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12.05.2015

Die Lichter werden nicht ausgehen

Wirtschaftswissenschaftler und Energiedialog-Teilnehmer Lorenz Jarass
spricht sich in Schweinfurt gegen neue Stromtrassen aus. Der Netzausbau
gefährde gar die Energiewende

Von Nike Bodenbach

Braucht es die geplante Stromtrasse SuedLink nun oder nicht? Über die
Antwort auf diese Frage streiten die Gelehrten. Im Landkreis Schweinfurt hat
sich mittlerweile eine ziemlich breite Front gegen das Mammutprojekt von
Netzbetreiber Tennet gebildet, die vor dem Bau der Gleichstromtrasse nach
Grafenrheinfeld zumindest Belege für die Notwendigkeit des Neubaus fordert.
Bei einer Infoveranstaltung des Schweinfurter Kreisverbands im Bayerischen
Gemeindetag hat nun der Wirtschaftswissenschaftler Lorenz Jarass, der auch
Teilnehmer des bayerischen Energiedialogs war, neuen Stromtrassen eine
Absage erteilt.

Die These des Wissenschaftlers: Die neuen Leitungen werden nicht - wie
öffentlich gern behauptet - für den Transport von sauberem Windstrom von der
Nordsee nach Süddeutschland gebraucht. Vielmehr reichten die vorhandenen
Kapazitäten nicht mehr, weil Kohlekraftwerke für ihren Strom eine Art
lukrative „Einspeisegarantie“ hätten - also auch dann 100 Prozent ihrer
Energie ins Netz leiten dürften, wenn der Bedarf mit Ökostrom eigentlich
locker gedeckt werden könnte. Der Netzausbau diene nur dazu, die
Braunkohleeinspeisung in Ost- und Westdeutschland weiter zu stärken. „Wer
für diesen Leitungsbau ist, zerstört die Grundlagen der Energiewende“, so
der Professor, der an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden lehrt.

„Im inneren Kreis der Leitungsplaner wissen alle, dass die neuen Trassen für
den Transport von Strom aus erneuerbaren Energien nicht gebraucht werden“,
sagte Jarass und meinte mit „Trassenplaner“ die Bundesnetzagentur. Deren
Präsident Jochen Homann habe ihm das bei einer Veranstaltung im vergangenen
Herbst erst persönlich bestätigt.

Die kritischen Situationen im deutschen Stromnetz entstehen laut Jarass also
nicht, wie oft gedacht, wenn kein Wind weht, die Sonne nicht scheint und die
Atommeiler abgeschaltet sind. Schwierig werde es immer, wenn an der Nordsee
bei strahlendem Sonnenschein der Wind pfeift. Und falls mal Flaute herrscht:
Um die viel zitierte Versorgungssicherheit zu gewährleisten, spricht sich
Jarass für Gaskraftwerke als Reserve aus.

Der Wissenschaftler forderte, die Trassenplanung neu zu berechnen. Darin sei
nämlich allerhand nicht berücksichtigt - zum Beispiel die etwa 25 Milliarden
Euro an Baukosten, die man für die neuen Trassen brauchen würde. Seine
Vorstellung einer „eleganten Lösung“: Den Kohlekraftwerken die
Einspeisegarantie entziehen, sodass sie bei einem weiter wachsenden Anteil
an Öko-Energie langsam aus dem Markt verdrängt werden.




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