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29.04.2015

Ban Ki Moon beim Vatikan-Klimagipfel: Die Ärmsten fliehen

UN-Generalsekretär: Klimawandel ist "bestimmendes Thema unserer Zeit" -
Wichtige Etappe wird UN-Gipfel zu Nachhaltiger Entwicklung sein, bei dem
Papst am 25. September Eröffnungsansprache halten wird

Vatikanstadt (KAP) Der Klimawandel ist das "bestimmende Thema unserer Zeit":
Das hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei dem hochkarätig besetzten Gipfel
im Vatikan betont, der am Dienstag eröffnet wurde. Die Erderwärmung wirke
sich weltweit auf Gesundheit und Wohlstand, Nahrungs- und
Trinkwassersicherheit, Migration, Frieden und Sicherheit aus. Vor allem die
Ärmsten litten unter den Folgen des klimatischen Wandels, obwohl sie ihn
selbst nicht verursacht hätten, so Ban Ki Moon. Die Staatengemeinschaft
könne auf die Herausforderungen nur gemeinsam reagieren. Dabei sei sie auf
die großen Religionen und die Wissenschaft als Verbündete angewiesen.

In seiner Konferenzrede bezeichnete der UN-Generalsekretär die Zeit für
positive Veränderungen als besonders günstig. Er hoffe auf ein umfassendes
globales Klimaabkommen bei der Weltklimakonferenz im Dezember in Paris. Eine
wichtige Etappe sei aber auch der UN-Gipfel zu Nachhaltiger Entwicklung
(United Nations Summit to adopt the post-2015 development agenda), der im
Rahmen der UN-Vollversammlung in New York stattfindet und bei dem Papst
Franziskus am 25. September die Eröffnungsansprache halten wird.

Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal
Peter Turkson, forderte in seiner Rede beim Vatikan-Klimagipfel langfristige
und moralische Lösungen zur Bewältigung der Erderwärmung. Drei von sieben
Milliarden Menschen seien von Armut betroffen, während eine einzige
privilegierte Milliarde das Gros der Ressourcen verbrauche.

An der internationalen Konferenz "Protect the Earth, Dignify Humanity. The
Moral Dimensions of Climate Change and Sustainable Development" nahmen
zahlreiche Wissenschaftler und Religionsvertreter teil. Organisatoren sind
die Päpstliche Sozialakademie, die Weltkonferenz der Religionen für den
Frieden und das "Sustainable Development Solutions Network".

Am Dienstagvormittag war Ban Ki Moon zu einer halbstündigen Audienz mit
Papst Franziskus zusammengetroffen. Auch dabei standen die Themen
Klimawandel und Flüchtlinge im Mittelpunkt. Besonders interessiert zeigte
sich der Südkoreaner laut Vatikanangaben an der noch vor dem Sommer
erscheinenden Öko-Enzyklika des Papstes. Franziskus würdigte Ban nach dem
Treffen als einen der "weltweit leidenschaftlichsten" moralischen
Fürsprecher für Klimaschutz und eine gerechtere Welt. Das päpstliche
Lehrschreiben werde die Welt zu einem veränderten Lebensstil aufrufen, sagte
Ban nach seinem Gespräch mit Franziskus.

"Apokalyptischer Alarmismus"

Kritik am Klimagipfel im Vatikan übten unterdessen konservative
US-Katholiken. Deren Wortführer kritisierten dabei auch Papst Franziskus.
Maureen Mullarkey, Kolumnistin des katholischen Magazins "First Things",
schrieb, Franziskus solle sich besser aus Dingen heraushalten, von denen er
nichts verstehe. Sie meinte, der Papst gebe mit seiner Positionierung in der
Klimadebatte eine "Nuancierung zugunsten von apokalyptischem Alarmismus".
Auch die Kolumnistin Rachel Lu hielt dem Vatikan im Magazin "Crisis" vor,
"pseudoreligiöse Sensibilitäten der Progressiven" zu bedienen, statt einfach
anzuerkennen, dass Klimaveränderungen "normal" sind. Dieselbe Linie verfolgt
auch der katholische Meinungsführer, Historiker und "First
Things"-Mitherausgeber George Weigel.

Die katholischen Republikanerpolitiker John Boehner, der Sprecher des
Repräsentantenhauses, Budgetkomitee-Leiter Paul Ryan sowie die
Präsidentschafts-Aspiranten Jeb Bush, Marco Rubio, Bobby Jindal, Chris
Christie und Rick Santorum folgen bislang diesen kritischen Einschätzungen.
Für sie dürfte es äußerst unangenehm werden, wenn der Papst im September vor
der UN-Vollversammlung in New York und vor dem Kongress in Washington
Klartext sprechen wird.

69 Prozent aller US-Katholiken erkennen laut einer kürzlichen Umfrage der
Yale-Universität einen menschlichen Anteil an der Klimaveränderung an. Und
selbst die Hälfte der republikanischen Wähler wünscht sich laut "New York
Times" eine Politik, die etwas gegen den Klimawandel tut.




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