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Feed: Latin@rama
Posted on: Sunday, July 12, 2015 11:53 PM
Author: Gerhard Dilger ([email protected])
Subject: Kapitalismus ist “subtile Diktatur”: Franziskus für das Buen Vivir

Heute ist die sechstägige Reise von Papst Franziskus durch Ecuador, Bolivien 
und Paraguay zu Ende gegangen. Höhepunkt war die bisher politischste  
<http://de.radiovaticana.va/news/2015/07/10/volltext_wir_sagen_nein_zu_allen_formen_der_kolonialisierun/1157230>
 Rede seiner Amtszeit, die er am Donnerstag vor 2000 Mitgliedern sozialer 
Bewegungen im bolivianischen Santa Cruz hielt.

Auszüge:

Dem Ökosystem werden Schäden zugefügt, die vielleicht irreversibel sind. Die 
Erde, die Völker und die einzelnen Menschen werden auf fast barbarische Weise 
gezüchtigt. Und hinter so viel Schmerz, so viel Tod und Zerstörung riecht man 
den Gestank dessen, was Basilius von Cäsarea den „Mist des Teufels“ nannte. Das 
hemmungslose Streben nach Geld, das regiert. Der Dienst am Gemeinwohl wird 
außer Acht gelassen. Wenn das Kapital sich in einen Götzen verwandelt und die 
Optionen der Menschen bestimmt, wenn die Geldgier das ganze sozioökonomische 
System bevormundet, zerrüttet es die Gesellschaft, verwirft es den Menschen, 
macht ihn zum Sklaven, zerstört die Brüderlichkeit unter den Menschen, bringt 
Völker gegeneinander auf und gefährdet - wie wir sehen - dieses unser 
gemeinsames Haus. Ich möchte mich nicht damit aufhalten, die üblen Auswirkungen 
dieser subtilen Diktatur zu beschreiben - ihr kennt sie.

(...)

Die erste Aufgabe ist, die Wirtschaft in den Dienst der Völker zu stellen: Die 
Menschen und die Natur dürfen nicht im Dienst des Geldes stehen. Wir sagen Nein 
zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der sozialen Ungerechtigkeit, wo das 
Geld regiert, anstatt zu dienen. Diese Wirtschaft tötet. Diese Wirtschaft 
schließt aus. Diese Wirtschaft zerstört die Mutter Erde.

Den Gegenentwurf, für den sich die sozialen Bewegungen weiterhin einsetzen 
sollten, fasste er unter den Begriff des Buen Vivir (in Bolivien: Vivir Bien, 
auf deutsch etwa: “Gutes, erfülltes Leben”).

Diese Wirtschaft ist nicht nur wünschenswert und notwendig, sondern auch 
möglich. Sie ist weder Utopie, noch Fantasie. Sie ist eine äußerst realistische 
Perspektive. Wir können sie erreichen. Die in der Welt verfügbaren Ressourcen - 
eine Frucht der generationsübergreifenden Arbeit der Völker und der Gaben der 
Schöpfung - sind mehr als ausreichend für die ganzheitliche Entwicklung eines 
jeden Menschen und des ganzen Menschen. 

Das Problem ist hingegen ein anderes. Es existiert ein System mit anderen 
Zielen. Ein System, das trotz der unverantwortlichen Beschleunigung der 
Produktionsrhythmen, trotz der Einführung von Methoden in Industrie und 
Landwirtschaft, welche um der „Produktivität“ willen die Mutter Erde schädigen, 
weiterhin Milliarden unserer Brüder und Schwestern die elementarsten 
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte verweigert. Dieses System 
verstößt gegen den Plan Jesu.

(...)

Es gibt immer noch Faktoren, die diese gerechte menschliche Entwicklung 
untergraben und die Souveränität der Länder der „Großen Heimat“ (= 
Lateinamerika; G.D.) und anderer Regionen einschränken. Der neue Kolonialismus 
nimmt verschiedene Gestalten an. Manchmal ist es die anonyme Macht des Götzen 
Geld: Körperschaften, Kreditvermittler, einige so genannte 
„Freihandelsabkommen“ und die Auferlegung von „Sparmaßnahmen“, die immer den 
Gürtel der Arbeiter und der Armen enger schnallen.

(...)

In gleicher Weise ist die monopolistische Konzentration der sozialen 
Kommunikationsmittel, die entfremdende Konsummodelle und eine gewisse 
kulturelle Uniformität durchzusetzen versucht, eine weitere Gestalt, die der 
neue Kolonialismus annimmt. Es ist der ideologische Kolonialismus.

Kein Wunder, dass solche Ausführungen des  
<http://w2.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html>
 Öko-Papstes von vielen dieser Medien weitgehend ignoriert werden - eine 
rühmliche Ausnahme bildet die  
<http://www.nytimes.com/2015/07/12/world/americas/in-fiery-speeches-francis-excoriates-global-capitalism.html?src=me&module=Ribbon&version=context&region=Header&action=click&contentCollection=Most%20Emailed&pgtype=Blogshttp://>
 New York Times. Und dass der brasilianische Intellektuelle Emir Sader nur noch 
zwei linke Regierungschefs in Europa sieht: Alexis Tsipras aus Griechenland - 
und eben Franziskus.

View article... 
<http://blogs.taz.de/latinorama/2015/07/12/kapitalismus-ist-subtile-diktatur-franziskus-fuer-das-buen-vivir/>
                                                                

 

 

 

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