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Donnerstag, 05. Juni 2014 Kupferbranche will Flüsse umleiten In Chile überbieten sich die Minenbetreiber mit Wasser-Großprojekten: Per Pipeline oder Schiff wollen sie Flusswasser aus dem wasserreichen Süden in den trockenen Norden schaffen, wo der Durst der Bergbauindustrie alle ökologischen Grenzen sprengt. Scheinbar hat das Land keine Wahl, denn es ist abhängig vom Kupferexport Aus Santiago de Chile Marianela Jarroud und Orlando Milesi (IPS) Es hört sich an, als ob noch nie ein großes Flussprojekt schiefgegangen [1] ist: Gleich drei privatwirtschaftliche Initiativen in Chile wollen den trockenen Norden des Landes mit Flusswasser aus dem Süden versorgen. Die Megaprojekte sollen vor allem den Durst der Bergbauindustrie stillen. Chile ist der größte Kupferproduzent der Welt und Kupfer ist so etwas wie das Öl von morgen [2]. Das weiche Metall leitet bestens Wärme und Strom und steckt milliardenfach in technischen Produkten, ob Handy, Windrad oder Elektroauto [3]. Für die drei Flussumleitungs-Projekte Aquatacama, Vía Hídrica del Norte und Sirius liegen bereits technische Machbarkeitsstudien vor. Was fehlt, sind die Umweltverträglichkeits-Untersuchungen. Nun versuchen die Bergbau-Lobbyisten die Regierung in Santiago davon zu überzeugen, dass ihre Projekte von großem gesellschaftlichem Interesse sind. Ihre Argumente erscheinen plausibel: Der zunehmende Wassermangel im Norden, der wichtigsten Bergbauregion, behindert die Entwicklung, und das könnte sozialen Unruhen Auftrieb geben. Der Bergbau [5] erwirtschaftet 13 Prozent des chilenischen Bruttoinlandsprodukts und beschäftigt nicht weniger als 36 Prozent der Erwerbstätigen im Lande. Per Pipeline bis zur Atacama-Wüste in den Anden Das schmale, langgezogene südamerikanische Land ist zwar reich an Wasser, das aber sehr ungleich verteilt ist. Während den Menschen im Süden pro Kopf und Jahr rund zehn Millionen Liter Wasser zur Verfügung stehen, sind es im Norden weniger als 800.000 Liter, wie aus einer Untersuchung der Weltbank hervorgeht. Allein der Kupferbergbau verschlingt nach Angaben der Bergbauvereinigung [6] rund 13.000 Liter Frischwasser - pro Sekunde. Die drei Projekte werden nun als Lösung der stetig wachsenden Schere zwischen Angebot und Nachfrage angepriesen. Aquatacama [7], ein Projekt mit Beteiligung der französischen Firmen Vía Marina und Vinci [8], hat für eine Studie über eine unterseeische Pazifik-Pipeline vom Mündungsgebiet der Flüsse Rapel, Maule [9] und Bío Bío [10] im südlichen Zentralchile bis ins 2.500 Kilometer entfernte Arica im äußersten Norden 1,4 Millionen US-Dollar ausgegeben. Die Route wurde von Experten der chilenischen Marine und der Hafenbehörden untersucht. Ursprünglich war vorgesehen, das Wasser aus Rapel ins 400 Kilometer entfernte Coquimbo [11] zu schaffen, um den Anden-Bergbau des staatlichen chilenischen Kupferunternehmens Codelco [12] und die Städte der Region mit Wasser versorgen zu können. Der Energieverbrauch liege bei unter 0,9 Kilowattstunden pro Kubikmeter, das sei ein Viertel des Stroms, der in Chile für die Meerwasserentsalzung [13] benötigt werde, rechneten die am Projekt beteiligten Unternehmen vor. Vía Hídrica del Norte [15] ist ein Projekt des chilenisch-spanischen Konsortiums Euro Engineering Group [16] und soll 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch eine unterirdische Stahlröhre von drei bis vier Metern Durchmesser über eine Länge von 2.400 Kilometern leiten. Um die Bergbauindustrie mit Wasser versorgen zu können, müsste es von einem Ort auf Meeresspiegelniveau in 4.300 Meter Höhe gepumpt werden. Die größten Kupferlagerstätten des Landes liegen im Norden nahe der Atacama-Wüste [17], dem trockensten Ort der Welt. Der dortige Wassermangel ist auch für die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorgung ein ernstes Problem. Tanklaster bringen das kostbare Nass in die Region. Wer es sich leisten kann, kauft es in Flaschen. Sirius, das dritte Projekt, ist ein rein chilenisches, das andere Initiativen ergänzen soll und eine Anschubfinanzierung von bis zu 60 Millionen Dollar benötigt. Sein Interesse gilt der Region Copiapó [18] rund 800 Kilometer nördlich von Santiago. Dorthin sollen monatlich zwei Schiffe bis zu dreieinhalb Millionen Kubikmeter Trinkwasser liefern. Dafür müssten 1.500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus einem Fluss im südlichen Patagonien [19] entnommen werden. Das Unternehmen beruft sich auf Zahlen der chilenischen Wasserbehörde, nach denen der Wasserverlust für den Fluss mit weniger als einem Zehntel überschaubar wäre. Konkurrenz zwischen Bergbau und Landwirtschaft "Die Wasserknappheit schränkt die Entwicklungsmöglichkeiten der nördlichen Regionen beträchtlich ein, die mit Produkten und Dienstleistungen aus anderen Teilen des Landes beliefert werden müssen", sagt Nicolás Jadue, Leiter des Geschäftsentwicklungszentrums der privaten Universidad Mayor [20]. "Zweifellos wird sich eine Erhöhung des Angebots positiv auswirken", meint er. "Die Projekte müssen aber auch auf ihren sozialen Nutzen hin überprüft werden", fordert der Experte. Seiner Ansicht nach wird die Belieferung des wasserarmens Norden mit Wasser zu Konflikten vor allem zwischen Bergbau und Landwirtschaft führen. Während sich in Chile alle einig darin sind, dass es dem Norden an Wasser fehlt, gehen die Ansichten darüber, wie dem Problem beizukommen ist, weit auseinander. So meint Cristian Silva, ein Befürworter des Sirius-Vorhabens, dass der Mangel im Norden vor allem ein Regulierungsproblem ist. "Es ist nötig, die Wasserpreise anzuheben. Die Frage ist nur, wer die Kosten trägt." Einige Abgeordnete schlagen dagegen vor, die während der Militärdiktatur von 1973 bis 1990 durchgedrückte Privatisierung des Wassersektors rückgängig zu machen. Soziale Verbände rufen derzeit zu Demonstrationen für eine nationale Wasserstrategie auf. "Ein besseres Wassermanagement ist besser als Dutzende solcher lokalen Projekte", betonte Axel Dourojeanni, UN-Berater und früherer Regionaldirektor der peruanischen Wasser- und Bodenbehörde, auf dem Welt-Kupfer-Gipfel [21] im April in Santiago. Der Experte warnte: Weder die sozialen und ökologischen noch die wirtschaftlichen Folgen der Wasserumleitungsprojekte seien ausreichend untersucht worden. "Der Wassertransfer ist notwendig, allerdings ist er sehr teuer", sagte Dourojeanni. "Und was noch viel wichtiger ist: Die Auswirkungen für die Gebiete, aus denen das Wasser entnommen werden soll, müssen genau untersucht werden." "Jetzt kommen auch noch die anderen Ökosysteme dran" Wie Lucio Cuenca, Leiter der Lateinamerikanischen Beobachtungsstelle für Umweltkonflikte OLCA [22], betont, liegt den Projekten der rein wirtschaftliche Gedanke zugrunde, dass sich das Wasser der Flüsse nutzlos ins Meer ergießt. Dieses Denken sei aber mit der Logik der Ökosysteme unvereinbar. "Das sind falsche Lösungen, die sich mit den Realitäten im Norden nicht vertragen. Dort ist der Bergbauindustrie erlaubt worden, sämtliche für die Ökosysteme erträglichen Grenzen zu überschreiten." Laut Rodrigo Villablanca, Oberhaupt der Gemeinschaft der indigenen Diaguita [23] im zentralen Huasco-Tal, die sich gegen die Genehmigung des Bergbauprojekts Pascua Lama wehrt [24], verbraucht der Bergbau nicht nur Unmengen an Wasser. Er zerstört auch die Gletscher in den oberen Tallagen - noch bevor der Rohstoffabbau überhaupt begonnen hat. "Jetzt will man also Wasser aus einem anderen Ökosystem verwenden, das dann auch noch geschädigt wird." Villablanca sieht überhaupt nur eine Lösung für die Wasserkrise: Die Chilenen sollten den Bergbau zurückfahren und den Umgang mit den natürlichen Reichtümern ihres Landes überdenken. Im Text verwendete Links: 1. http://www.oekosystem-erde.de/html/wassernutzung.html 2. http://www.klimaretter.info/konsum/hintergrund/13558-run-auf-metalle 3. http://www.klimaretter.info/mobilitaet/nachricht/15837-tesla-gigafactory 5. http://lamula.de/chile-kupferproduktion-in-grossen-tiefen 6. http://www.consejominero.cl/ 7. http://www.aquatacama.com/ 8. http://de.wikipedia.org/wiki/Vinci_(Unternehmen) 9. http://de.wikipedia.org/wiki/Río_Maule 10. http://de.wikipedia.org/wiki/Río_Bío_Bío 11. http://de.wikipedia.org/wiki/Coquimbo 12. http://de.wikipedia.org/wiki/Codelco 13. http://tinyurl.com/l3zwtay 15. http://www.euroengineeringgroup.com/viaHidrica.html 16. http://www.euroengineeringgroup.com/ 17. http://de.wikipedia.org/wiki/Atacamawüste 18. http://de.wikipedia.org/wiki/Copiapó 19. http://de.wikipedia.org/wiki/Patagonien 20. http://tinyurl.com/o86abmy 21. http://www.crugroup.com/events/copper/ 22. http://www.olca.cl/ 23. http://de.wikipedia.org/wiki/Diaguita 24. http://lamula.de/chile-strafgeld-fr-kanadischen-goldproduzenten/ ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Ende der weitergeleiteten Nachricht ° Alle Rechte bei den Autor*innen Unverlangte und doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Greenhouse Infopool Berlin http://twitter.com/greenhouse_info Facebook (Beta), RSS-Feed, Mailingliste: http://www.facebook.com/mika.latuschek http://tinyurl.com/greenhouse-feed https://listen.jpberlin.de/mailman/listinfo/greenhouse-info ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° Warum schreibst du nicht da, wo es gelesen wird? 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