NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 66/15 | 3. JUNI 2015
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Umwelt/Vögel/EU 
NABU: Rote Liste bedrohter Vogelarten in Europa vorgelegt 
Miller: Vogelschutzrichtlinie zeigt Wirkung - Natur in der
Kulturlandschaft muss besser erhalten werden
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Brüssel/Berlin – Der NABU-Dachverband BirdLife International hat am
heutigen Mittwoch in Brüssel die Rote Liste
bedrohter Vogelarten in der EU und in ganz Europa vorgelegt. Danach
sind Erfolge bei der gezielten Rettung seltener Arten zu beobachten.
Ehemals häufige Arten nehmen jedoch ab, weil ihnen zunehmend Lebensraum
verloren geht. Für die Beurteilung des Aussterberisikos aller
europäischen Vogelarten nach den weltweit anerkannten Richtlinien der
IUCN standen die jüngsten Berichte aller EU-Mitgliedsstaaten zur
Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie und vergleichbare Daten aus den
anderen europäischen Ländern zur Verfügung. Der Bericht wurde im Auftrag
der EU-Kommission erstellt.
 
„Es ist sehr ermutigend zu sehen, dass gezielte Artenschutzmaßnahmen
zur Rettung besonders gefährdeter seltener Arten geführt haben. In den
meisten Fällen ist dies dem besonderen Schutz der Arten durch die
EU-Vogelschutzrichtlinie zu verdanken, die 1979 verabschiedet wurde und
nun ihre Wirkung entfaltet. Ein unüberhörbares Warnsignal ist jedoch,
dass dies bisher nur bei sehr seltenen Arten gelingt, vermeintliche
Allerweltsarten aber landen inzwischen europaweit auf der Roten Liste,
weil wir es nicht schaffen, auch in unserer Kulturlandschaft Natur zu
erhalten“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. 
 
18 Prozent der 451 Vogelarten der EU wurden als gefährdet eingestuft
und könnten damit innerhalb der nächsten 100 Jahre komplett aus der EU
verschwinden. Auf kontinentaler Ebene wurden 13 Prozent von 533
europäischen Vogelarten als gefährdet eingeschätzt, zehn Prozent
dieser Arten gelten sogar auf globaler Ebene als vom Aussterben
bedroht.
 
Im Vergleich zur letzten Gefährdungseinschätzung im Jahr 2004 gibt es
dabei zahlreiche Erfolgsgeschichten: 20 Arten haben die Gefährdungsränge
verlassen, weitere 25 Arten sind heute weniger gefährdet als damals.
Auch sie haben besonders von der EU-Vogelschutzrichtlinie profitiert, in
deren Rahmen gezielte Schutzmaßnahmen angeregt und z.B. durch das
EU-LIFE-Programm gefördert wurden. „Aus dieser Gruppe sind Seeadler und
Großtrappe die prominentesten Arten, bei denen auch Deutschland zur
Sicherung der Bestände wesentlich beigetragen hat. Andere Gewinner
finden sich vor allem bei verschiedenen Greifvogelarten und endemischen
Vogelarten der Kanaren, Madeiras und der Azoren“, sagte
NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann.
 
Im Gegenzug mussten 29 Arten neu in die Rote Liste aufgenommen werden.
Diese Gruppe umfasst überwiegend ehemals häufige Vogelarten des
Agrarlands und der Meere und Küsten, die besonders von den
flächendeckenden Auswirkungen der Landnutzungsintensivierung und des
Klimawandels betroffen sind. „Es gelingt vergleichsweise gut, sehr
seltene Arten vor dem Aussterben zu bewahren. Gleichzeitig schaffen wir
es nicht zu verhindern, dass häufige Vogelarten so selten werden, dass
wir sie bald nur noch in Schutzgebieten beobachten können“, so Lachmann
weiter. Aus deutscher Sicht alarmierend ist die Neuaufnahme der früher
häufigen Arten Turteltaube, Austernfischer und Wiesenpieper in die
europaweite Rote Liste, wo sich auch die typischen Wiesenvogelarten
Kiebitz und Großer Brachvogel bereits befinden. Auch zum großen Teil in
der deutschen Ostsee überwinternde Arten wie Eisenten und Samtenten, die
dort u.a. durch den Beifang in Fischernetzen bedroht sind, finden sich
auf der europaweiten Roten Liste. 
 
Nicht alle Arten, die in dieser neuen EU-Liste als „nicht vom
Aussterben bedroht“ geführt werden, wiesen  jedoch einen guten
Erhaltungszustand auf. Nach dem kürzlich erschienenen und auf dem
gleichen Datenmaterial beruhenden Bericht der EU zum Zustand der Natur
(„State of Nature“-Bericht) gelten viele von ihnen als stark
abnehmend oder bereits auf Restbestände reduziert, so dass sich
insgesamt 48 Prozent aller Arten in einem schlechten Zustand befinden
und damit die Artenschutzziele der EU-Biodiversitätsstrategie für 2020
kaum zu erreichen sein werden. 
 
Red List of European Bird zum Download unter
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/artenschutz/rote-listen/index.html
 
Bericht der EU zum Zustand der Natur
http://www.eea.europa.eu/publications/state-of-nature-in-the-eu/
(Originaldokument auf der Seite der Europäischen Umweltagentur)
 
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