NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 128/15 | 29. OKTOBER 2015
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Umwelt/Vogelschutz
NABU: Zahl der deutschen Vogelarten auf der Globalen Roten Liste
verdoppelt sich
Effektive Schutzmaßnahmen sind dringend notwendig
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Berlin/Cambridge – Elf regelmäßig in Deutschland vorkommende Vogelarten
stehen neu auf der weltweiten Roten Liste. Damit erhöht sich ihre Zahl
auf insgesamt 22 Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Zu diesem
Ergebnis kommt die NABU-Dachorganisation BirdLife International, die
heute die jährliche Aktualisierung der Roten Liste nach den Kriterien
der Weltnaturschutzorganisation IUCN vorgestellt hat. 
 
Etwa ein Achtel der gut 10.000 weltweit vorkommenden Vogelarten ist in
der Liste enthalten und gilt damit als vom Aussterben bedroht. Neu auf
der Liste ist die in Deutschland weit verbreitete und ehemals häufige
Turteltaube. Ihr Bestand ist hierzulande in den letzten zwölf Jahren um
über 40 Prozent zurückgegangen. Ähnlich erging es ihr in vielen
anderen Ländern Europas und Westasiens. Obwohl bisher weltweit nicht als
gefährdet eingestuft, überspringt sie die Vorwarnstufe und landet direkt
in der Kategorie„gefährdet“. Hauptgründe für ihren Rückgang sind die
Intensivierung der Landwirtschaft mit dem Verlust von wildkrautreichen
Brachflächen, aber auch der legale und illegale Abschuss während ihres
Zuges in den Süden. 
 
„Die Aufnahme der Turteltaube in die Liste der global gefährdeten
Vogelarten ist ein Schock für alle Vogelschützer“, sagte Lars Lachmann,
Vogelschutzexperte des NABU. „Umso unverständlicher erscheint die
Tatsache, dass Turteltauben in vielen Ländern Europas auf dem Herbstzug
noch immer in großen Zahlen abgeschossen werden dürfen. Auf Malta gibt
es sogar eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss von jährlich 10.000
Turteltauben während des Frühjahrszugs in die Brutgebiete. Das
entspricht fast einem Viertel des deutschen Brutbestandes.“
 
Auch die Tafelente, die in Deutschland mit knapp 5.000 Paaren brütet,
aber in wesentlich größeren Zahlen überwintert, hat international so
stark abgenommen, dass sie nun weltweit als „gefährdet“ gilt. Über zehn
Prozent des europäischen Bestandes dieser Art verbringt den Winter in
Deutschland. Weitere neun deutsche Vogelarten wurden neu in die
sogenannte Vorwarnliste aufgenommen. Auch sie nehmen stark ab. Dazu
gehören die Feuchtwiesenarten Kiebitz und Wiesenpieper, der auf
Helgoland brütende Hochseevogel Tordalk und die Küstenvögel Eiderente,
Austernfischer, Knutt, Pfuhlschnepfe und Sichelstrandläufer. Die drei
letztgenannten gehören zu den im deutschen Wattenmeer rastenden
Zugvögeln. Ihre Bestände sind vor allem durch die Vernichtung von
Wattflächen in Ostasien bedroht, aber auch die deutschen Rastbestände
gehen zurück.
 
Nur für eine deutsche Vogelart gibt es gute Nachrichten: Die Samtente,
eine Art von der etwa ein Viertel der Weltpopulation in der deutschen
Ostsee überwintert, nahm zuletzt weniger stark ab, sodass sie von „stark
gefährdet“ auf „gefährdet“ zurückgestuft werden konnte. Sie ist jedoch
weiterhin weltweit bedroht, genauso wie Großtrappe, Seggenrohrsänger,
Zwerggans und Eisente, die in den höchsten Gefährdungskategorien
verbleiben. 
 
Insgesamt mussten in diesem Jahr weltweit 40 Vogelarten in eine höhere
Gefährdungsstufe eingeordnet werden, während nur 23 Arten herabgestuft
werden konnten. „Während früher vor allem Vogelarten kleiner Inseln mit
sehr kleinen Verbreitungsgebieten in der weltweiten Roten Liste geführt
wurden, kommen nun viele weit verbreitete und vergleichsweise häufige
Arten wie die Turteltaube und der Kiebitz hinzu, weil ihre Bestände auf
ganzen Kontinenten kollabieren“, so Lachmann. „Die Entwicklung
effektiver Schutzmaßnahmen ist damit eine noch viel größere
Herausforderung geworden. Sie bedarf neben der Arbeit von Naturschützern
auch grundsätzlicher Entscheidungen der Politik, zum Beispiel für eine
echte ökologische Wende in der Agrarpolitik.“
 
Weitere Informationen unter: www.NABU.de/news/2015/10/19725.html
 
Zur englischen Pressemitteilung:
www.birdlife.org/worldwide/news/2015-red-list-vultures-shorebirds-and-other-iconic-species
 
Eine Zusammenfassung aller Neueinstufungen in der diesjährigen Roten
Liste:www.NABU.de/imperia/md/content/nabude/vogelschutz/151029-irlfb-summarylistof2015changes.pdf


Einstufungen einzelner Arten können hier abgerufen
werden:www.birdlife.org/datazone/species/search


Kostenfreie Pressebilder: www.NABU.de/presse/fotos/#voegel
 


Für Rückfragen:


Lars Lachmann, NABU-Vogelschutzexperte, Mobil: 0172-9108275 , E-Mail:
[email protected] 



 
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