-----Original Message-----
From: Hans-Josef Fell [mailto:[email protected]] 
Sent: Monday, September 14, 2015 4:25 PM
Subject: Der Flüchtlingsmarsch nach Europa - Um Fluchtursachen zu bekämpfen
braucht es eine schnelle Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien

Der Flüchtlingsmarsch nach Europa

Um Fluchtursachen zu bekämpfen braucht es eine schnelle Umstellung auf 100
Prozent Erneuerbare Energien

Europa und Deutschland werden seit Monaten von einem steil anschwellenden
Flüchtlingsstrom erfasst. Viele Menschen sind über die Heftigkeit
überrascht. Dabei ist die heutige Flüchtlingswelle nur die logische Folge
einer unzulänglichen jahrzehntelangen Politik, die die Fluchtursachen nicht
in den Mittelpunkt einer vorsorgenden Politik stellte. Im Gegenteil, das
globale Erdölwirtschaftssystem, also die gesamte fossil-atomare
Weltwirtschaft wird bis heute massiv gestützt, mit weiteren Subventionen,
Korruption, Finanz-Investitionen und einer vielfachen Agitation gegen ein
schnelles Wachstum der Erneuerbaren Energien.

Seit Jahrzehnten ist für bewusst denkende und handelnde Menschen und viele
NGOs klar, dass eine weitere Ausbeutung großer Teile der Menschheit, dass
eine Verschärfung der Klimakrise, dass die Aufrechterhaltung der
fossil-atomaren Weltwirtschaft zu Armut, Ungerechtigkeit und Krieg und damit
zu ungeahnten großen Flüchtlingsströmen führen.

Schon in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts haben viele Menschen
auf die wachsenden Nord-Süd-Konflikte hingewiesen. 1990 hat der Film „Der
Marsch“ genau ein solches Szenario beschrieben, wie wir es heute erleben
[1]. 

Dabei sind die Hauptfluchtursachen schnell ausgemacht: Kriege, Terror und
Vertreibung, auch in Verbindung mit religiöser Verblendung, sowie Armut und
Vernichtung der Lebensgrundlagen.

Beides wird vor allem durch unseren westlichen Lebensstil verursacht. Es
stört viele unserer MitbürgerInnen nicht, wenn sie Autos fahren und
Wohnungen heizen, für deren Energieversorgung auch Erdöl aus Terroristenhand
verwendet wird. Erdöl ist die Hauptfinanzquelle von IS, Al Qaida, Boko
Haram, von Syriens Präsident Assad oder den sich bekriegenden sudanesischen
Machthabern. Kolumbianische Kohle wird auch in deutschen Kohlekraftwerken
verbrannt, obwohl Kolumbien nach Syrien weltweit das Land mit den
zweitmeisten Binnenflüchtlingen ist, vor allem wegen des Kohleabbaus für den
Export.

Die Klimakrise als Zerstörung der Lebensräume durch schlimmste Wetterextreme
führt zu immer mehr Flüchtlingen, selbst in reichen Regionen. Aktuell
flüchten tausende Menschen vor den verheerenden Waldbränden und Dürren in
Kalifornien. Zu den Flüchtlingen nach Europa aus den Kriegsgebieten im nahen
Osten gesellen sich tausende Flüchtlinge aus Afrika, denen der Klimawandel
z.B. durch Wüstenausbreitung die Lebensgrundlagen längst geraubt hat. Und
wie wollen wir denn mit den Flüchtlingen umgehen, die durch den steigenden
Meeresspiegel heute schon in Bangladesch und in einigen Jahrzehnten auch in
Holland ihre Heimat verlassen müssen? Hohe Zäune, wie sie gerade Ungarn an
der Grenze zu Serbien aufbaut, aber auch Indien an der Grenze zu
Bangladesch, können nicht die Lösung sein.

Ja, die Entscheidung von Kanzlerin Merkel, aus humanitären Gründen die
Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, ist eine mutige und politisch sehr starke
Entscheidung. Ohne sie wäre die Flüchtlingskrise nicht nur für die
Flüchtlinge, sondern auch für uns schlimm eskaliert.

Aber das Regierungshandeln von Frau Merkel, Herrn Seehofer und Herrn Gabriel
ist seit vielen Jahren fundmental gegen die Bekämpfung der Fluchtursachen
gerichtet. Sie haben sich daher zusammen mit großen Teilen der
Finanzwirtschaft, Konzernen und auch Medien schuldig gemacht an der
Verschärfung der Flüchtlingskrisen. Ihre permanenten Agitationen gegen die
Erneuerbaren Energien, ihre Stützung von Großkonzerninteressen im
Agrarsektor, ihre Rohstoffbeschaffungspolitik führen nur dazu, dass auch der
deutsche Erdölkonsum weiter die IS-Terroristen finanziert und weiter das
Klima aufheizt. Gerade wegen des IS-Terrors kommen aus Syrien und
angrenzenden Ländern aktuell die meisten Flüchtlinge nach Europa. Im letzten
Jahr hatte ich in einem offenen Brief an Energieminister Gabriel
geschrieben, der Terrororganisation IS die Geldquelle Öl zu schließen,
leider ohne ernsthafte Reaktion [2].

Ohne einen schnellen Umbau des Erdölzeitalters zu einer solaren
Weltwirtschaft mit sozial gerechten Strukturen werden wir die ständig
wachsenden Flüchtlingsströme niemals bewältigen können. Ja, humanitäre
Aufnahme der Flüchtlinge ist das Gebot der Stunde. Eine schnelle Ablösung
des Erdölzeitalters aber genauso, um den Fluchtursachen begegnen zu können.
Und hier versagen Frau Merkel und Herr Gabriel genauso wie große Teile der
Mächtigen in der Welt. Wir brauchen endlich einen schnellen Umbau auf eine
weltweite Versorgung mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien, eine ökologische
Agrarwirtschaft und einen fairen Welthandel, damit Terrorfinanzierung,
Korruption und Vertreibung durch Rohstoffabbau eingedämmt sowie
Armutsbekämpfung und eine Abkühlung des Weltklimas möglich werden. Ein Umbau
der Energieversorgung zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien ist ein
wesentlicher Beitrag zur mittel- und langfristigen Bekämpfung der
Flüchtlingsströme. Das Ausbremsen der Erneuerbaren Energien durch die
Regierung Merkel/Gabriel wird dagegen nur zu weiteren Flüchtlingsströmen
führen. 

[1] http://netzfrauen.org/2015/08/16/video-fluechtlinge-der-marsch
[2] http://www.huffingtonpost.de/hansjosef-fell/_b_5608459.html 

Berlin, den 14. Oktober 2015

Ihr Hans-Josef Fell
Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG 2000

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