hoher Qualität wollten alle erreichen. Über den Weg dorthin gebe es
verschiedene Ansichten.

[1] http://www.wir-haben-es-satt.de/
[2] http://gruenewoche.blogsport.de/
[3] http://tinyurl.com/mkq4j3e
[4] http://www.wir-haben-es-satt.de/start/netzwerk/traegerinnen/




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