ZDF Frontal 21
http://www.zdf.de/frontal-21/43621964.html 

24.05.2016

Der Trick mit dem Grenzwert 

Wie schmutzige Diesel sauber werden

Dieselabgase in deutschen Städten machen krank. Zu viel Stickoxid in der
Atemluft führt jährlich zu mehr als 10.000 vorzeitigen Todesfällen, so die
Europäische Umweltagentur. Hauptursache sind Dieselautos, die beim Labortest
sauber sind, aber auf der Straße viel mehr giftige Stickoxide in die Luft
blasen, als die Grenzwerte vorsehen. Deshalb hat die EU-Kommission neue
Abgastests auf der Straße beschlossen. Statt wie bisher nur im Labor, müssen
die Autos künftig auch auf der Straße nachweisen, dass sie den Grenzwert
einhalten. Das klingt gut, hat aber einen Haken. Denn Brüssel hat auf Wunsch
der Autoindustrie einen sogenannten Konformitätsfaktor von 2,1 beschlossen,
der für alle neuen Autos ab 2019 gelten soll. Das bedeutet: Ein Auto muss
auf der Straße gar nicht den Grenzwert einhalten - sondern das 2,1-fache des
Grenzwertes. Dieselautos können also nach wie vor viel giftiges Stickoxid
ausstoßen - nur eben ganz legal. 

In Deutschland hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den
Konformitätsfaktor schon vorzeitig eingeweiht und nutzt ihn, um das
verheerende Ergebnis seines Untersuchungsberichtes zum Abgasskandal
aufzubessern [1].

Frontal21 über die Tricks des Bundesverkehrsministers und welcher
Autohersteller besonders davon profitiert [2].

Beitrag als Video [03:54 min]
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2747100 

Das Manuskript zum Beitrag
http://www.zdf.de/frontal-21/43621964.html 

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[1] "Das bedeutet: 18 Dieselautos blasen zwar Giftstoffe bis zum Dreifachen
des Grenzwertes in die Luft, gelten aber jetzt als 'unauffällig'." (Zitat
aus dem Video)

[2] "Dobrindt ist juristisch im Irrtum, das sagt der Leiter der
Forschungsstelle Nachhaltigkeit in Leipzig. Der juristische Irrtum hat vor
allem einen Profiteur: Es ist der Autobauer, der wie Dobrindt selbst aus
Bayern kommt: BMW. Denn eigentlich sind alle geprüften BMW-Modelle in
Dobrindts Untersuchungsbericht schmutzig. Etwa der BMW 320 Diesel - das
2,7-Fache des Grenzwerts. Dank Dobrindts Konformitätsfaktoren ist er
'unauffällig'. Oder der BMW 530 Diesel - das 2,9-Fache des Grenzwerts.
Ebenfalls 'unauffällig'. So kommt es, dass BMW keine Nachbesserung der
Abgasreinigung vornehmen muss - als einziger deutscher Autobauer, Dobrindt
sei Dank. Übrigens, bei den Tests lagen nur drei Autos unter Grenzwert: ein
VW Passat, ein VW Touran und ein Audi A3. Ausgerechnet Volkswagen zeigt: Es
geht auch sauber." (Zitat aus dem Video)




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