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Posted on: Tuesday, January 21, 2014 6:00 PM
Author: greenpeace-magazin.de: Tagesthemen
Subject: Europa verordnet sich Zwangspause beim Handelspakt mit USA

Von Christian Böhmer, dpa Brüssel (dpa) - Das geplante Freihandelsabkommen der 
EU mit den USA sollte vor dem Hintergrund einer schlimmen Wirtschaftskrise auf 
beiden Seiten des Atlantiks Mut machen. Größte Freihandelszone der Welt, 120 
Milliarden Euro mehr Wirtschaftsleistung in Europa pro Jahr, plus 400 000 neue 
Arbeitsplätze für die EU - das waren oft wiederholte offizielle Ansagen.

Doch der Elan ist verflogen. Die im Juli vergangenen Jahres begonnenen 
Verhandlungen waren von Anfang an von Spähvorwürfen belastet. Die Enthüllungen 
von Edward Snowden, Ex-Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA, sorgten für 
Misstrauen und Spannungen zwischen den Partnern.

Schon beim «Handy»-Gipfel der EU im vergangenen Oktober, wo es um den 
Lauschangriff auf das Mobiltelefon der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 
ging, wurden Forderungen laut, die transatlantischen Handels-Gespräche komplett 
auf Eis zu legen.

Wachsende Kritik kommt auch von Umwelt- und Verbraucherschützern, die 
befürchten, dass das Abkommen für US-Hormonfleisch, Chlorhähnchen oder Genmais 
die Tore nach Europa öffnen werde. Die EU-Kommission hält dagegen, es würden 
kein EU-Gesetz für den Handelspakt geändert.

Die nun von der EU-Behörde angekündigte Aussetzung der Gespräche im 
Investitionsbereich bis zum Frühsommer fügt sich in das Bild von Streit und 
Stillstand. Der für offene und undiplomatische Worte bekannte Handelskommissar 
Karel De Gucht ist es offensichtlich leid, sich in der Öffentlichkeit vorwerfen 
zu lassen, er wolle die umstrittenen Klauseln für den Investitionsschutz mit 
Washington verhandeln. Schließlich bekam er ja von den Mitgliedstaaten den 
Auftrag dafür.

Der streitbare Belgier spielt den Ball in die 28 europäischen Hauptstädte - die 
sollen erklären, was sie wollen. Die Handels- und Wirtschaftsminister werden 
sich am 28. Februar treffen. De Gucht schreibt von einem «beispiellosen 
öffentlichen Interesse» an den Handelsgesprächen - dabei wird nicht so ganz 
klar, ob er das nun begrüßt oder kritisiert.

Die Kommission hat mit öffentlichem Protest so ihre Erfahrungen. Im Sommer 2012 
schmetterte das Europaparlament das internationale Anti-«Piraterie»-Abkommen 
Acta ab. Es sollte Urheberrechte im Internet besser schützen. Die 
Volksvertretung muss am Ende auch dem Handelspakt mit Washington zustimmen.

Öffnet De Gucht mit seinem Vorgehen nun die Büchse der Pandora? Die 
Sozialdemokraten im Europaparlament fordern bereits, die umstrittene 
Schiedsgerichts-Regelung ISDS («Investor-to-state-dispute-settlement») in den 
Verhandlungen ganz fallenzulassen. Eine Hinnahme dieses Systems «würde 
bedeuten, die Türe zu öffnen für Großkonzerne zur Durchsetzung ihrer Interessen 
gegen die EU-Gesetzgebung», warnt der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange. Er hat 
dabei vor allem die Gesundheit und Umwelt im Blick.

Die Befürchtung gibt es schon seit längerem, dass große Unternehmen Staaten vor 
nicht-öffentlichen Schiedsgerichten verklagen könnten. Die Kommission 
argumentiert hingegen, Maßnahmen der europäischen Regierungen zum Gesundheits- 
und Umweltschutz könnten nicht unter dem Deckmantel des Investitionsschutzes 
angefochten werden. Wie oft steht Meinung gegen Meinung.

EU-Diplomaten heben hervor, die Handelsgespräche könnten eigentlich nur noch 
von der politischen Spitzenebene neu angeschoben werden. Die nächste 
Gelegenheit dafür dürfte der EU-USA-Gipfel am 26. März in Brüssel sein, zu dem 
US-Präsident Barack Obama anreisen will. 




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