NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 151/15 | 12. DEZEMBER 2015
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Umwelt/Klima
NABU: Weltklimavertrag verabschiedet - 1,5 Grad-Ziel wichtiges Signal
Tschimpke: Die klaffende Lücke zwischen Anspruch und Realität lässt
sich nur durch den schnellen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas schließen 
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Paris – Der NABU hat den am heutigen Samstag in Paris verabschiedeten
Weltklimavertrag als positives Signal gewertet. Endlich gebe es wieder
eine gemeinsame Basis der gesamten Staatengemeinschaft für den
weltweiten Klimaschutz. Nach dem gescheiterten Versuch auf dem
Klimagipfel 2009 in Kopenhagen sei jetzt ein Nachfolgeabkommen zum
Kyoto-Protokoll von 1997 auf den Weg gebracht worden. In den vergangenen
vier Jahren wurde das Abkommen vorbereitet und seitdem haben sich fast
alle 196 Vertragsstaaten zu Selbstverpflichtungen bekannt. 
 
NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Der Weltklimavertrag setzt mit der
Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad ein wichtiges Signal. Dadurch
klafft aber eine noch größere Lücke zwischen Anspruch und Realität. Wer
die Fieberkurve der Erde kennt, muss jetzt auch die notwendige Medizin
nehmen.“
Bisher laufen die vorgelegten freiwilligen Klimaschutzpläne der Staaten
auf 2,7 Grad zu. Der Vertrag lässt offen, wie diese Lücke geschlossen
werden kann. „Wenn die Klimaziele, wie vorgesehen, erst 2023 überprüft
und nachgeschärft werden, ist das eindeutig zu spät, um wieder auf den
Pfad der Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad zu kommen“, so
Tschimpke. 
 
Eine entscheidende Schwächung sieht der NABU darin, dass der Begriff
der Dekarbonisierung, den selbst die G7-Staaten in Elmau schon
beschlossen hatten, in den letzen Verhandlungsstunden aus dem Vertrag
gefallen ist. Denn damit wäre eindeutig der Pfad für eine weltweite
Energiewende für 100 Prozent naturverträgliche erneuerbare Energien
eingeschlagen worden. „Die jetzt genannten Begriffe ‚Balance zwischen
Emissionen und Senken‘ müssen aber so interpretiert werden, dass sie
tatsächlich ein Startsignal für die notwendige naturverträgliche
Energiewende sind“, so Tschimpke weiter.
 
Für die EU, die selbst das 1,5 Grad-Ziel mit in die Debatte gebracht
hat, bedeutet das Abkommen, dass die Klimaziele bis 2030 noch mal
deutlich nachgeschärft werden müssen. Der NABU hat bereits bei der
Verabschiedung der EU-Ziele für 2030 die Minderung der CO2-Emissionen um
55 Prozent, die Erhöhung der Energieeffizienz um 40 Prozent und den
Ausbau grüner Energien um 45 Prozent gefordert. „Auch Deutschland muss
durch einen schnelleren Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas bei den eigenen
Klimazielen nachschärfen“, so Tschimpke. 
 
Weitere Schwachpunkte des Abkommens sind, dass die Emissionen aus
internationalem Luft- und Schiffsverkehr nicht einbezogen werden –
beides Sektoren in denen starkes Wachstum prognostiziert wird und die
bereits heute so viele Emissionen wie in ganz Deutschland erzeugen. Aus
Naturschutzsicht besonders bitter ist, dass der rechtsverbindliche
Schutz und Erhalt von Ökosystemen nicht mehr im Abkommen zu finden ist.
 
Positiv ist, dass die Themen „Verluste und Schäden“ fest im Abkommen
verankert sind. Ebenfalls positiv: Dass die 100 Milliarden US-Dollar
jährlich, die ab 2020 als konkrete Summe für die Unterstützung der
Ärmsten bei Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen zur Verfügung
gestellt werden, genannt sind, wenn auch nur im unverbindlichen Teil. 
 
Einen wichtigen Beitrag zum Erreichen eines gemeinsamen Abkommens haben
Deutschland, insbesondere die deutschen Verhandlungsführer, und die EU
durch das Schmieden neuer internationaler Bündnisse geleistet.
Insbesondere die sogenannte Koalition der Ehrgeizigen („High Ambition
Coalition“) hat dazu beigetragen, dass die gewohnten Fronten
aufgebrochen sind und neue Kompromisse gefunden wurden. Nach den Pariser
Verhandlungen werden sich nun aber die Mitglieder dieser Koalition an
ihren Ambitionen messen lassen müssen. „Wenn sich die
Staatengemeinschaft nächstes Jahr zum Klimagipfel in Marrokko trifft,
werden wir sehen, welchen Einfluss solche zwischenstaatlichen Bündnisse
tatsächlich haben“, so der NABU-Präsident.
 
Der NABU nimmt als Beobachter an der COP 21 teil und berichtet und
twittert aus Paris: @NABU_Klima. 
 
Ausführliches Hintergrundpapier sowie Berichte zu
NABU-Klimaschutzprojekten, Tipps zum Klimaschutz und
Klimakonferenz-Glossar unter www.NABU.de/COP21
 
NABU-Präsident Olaf Tschimpke steht für Fragen und Interviews zur
Verfügung. Kontakt über die NABU-Pressestelle, Tel. 030-284984-1952,
-1958 oder mobil +49-173-9306515.
 
Für Rückfragen:
Sebastian Scholz, NABU-Klimaschutzexperte, vor Ort in Paris erreichbar
unter +49 (0) 172-4179727, E-Mail: [email protected], Twitter:
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Kathrin Klinkusch, NABU-Pressesprecherin, vor Ort in Paris erreichbar
vom  unter +49-173-9306515, 
E-Mail: [email protected]
 
 
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