NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 77/15 | 15. JUNI 2015
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Umwelt/Natur/EU
NABU: Biber profitiert von EU-Naturschutzrichtlinien
Bedeutender Naturschatz in Europa – „Fitness-Check“ darf nicht zum
Naturschutz-Abbau führen
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Berlin/Jena – Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den
Prüfstand. Bis Ende Juli haben alle Bürgerinnen und Bürger in den
Mitgliedstaaten die Gelegenheit, sich zur Bedeutung und zu einer
möglichen „Modernisierung" der zwei wichtigsten EU-Gesetze für den
Natur- und Artenschutz zu äußern: der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) und
der Vogelschutzrichtlinie. Mit der Aktion „Naturschätze retten“ stellt
der NABU jede Woche unter www.NABU.de/naturschaetze (
http://www.nabu.de/naturschaetze ) ein Gebiet, eine Art oder einen
Lebensraum vor, die vom Schutz der EU profitieren oder ohne diesen
verloren gehen könnten. 
 
Unter dem Schutz der EU konnte sich beispielsweise der Europäische
Biber wieder ungestört in Thüringen ansiedeln. Langsam aber stetig
breitet sich der scheue Nager an Saale, Werra und Unstrut, Ilm, Rodach
und weiteren Gewässern in Thüringen aus. Er kommt zurück in seine alten
Lebensräume, bevorzugt naturnahe Abschnitte an Gewässern und arrangiert
sich auch mit der vom Menschen stark veränderten Kulturlandschaft. Seine
Gestaltungskraft hat die Flussbereiche über Millionen Jahre hinweg
geprägt. Durch seine fleißige Bautätigkeit schafft der Biber
vielfältige Strukturen wie Kleingewässer, Totholz, Feuchtwiesen oder
offene Bodenstellen am Ufer. 
 
„Mit seinen Aktivitäten schafft der Biber unter anderem auch
Lebensräume für Libellen, Amphibien, Reptilien, Fische und Vögel“,
erklärt Mike Jessat, Landesvorsitzender des NABU Thüringen. „Der Biber
profitiert ganz klar von Natura 2000-Gebieten an Thüringens Flüssen.
Werden die EU-Naturschutzrichtlinien einem ‚Fitness-Check‘ unterzogen
und gelockert, könnte dies die ungestörte Ausbreitung des Bibers mit all
seinen positiven Leistungen für die Biodiversität bedrohen.“
 
Ganz nebenbei trägt der Biber zur Renaturierung von Flüssen und zur
Gewässerreinhaltung bei und unterstützt darüber hinaus den
natürlichen Hochwasserschutz. Wo der Mensch also viel Geld und
Energie für Maßnahmen ausgibt, hilft der Biber zum Nulltarif. 
 
Mit Blick auf die EU-Bürgerbefragung zum „Fitness-Check“ möchte der
NABU zahlreiche Menschen dazu bewegen, sich für starke
Naturschutzgesetze in der Europäischen Union auszusprechen. Einige
Regierungen und Wirtschaftslobbyisten verlangen bereits die Abschwächung
der Fauna-Flora-Habitat- (FFH)- und Vogelschutzrichtlinie. Der Schutz
von allein in Deutschland über 5.000 Natura 2000-Gebieten könnte damit
geschwächt werden. Die Jagd auf Zugvögel und Wölfe, der Schutz von
Fledermäusen, Bibern und Buchenwäldern stünde wieder zur Debatte. 

Der NABU fordert nicht nur den Erhalt der EU-Vogelschutz- und
FFH-Richtlinie, sondern auch eine konsequentere Durchsetzung und
Finanzierung der geltenden Naturschutzstandards. „Wenn die
EU-Kommission, das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten es
ernst meinen mit dem Stopp des Artensterbens bis 2020, wozu sie sich
verpflichtet haben, dann muss eine breit angelegte Naturschutzoffensive
eingeleitet werden. Das bedeutet: mehr Geld und mehr Personal für die
Naturschutzverwaltungen, aber auch klare Bestimmungen für Schutzgebiete
sowie empfindliche Strafen für illegales Töten von Zugvögeln in der
ganzen EU“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. 

Der NABU stellt zwölf Wochen lang jede Woche eine geschützte oder
gerettete Art, einen Lebensraum oder ein Natura 2000-Gebiet vor, die
alle vom EU-Schutz abhängen. Dazu zählen der Wolf und der Biber, ebenso
wie die Wacholderheiden auf der Schwäbischen Alb, das Große Torfmoor in
Nordrhein-Westfalen, das Tegeler Fließtal der Hauptstadt Berlin, der
Buchenwald Grumsin oder das Nationale Naturerbe „Weinberg Wetzlar“.
 

Mehr über den Biber in Thüringen:
https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/willkommen-biber/biber-aktuell/managment2013-2014.html

 
Kostenfreie Pressefotos zum Biber: www.NABU.de/presse/fotos/#biber (
http://www.nabu.de/presse/fotos/#biber ) 
 
Weitere Informationen zum Fitness-Check und zur EU-Online-Konsultation:
www.NABU.de/naturschaetze ( http://www.nabu.de/naturschaetze ) 
 
Geben Sie Ihre Stimme für unsere Naturschätze:
www.NABU.de/naturschaetze ( http://www.nabu.de/naturschaetze )  
 
 
Für Rückfragen:
Marcus Orlamünder, Projektkoordinator Bibermanagement in Thüringen,
Tel.: 03641-605704, E-Mail: Marcus.Orlamü[email protected] 
 
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