Heute im Bundestag
http://www.bundestag.de/presse/hib/2014_06/-/282536

Keine Unterzeichnung des Weltagrarberichts

Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - 04.06.2014

Berlin: (hib/AHE) Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist mit ihrer Forderung
nach einer Unterzeichnung des Weltagrarberichts durch die Bundesregierung
gescheitert. Einen entsprechenden Antrag (18/979 [*]) lehnte der Ausschuss
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Mittwoch mit den
Stimmen der Fraktionen von CDU/CSU und SPD ab, die Fraktion Die Linke
votierte für die Vorlage.

Die Grünen hatten in ihrem Antrag argumentiert, dass der Bericht des von den
Vereinten Nationen und der Weltbank initiierten Weltagrarrates bisher von 58
Staaten unterzeichnet worden sei. Er fordere eine „grundsätzliche
Neuausrichtung von Agrarpolitik und Agrarforschung, welche die überragende
Bedeutung der bäuerlichen Landwirtschaft für die Bekämpfung des Hungers
anerkennt“. Der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung,
Gerd Müller (CSU), postuliere die nachhaltige ländliche Entwicklung und den
Kampf gegen Hunger als Schwerpunkt seiner Politik. Die Bundesregierung sei
aufgefordert, ein „deutliches Zeichen“ zu setzen, „indem sie den
Weltagrarbericht anerkennt und diesen umsetzt“.

Die Bundesregierung solle „Farbe bekennen“, ob sie auf der Seite des Modells
einer industriellen oder kleinbäuerlichen Landwirtschaft in
Entwicklungsländern steht, argumentierte ein Vertreter der Grünen. Der
Weltagrarbericht zeige, dass die kleinbäuerliche Wirtschaft ökologisch,
sozial und auch mit Blick auf das Weltklima die besseren Voraussetzungen für
eine nachhaltige Entwicklung habe.

Ein Vertreter der Linksfraktion sprach von dem Eindruck, dass die
Bundesregierung unter dem „Deckmantel der Hungerbekämpfung“ vor allem neue
Märkte erschließen wolle. Es dürfe nicht um den „Export des westlichen
Agrarmodells“ gehen, das etwa mit industriellen Saatgut und industriellen
Düngemethoden Kleinbauern in die Abhängigkeit treibe.

Vertreter der Koalitionsfraktionen betonten, dass die Bundesregierung auch
ohne die Unterzeichnung im Lichte der Erkenntnisse und Empfehlungen des
Weltagrarberichtes handle. Ein Vertreter der Unionsfraktion verwies auf den
Plan von Minister Müller, „grüne Zentren“ als Pilotprojekte in Afrika
einzurichten, bei denen landwirtschaftliche Techniken vermittelt werden
sollen, um die Produktivität zu erhöhen und Ernteverluste zu vermeiden. Ein
Vertreter der SPD-Fraktion nannte die Unterzeichnung des Weltagrarberichts
zwar wünschenswert; entscheidend sei aber, dass man im Koalitionsvertrag
Empfehlungen des Berichts verankert habe und nun auch umsetze.

Die Abgeordneten diskutierten außerdem über einen Antrag der Fraktion Die
Linke (18/1482), der vom Bundestagsplenum noch nicht überwiesen worden ist
und über den zu einem späteren Zeitpunkt abgestimmt werden soll. Die
Fraktion fordert - neben der Unterzeichnung des Weltagrarberichts -, die
Ernährungssouveränität zum Leitbild der deutschen Entwicklungs- und
Agrarpolitik zu machen und „die Selbstversorgung in den Partnerländern und
nicht ihre Integration in internationale Wertschöpfungsketten als oberstes
Ziel anzusehen“. Weitere Forderungen zielen unter anderem auf die Stärkung
der Rechte von Kleinbauern, die Verhinderung von „Landgrabbing“-Praktiken
und die Abschaffung von Exportfördersubventionen insbesondere für Ausfuhren
in Entwicklungsländer.

Vertreter von Union und SPD wandten sich insbesondere gegen die Forderung
nach einem Stopp sämtlicher Verhandlungen über Freihandelsabkommen. Es sei
richtig und wichtig, dass auch Entwicklungsländer mit eigener Wertschöpfung
am Welthandel teilhaben können.

[*] http://dip.bundestag.de/btd/18/009/1800979.pdf




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