die tageszeitung
http://www.taz.de/Kongress-gegen-Agrarindustrie/!147123/

* 05. 10. 2014

Kongress gegen Agrarindustrie

Zoff zwischen Biobauern und Veganern

Beim „Wir haben es satt“-Kongress werden tiefe Gräben in der alternativen
Agrarbewegung deutlich. Es geht um die Frage: Dürfen Landwirte Tiere halten?

Jost Maurin

BERLIN taz | Vegane Aktivisten gehen zunehmend auf Distanz zur Bewegung für
eine alternative Landwirtschaft. Das zeigte sich beim ersten „Wir haben es
satt“-Kongress, den die Organisatoren der Demonstrationen gegen die
Agrarindustrie unter dem selben Motto am Wochenende in Berlin veranstaltet
haben. Nach Angaben der Veranstalter besuchten mehr als 400 Teilnehmer den
Kongress.

„Wir sind nicht eine Bewegung. Ich fühle mich von euch im Stich gelassen,
wenn es um Tierrechte geht“, sagte Erasmus Müller von der veganen
Organisation Animal Rights Watch (Ariwa) unter anderem in Richtung des Bunds
für Umwelt und Naturschutz (BUND). „In dieser Hinsicht sind wir keine
Bewegung mehr.“ Für seinen emotionalen Beitrag bei einer Podiumsdiskussion
über Tiere in einer bäuerlich-ökologischen Landwirtschaft erntete er viel
Applaus im Publikum.

Konstantinos Tsilimekis, wissenschaftlicher Leiter der veganen
Albert-Schweitzer-Stiftung, wollte auf Frage der taz zwar nicht davon
sprechen, dass die Bewegung Tierrechtler im Stich lasse. Aber diese müsse
sich sehr wohl stärker für Tierrechte einsetzen. Die
Albert-Schweitzer-Stiftung schloss sich in den vergangenen Jahren dem Aufruf
zu den „Wir haben es satt“-Demonstrationen anlässlich der Agrarmesse „Grüne
Woche“ in Berlin an.

Vor Müllers Redebeitrag hatte Reinhild Benning, Agrarreferentin des BUND,
auf dem Podium gesagt: „Es ist möglich, Tiere ethisch vertretbar zu halten.“
Weltweit ernährten sich Milliarden Kleinbauern von Tieren. Je nach Klima und
Boden zum Beispiel könne es sinnvoll sein, von Tieren zu leben. Die
Entwicklungsländer bräuchten „Ernährungssouveränität“, also das Recht,
selbst zu entscheiden, wie sie ihre Nahrung erzeugten. Und sie mahnte: „Man
muss gucken: Wo steht der Feind?“ In der bäuerlichen und ökologischen
Landwirtschaft oder in der Massentierhaltung der Agrarindustrie?

Später rief Benning dazu auf, gemeinsam etwa gegen Morde an
Landlosen-Aktivisten in Brasilien zu kämpfen, statt interne Differenzen in
der Bewegung „auszuwalzen“.

Hendrik Haase, der den industriekritischen „Wurstsack“-Blog betreibt, sagte,
er „finde es schade, dass wir uns selbst zerfleischen“. Er kritisierte, dass
manche Veganer „sehr verletzende Briefe“ schrieben, teils mit Mord drohten
und „Brandsätze auf Bauernhöfe schmeißen“.

Menschenrechte für Tiere

Vegane Gruppen wie Ariwa oder Peta lehnen jegliche tierischen Produkte und
Tierhaltung ab. Sogar tierfreundlichere Haltungssysteme wie in der
Biolandwirtschaft verurteilen sie als Ausbeutung von Mitgeschöpfen. Dahinter
steht der Gedanke, Tiere hätten genauso viel Recht auf Leben und körperliche
Unversehrtheit wie Menschen.

Ariwa-Aktivist Müller erklärte in der Diskussion, dass zum Beispiel auch
Bioschweine litten, wenn sie geschlachtet werden. Tsilimekis konterte
Bennings Argument zu den Landlosen in Brasilien mit den Worten: „Es geht um
Menschenrechte und Tierrechte. Ethik ist unteilbar.“ Veganer, die etwa
Ställe in Brand stecken, seien „schwarze Schafe“.

Ähnliche Diskussionen werden in der alternativen Agrar- und
Ernährungsbewegung schon lange geführt. Neu ist aber, dass vegane Aktivisten
Verbände wie den BUND offensiv und in aller Öffentlichkeit angreifen.
Hintergrund dürfte sein, dass Veganismus in den vergangenen Jahren Anhänger
gewonnen hat.




° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Ende der weitergeleiteten Nachricht ° Alle Rechte bei den Autor*innen
Unverlangte und doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen
Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe


° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Greenhouse Infopool Berlin
http://twitter.com/greenhouse_info

… oder via Facebook (Beta), RSS-Feed, Mailingliste:
http://www.facebook.com/mika.latuschek
http://tinyurl.com/greenhouse-feed
https://listen.jpberlin.de/mailman/listinfo/greenhouse-info




_______________________________________________
Pressemeldungen mailing list
[email protected]
https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen

Antwort per Email an