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Forschung aktuell / Beitrag vom 12.09.2014

Solarenergie in Indien 

Erst in der Küche, dann im Kraftwerk

Indien will eine "solare Supermacht" werden und um dieses Ziel zu erreichen,
wird eine Menge investiert und erforscht. Die interessanteste Entwicklung
entsteht nicht in einer Universität oder einem Forschungsinstitut, sondern
in einem Ashram

Von Katharina Nickoleit

Der Koch kippt einen Topf voll Gemüse in die Pfanne und wendet es mit einem
Löffel, der etwa die Größe einer Gartenschaufel hat, im heißen Fett. Die
Pfanne hat einen Durchmesser von anderthalb Metern und ihr Inhalt reicht für
3000 Menschen.

"In dieser Küche können wir innerhalb von zwei Stunden für 40.000 Menschen
kochen. Wir haben zwei Sorten Pfannen hier, kleine und große. Mit der großen
dort können wir für 7000 Menschen kochen, mit der kleinen hier für 3000."

... erklärt Rajeshkar, der Küchenchef von Brahma Kumaris. Wenn in dem Ashram
in Abu Road in Rajasthan große Meditationstreffen stattfinden und für 40.000
Menschen gekocht werden muss, dann wird eine Menge Energie benötigt. Um
diese Energie möglichst umweltfreundlich zu erzeugen, hat Brahma Kumaris
schon vor 20 Jahren Indiens größte solarbetriebene Küche gebaut.

Spiegelschüsseln konzentrieren Sonnenlicht

"Wir haben Spiegelschüsseln [1], sie konzentrieren das Sonnenlicht auf einen
Punkt. Damit wird Wasser verdampft und der Dampf wird über Rohre in die
Küche geleitet und dort zum Kochen von Reis, Linsen und allem anderen
verwenden. Wir nutzten das statt Holz oder anderen Brennstoffen. Das ist
umweltfreundlich und wir helfen der Natur."

Inzwischen wird diese Technik in vielen Großküchen Indiens verwendet [2].
Für die Ingenieure von Brahma Kumaris war sie die Grundlage für die
Entwicklung einer neuen Technologie. Gerade stellen sie 770 haushohe
Spiegelschüsseln auf: Teile des Kraftwerks "India One" [3].

"Sie sind sehr präzise gefertigt und können das Sonnenlicht 300-fach
bündeln. So erhalten wir eine Temperatur von 1200 bis 1400 Grad Celsius."

Der ganz in weiß gewandete Jayasimha Rathod ist der Chefingenieur bei India
One. Jeder Spiegel lenkt die gebündelte Energie der Sonne auf einen vor ihm
aufgestellten dreieinhalb Tonnen schweren, massiven Zylinder aus Stahl.
Dieser mit einem Loch in der Mitte versehene Stahlklotz ist eine vollkommen
neue Erfindung.

"Das konzentrierte Sonnenlicht fällt in das Loch und heizt den Stahl auf 500
Grad auf. Der Stahl speichert die Energie in Form von Hitze. Diese Hitze
wird bei Bedarf über Wasser extrahiert. Rund um den Stahlkern verläuft ein
Rohr. Wenn wir dort Wasser hindurch laufen lassen, wird es von der Hitze in
Dampf verwandelt."

Stahl als unkomplizierter Energiespeicher

Der 450 Grad heiße Dampf aus den Hitzeabsorbern strömt zu einer Turbine mit
einem Megawatt Spitzenleistung. Der Strom, den sie produziert, soll rund um
die Uhr verfügbar sein. Denn die Stahlzylinder können die tagsüber
gespeicherte Hitze 16 Stunden lang bunkern. Rathod:

"Es gibt viele Speichersysteme. Chemische Speicher wie Batterien und
thermische Speicher aus Salz. Deren Wärmeträgeröl muss nach ein paar Jahren
ausgetauscht werden, und das ist nicht sehr umweltfreundlich. Dasselbe gilt
für die Chemikalien in Batterien. Wir verwenden hier massiven Stahl - der
kann nach 25 Jahren einfach eingeschmolzen werden. Das ist sehr viel
umweltfreundlicher als alle anderen Hitzespeicher-Technologien."

India One wird unter anderem vom deutschen Bundesumweltministerium
finanziert und von der GIZ und dem Fraunhofer Institut für Solare
Energiesysteme begleitet [4]. 2015 soll das Solarkraftwerk Strom
produzieren. Wie kommt es, dass ausgerechnet in einem Ashram eine
wegweisende, neue Technologie entwickelt wird? Jayasimha Rathod:

"Brahma Kumaris ist eine soziale, spirituelle Organisation. Unsere
Philosophie ist, dass wir als spirituelle Wesen direkt mit der Natur
verbunden sind. Deshalb ist es unsere wichtigste Aufgabe, die Umwelt zu
schützen. Als spirituelle Menschen wollen wir so wenige natürliche
Ressourcen verbrauchen wie möglich. Deswegen beschäftigen wir uns seit zwei
Jahrzehnten mit der Entwicklung von Solartechnologie."

In weißen Gewändern für den Weltfrieden meditieren - manche belächeln die
Mitglieder von Brahma Kumaris. Doch der Anspruch, in allen Aspekten ihres
Lebens friedlich und umweltfreundlich zu handeln, hat Brahma Kumaris zu
international beachteten Pionieren der Solarforschung gemacht.

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[1] http://www.solare-bruecke.org/?option=com_content&id=2
[2] http://www.klimaretter.info/wohnen/hintergrund/15852
[3] http://www.india-one.net/
[4] http://tinyurl.com/kyndpaq (ise.fraunhofer.de)

Video: Ein Feld aus Parabolspiegeln in Indien (Deutsche Welle)
http://www.dw.de/av-16840026




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