TELEPOLIS
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Carsharing und mehr E-Autos sind keine Lösung für die Innenstädte

Überallautos kannibalisieren den öffentlichen Nahverkehr ohne zusätzlichen
Umweltnutzen

Matthias Brake 19.01.2014

Besonders in den Städten gilt das eigene Auto immer weniger als Statussymbol
und erweist sich stattdessen zunehmend als unpraktisch und teuer.[1] Die
Kosten für das eigene Fahrzeug steigen. Gleichzeitig werden Parkplätze in
den Innenstädten knapp und die Durchschnittsgeschwindigkeit mit dem Pkw
liegt im Stadtverkehr mittlerweile auch nur noch unwesentlich über der
Reisegeschwindigkeit mit dem Fahrrad.

Doch dann und wann ist ein Auto ganz praktisch für Einkäufe, bei schlechtem
Wetter oder längeren Strecken. Doch wer glaubt, Carsharing ersetze Autos und
führe absolut zu einer Verringerrung des innerstädtischen Verkehrs, muss die
Sache nun wohl etwas differenzierter betrachten. So berichtet der
Tagesspiegel, dass es in der Berliner Innenstadt mittlerweile 2.894
Carsharing-Autos im Angebot gibt.[2]

Willi Loose vom Bundesverband Carsharing sieht bei dieser Angebotsdichte
Carsharing im Kontext mit anderen Verkehrsmitteln als vollwertigen Ersatz
für ein privates Auto. Doch während bei den Untersuchungen bisheriger
Carsharingangebote mit eigenen festen Stellplätzen ermittelt wurde, dass ein
geteilter Wagen 11 Privatfahrzeuge ersetzt und in Städten nicht zu mehr
Druck auf die Parkplätze führt, sieht das bei den neuen Sharingangeboten
etwas anders aus.

Hier bieten immer mehr Carsharinganbieter nun auch sogenannte "Freefloater"
an, bei denen die Leihautos nicht wieder auf besonderen Parkplätzen
abgestellt werden müssen, sondern, ähnlich wie bei der Einführung der
Mietfahrräder der Bahn, überall abgestellt werden können.

Diese Angebote ermöglichen nun ein Hop-on, Hop-off und die Preise für eine
Kurznutzung von 15 Minuten liegen kaum höher als das Ticket für Bus oder
Bahn. In der Folge führen Freefloater zu mehr Druck auf die Parkplätze in
den Innenstädten und, so der Vorwurf, sie kannibaliseren den öffentlichen
Nahverkehr, ohne dass dem überhaupt noch irgendein Umweltnutzen
gegenüberstünde.

Noch mehr Druck auf die Parkplätze dürfte es schon bald in den Innenstädten
geben, wenn Stell- und Aufladeplätze auch noch für die Elektroautos
reserviert werden. Gegen das vollständige Zustellen der Städte mit
Fahrzeugen helfen aber weder Carsharing noch Elektromobilität, sondern ganz
einfach nur der wirkliche Verzicht aufs Auto in den Innenstädten.
                 
Links

[1] http://www.sueddeutsche.de/auto/der-lack-ist-ab-1.1862946 
[2] http://tagesspiegel.de/auto/carsharing-kosten-ohne-nutzen/9162944.html




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