Der Landbote
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Winterthur Stadt | 14.03.2014

Nur Effizienz und Suffizienz führen zum Ziel

Die 2000-Watt-Doktrin zeigt Folgen: Wer Land von der Stadt will, muss kleinere 
Wohnungen bauen. Und eine neue Energiebetrachtungsweise ergänzt den bisherigen 
MinergieStandard

Von Martin Gmür

Der sogenannte Minergie-P-Standard [1] ist in Winterthur (wie andernorts) 
Pflicht, wenn Grossprojekte geplant und gebaut werden. Erfüllt ein Gebäude 
diesen Standard, ist garantiert, dass der Energieverbrauch für den Betrieb 
minimiert wird - also vorab für Heizung und Warmwasser. Nicht berücksichtigt im 
Minergie-Label sind andere Energieverbrauchsformen, etwa für die Mobilität, die 
ein Bau auslöst, oder wie viel Energie die Baustoffe bereits verbraucht haben. 
Ein Holzhaus zum Beispiel hat punkto grauer [2] Baustoffenergie einen besseren 
Wert als ein Betonbau.

Der sogenannte SIA-Effizienzpfad Energie [3] trägt nun allen drei Bereichen 
Rechnung: dem Betriebsverbrauch ebenso wie der grauen Energie beim Bauen und 
der Mobilität. Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein selber 
spricht von einer «neuen Dimension» im energieeffizienten Bauen. Und der 
Stadtrat von Winterthur hat nun beschlossen, dass dieser SIA-Effizienzpfad bei 
Arealüberbauungen und Landverkäufen ebenso Gültigkeit haben soll wie der 
Minergie-P-Standard. Die neue Holzwohnsiedlung «Sue & Til» [4], die in Neuhegi 
entstehen soll, ist nach dem Konzept dieses Effizienzpfads geplant.

Ein Geben und Nehmen

Wenn ein Bauherr oder Investor mittels Arealbonus ein Grundstück höher 
ausnützen will, als Bauordnung und Zonenplan zulassen, muss er jetzt einen der 
beiden Energiestandards erfüllen. Der Stadtrat rechtfertigt diese Massnahme in 
einer Mitteilung mit den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft [5], die sich 
Winterthur per Volksabstimmung auferlegt hat. Der Bauherr oder Investor muss 
also Energie sparen, was zu höheren Kosten führen kann, sein Boden aber wird 
mehr wert, weil er dichter bebaut werden darf: ein Geben und Nehmen.

Kleinere Wohnungen bevorzugt

In einem weiteren Beschluss hat der Stadtrat kürzlich festgelegt, dass diese 
Anforderung - entweder SIA-Effizienzpfad oder Minergie-P-Standard - auch dann 
erfüllt sein muss, wenn die Stadt Land verkauft oder im Baurecht abgibt, und 
zwar bereits ab einer Parzellengrösse von 1000 Quadratmetern. Und noch einen 
weiteren Passus hat der Stadtrat bei Landabgaben eingefügt, jenen der 
Suffizienz [6] oder Genügsamkeit. Es werden Käufer oder Baurechtsnehmer 
bevorzugt, die mit maximal 35 Quadratmetern Wohnfläche pro Person planen. Eine 
Beschränkung tut not, denn der Pro-Kopf-Wohnflächenbedarf steigt an. Kürzlich 
waren im «Landboten» wieder Zweieinhalbzimmerwohnungen mit 123 Quadratmetern 
Fläche inseriert.

Die Grünen haben auf die Mitteilung des Stadtrats bereits reagiert. Sie werten 
die Massnahmen als «guten und richtigen Schritt hin zur 2000-Watt-Gesellschaft» 
und zeigen sich insbesondere ob der Wohnflächenvorgabe «positiv überrascht». 
Die Grünen finden indes, die neuen Regeln sollten nicht nur für grosse 
Arealüberbauungen gelten, sondern für sämtliche Neubauten. Und an hervorragend 
erschlossenen Lagen sollten autoarme oder autofreie Wohnsiedlungen [7] «zum 
Standard werden». Die Mobilität sei jener gesellschaftliche Bereich, in dem die 
Ziele «noch nicht einmal ansatzweise erreicht werden».

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[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Minergie-P
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Graue_Energie
[3] http://www.sia.ch/de/themen/energie/sia-effizienzpfad-energie/
[4] http://www.bde.ch/projekte/jahr/2014/sue-and-til-winterthur
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/2000-Watt-Gesellschaft
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Suffizienz_(Ökologie)
[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Autofreies_Wohnen




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