NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 122/15 | 16. OKTOBER 2015
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Umwelt/Klima/Verkehr
NABU: Drohender CO2-Freifahrtschein für Schiff und Flugzeug beim
Klimaabkommen 
Tschimpke: Beide Branchen müssen verpflichtende Reduktionsziele
bekommen
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Berlin/Paris – Rund eineinhalb Monate vor Beginn der Klimakonferenz in
Paris wird das Ausgangspapier der Verhandlungen immer löchriger. So
flogen bei den derzeit laufenden Vorverhandlungen gleich zwei große
Emissionsverursacher aus dem Entwurfstext: die internationale
Schifffahrt und der Flugverkehr. Beide sollen demnach keine
verpflichtenden Ziele zur Reduktion der CO2-Emissionen einhalten müssen.
Und das, obwohl beide Branchen seit Jahren extrem wachsen. Nach
Expertenschätzungen könnten ihre Emissionen bis 2050 sogar um bis zu 250
Prozent steigen. 
 
„Für das Weltklima und die anstehenden Verhandlungen sind die
Streichungen bei Schifffahrt und Flugverkehr ein herber Rückschlag.
Damit wird es immer unwahrscheinlicher, dass wir das globale
Zwei-Grad-Ziel noch erreichen können“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
Dabei seien geringere CO2-Ausstöße im Verkehrsbereich dringend
notwendig. Allein die weltweite Schifffahrt verursacht pro Jahr so hohe
Emissionen wie die gesamte Bundesrepublik Deutschland: 949 Millionen
Tonnen (2012). Und Deutschland liegt auf Platz sechs der weltweit
größten Emissionsverursacher. Auf das Konto des Flugverkehrs geht
ein zusätzlicher Ausstoß, der in etwa so hoch liegt wie der des
Vereinigten Königreichs.
 
Bis zuletzt hatte sich der scheidende Generalsekretär der
UN-Schifffahrtorganisation (IMO), Koji Sekimizu, vehement gegen ein
CO2-Reduktionsziel gesperrt – mit dem Argument, dass dieses den
weltweiten Handel behindere. Bis heute hat sich die IMO daher keine
eigenen Grenzen gesetzt. „Nun ist das Sekretariat der
Klimarahmenkonvention gefordert, die IMO endlich zu konkreten Zielen zu
verpflichten“, forderte der NABU-Präsident. 
 
Auch die Bundesregierung sei in der Verantwortung, beiden Branchen
Reduktionsziele zu verordnen. Denn bereits im Mai torpedierte die
deutsche Delegation bei der IMO Bemühungen, ein CO2-Reduktionsziel für
die Schifffahrt festzulegen und verweigerte einem Vorstoß der
Marschallinseln die dringend nötige Unterstützung. „Deutschland muss
diesen Fehler wieder gut machen und sich mit aller Kraft dafür
einsetzen, dass Schifffahrt und Luftverkehr wieder in den Vertragstext
aufgenommen werden“, so Tschimpke. 
 
Dazu haben sich am vergangenen Freitag 16 Umweltschutzorganisationen an
die zuständigen Minister gewandt. Ihre Forderung: Die Schifffahrt und
der Luftverkehr müssen wieder Teil des Klimaabkommens werden. Der
gemeinsame Brief richtet sich sowohl an den zuständigen EU-Kommissar für
Klimaschutz und Energie, Manuel Cañete, als auch die europäischen
Minister, unter ihnen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Ein
ähnlich lautender Brief ging zudem an die Verantwortlichen der UNO:
an Ban Ki-moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen, die
Generalsekretärin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der
Vereinten Nationen, Christiana Figueres, sowie an Achim Steiner, den
Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms.
 
Der Brief zum Download:
www.transportenvironment.org/publications/letter-eu-ministers-and-climate-commissioner-omission-bunkers-draft-paris-agreement
 
 
NABU-Präsident Olaf Tschimpke wird bei den Klimaverhandlungen in Paris
vor Ort sein. Kontakt über die NABU-Pressestelle: 0173-9306515.
 
 
Für Rückfragen:

Sönke Diesener, NABU-Verkehrsexperte, Tel. +49 (0)30.28 49 84-1630,
E-Mail: [email protected]
 
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