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N A B U - P R E S S E D I E N S T  ---- 25.02.2014 
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Umwelt/Jagd/Artenschutz
Besenderter NABU-Seeadler stirbt an Bleimunition
Erneuter Rückschlag für die Adler-Population
 
Berlin – Bereits zum vierten Mal starb in diesem Winter ein Seeadler an
einer Vergiftung, die durch Reste von Bleimunition in seiner Nahrung
verursacht wurde. Dieses Mal wurde ein Adler zum Opfer bleihaltiger
Munition, dessen Verhalten der NABU seit 2011 mittels eines
Satellitensenders beobachtete. Die Hoffnung, ihn noch retten zu können,
musste schnell begraben werden: der Adler starb nur einen Tag nach der
Einlieferung in die Kleintierklinik der FU Berlin. Der NABU kritisiert
die Jägerschaft scharf, die wider besseres Wissens weiterhin mit
bleihaltiger Munition jagt und fordert ein Verbot der giftigen
Beimengung.
Das Seeadler-Weibchen hatte schon eine „bleihaltige“ Vorgeschichte,
denn sie war bereits im Dezember 2010 mit einer Bleivergiftung
aufgefunden worden. Damals war die Bleidosis glücklicherweise nicht
tödlich, daher konnten die Tiermediziner der Kleintierklinik den
Vogel retten. Dank finanzieller Unterstützung durch NABU-Adlerpaten
konnte der Seeadler dann im März 2011 von Prof. Bernd Meyburg, Leiter
NABU-BAG Greifvogelschutz,  mit einem Sender ausgestattet werden, der in
regelmäßigen Abständen den Aufenthaltsort des Tieres an die
Greifvogelexperten übermittelte. Daher konnte verfolgt werden, wo sich
das Weibchen nach der Freilassung am 8. März 2011 aufhielt.
Die gesammelten Daten lassen nun unter anderem auch den Schluss zu,
dass sich der Seeadler die Bleivergiftung im Großraum der Lieberoser
Heide im Landkreis Dahme-Spree zugezogen hat. „Als der Adler am 12.
Februar gefunden wurde, war er bereits stark abgemagert“, berichtet
Rainer Altenkamp, 2. Vorstandsvorsitzender des NABU Landesverbandes
Berlin. „Wir können also davon ausgehen, dass er vor etwa zwei bis drei
Wochen in seinem Brandenburgischen Streifgebiet Nahrung mit Bleiresten
aufnahm. Der Vogel hatte auch noch Munitionsreste im Magen.“  Am 13.
Februar 2014, also einen Tag nach dem Fund, starb das Seeadler-Weibchen
an den Folgen seiner schweren Vergiftung. Der Vogel konnte aufgrund
einer durch das Blei verursachten Lähmung des Magen-Darmtrakts keine
Nahrung mehr verdauen, zudem hatte das Blei die meisten Roten
Blutkörperchen zerstört, so dass auch die Atmung extrem erschwert war. 
Herber Rückschlag für Natur-, Artenschutz und Forschung
Der Seeadler hatte sich in den letzten drei Jahren konstant in seinem
Brandenburger Lebensraum aufgehalten. „Da es sich um ein mindestens neun
Jahre altes Weibchen handelte, hatten wir gehofft, dass sie in den
nächsten Jahren für Nachwuchs sorgt“, erläutert Altenkamp. „Der
Jägerschaft sollte bewusst sein, dass sie hier einen Seeadler
innerhalb von vier Jahren zweimal mit ihrer Munition vergiftet und zudem
eine hochinteressante wissenschaftliche Untersuchung brutal beendet hat.“

Mit Bleimunition angeschossene und später nicht aufgefundene Rehe,
Wildschweine oder Hirsche sowie im Gelände zurückgelassene Innereien der
Jagdbeute sind die Quellen für Bleivergiftungen bei Seeadlern, die
gerade im Winter während der Jagdsaison das leicht zugängliche Aas
bevorzugen. „Bleivergiftungen sind heute die häufigste Todesursache bei
erwachsenen Seeadlern und verzögern die Wiederausbreitung des deutschen
Wappenvogels, der noch vor wenigen Jahrzehnten kurz vor dem Aussterben
stand“, so Lars Lachmann, NABU-Vogelschutz-Experte. 
Todesursache: vermeidbar
Was die Naturschützer besonders ärgert ist die Tatsache, dass auch
dieser Tod vermeidbar gewesen wäre. Bereits seit mehreren Jahren bietet
die Munitionsindustrie für Jäger bleifreie Jagdgeschossalternativen an.
Doch immer wieder wird vor allem vom Deutschen Jagdverband (DJV) deren
W
irksamkeit in Abrede gestellt, dabei haben verschiedene Tests bereits
das Gegenteil bewiesen. „Die jüngst in einer Pressemitteilung des DJV
erneut behauptete angeblich nicht tierschutzgerechte Tötungswirkung
bleifreier Munition im Vergleich zu bleihaltiger Munition ist nicht
Stand des Wissens. Gesicherte Hinweise dafür hat es nie gegeben. Zudem
wurde in zahlreichen Untersuchungen diese Behauptung widerlegt“, stellt
Altenkamp fest. Nach diesem erneuten tragischen Ereignis fordert der
NABU ein Verbot bleihaltiger Munition, um Mensch und Tier vor den
toxischen Auswirkungen von Bleimunition zu schützen und damit viele
Seeadler vor qualvollen Vergiftungen zu bewahren. 
 
Für Rückfragen:
Rainer Altenkamp, NABU Berlin, 2. Vorstandsvorsitzender,
[email protected],  mobil 0176-22010025
Anja Sorges, NABU Berlin, Geschäftsführung & Presse,
[email protected],  Tel. 030-9860837-17
Lars Lachmann, NABU-Vogelexperte, 030-284984-1620,
[email protected]
 
Weitere Informationen unter
http://berlin.nabu.de/nabuaktiv/fachgruppen/greifvogelschutz/16584.html

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