NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 67/16 | 8.JUNI 2016
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Umwelt/Flüsse
NABU: Mit mehr Auen- und Grünlandschutz Folgen von Unwettern mildern
Miller: Umdenken in der Landwirtschaft und Neuausrichtung der
Gewässerpolitik nötig 
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Berlin – Angesichts der Folgen starker Unwetter in vielen Regionen
Deutschlands drängt der NABU auf einen Kurswechsel in der Agrar- und
Gewässerpolitik und mahnt einen grundlegenden Bewusstseinswandel an.
 
„Extreme Wetterereignisse wie derartige Starkregen werden in den
nächsten Jahren und Jahrzehnten vielerorts zunehmen, das zeigen die
Klimaprognosen. Es kommt nun darauf an, welche Schlüsse wir daraus
ziehen. Verhindern lassen sich diese Ereignisse nie völlig, wir können
aber alles daran setzen, die Auswirkungen zu mildern“, so
NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.
Menschliches Handeln habe an vielen Stellen dafür gesorgt, dass
Niederschläge weniger in der Fläche zurück gehalten werden und schneller
in die Bachläufe gelangen. Dies geschieht beispielsweise durch die
Intensivierung der Landwirtschaft, die technische Entwässerung und die
Versiegelung des Bodens für Siedlungs- und Verkehrszwecke.
 
„In den vergangenen 200 Jahren wurden Flüsse begradigt, Auen bebaut und
viele Flächen mit Beton und Asphalt versiegelt. In der Landwirtschaft
bewirkt der Rückgang von Wiesen und Weiden einen Verlust von
Rückhalteflächen.  Anstatt langsam zu versickern, läuft das
Regenwasser schnell in die Bäche und Flüsse ab und lässt diese rasant
anschwellen“, so Miller weiter.  Gerade der in den vergangenen Jahren
verstärkte Maisanbau könnte hier besonders lokal ein Problem darstellen,
hier läuft das Wasser viel schneller ab als auf Wiesen und Weiden oder
mit Getreide bestandenen Ackerflächen.  „Auf mehr als 20 Prozent der
Äcker steht mittlerweile Mais, in manchen Regionen ist der Anteil
noch viel höher. Wenn dann noch Hanglagen hinzukommen, kann dies bei
starken Niederschlägen zum Problem werden“, so  Miller. 
 
Ähnlich gestalte es sich in Einzugsgebieten mit einem hohen Anteil
versiegelter Flächen. „Hier rächt es sich, dass in der Vergangenheit
vielfach keine Rücksicht auf die lokalen Gegebenheiten genommen und in
die natürlichen Überflutungsflächen hinein gebaut wurde. Wenn dann noch
der Lauf begradigt und die Gewässerbetten künstlich eingeengt wurden,
kann das katastrophale Ausmaße annehmen, wie viele Menschen gerade
wieder leidvoll erfahren mussten“, so Miller. 
 
Hier brauche es ein Umdenken nicht zuletzt auch auf kommunaler Ebene. 
Der Vorsorgegedanke müsse gegenüber kurzfristigen Interessen viel
stärker in der kommunalen Bauplanung berücksichtigt werden, die
dezentrale Versickerung von Regenwasser könne da nur ein erster, aber
gleichwohl relativ leicht umzusetzender Anfang sein. „Die
Informationsgrundlagen sind dank der EU-Hochwassermanagementrichtlinie
da, die Hochwassergefahrenkarten im Internet ganz einfach abrufbar. Jede
Gemeinde sollte prüfen, wie verletzlich sie durch Starkregenereignisse
oder andere Wetterextreme wie Stürme oder Hitzeperioden ist und daraus
die richtigen Schlüsse für eine langfristige Anpassungsplanung ziehen“,
so Miller. 

Der NABU fordert eine umweltverträglichere Gewässerpolitik und setzt
sich für ein Bundesprogramm „Blaues Band“ ein. Ziel ist es, den
ökologischen Zustand unserer Gewässer zu verbessern. Bislang weist
nur jeder zehnte Fluss oder Bach in Deutschland einen „guten Zustand“
auf, wie ihn die EU fordert und wie er bis zu diesem Jahr eigentlich für
alle Fließgewässer erreicht sein sollte. Die NABU-Forderung nach einem
Bundesprogramm zur ökologischen Entwicklung von Bundeswasserstraßen hat
die Bundesregierung in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen. Aktuell
erarbeitet eine Gruppe aus Vertretern des Verkehrs- und
Umweltministeriums, wie das Programm konkret aussehen soll. Dem Bund
kommt dabei, nach Ansicht des NABU, besondere Verantwortung zu: Er ist
Eigentümer aller als Bundeswasserstraßen eingestuften Flüsse in
Deutschland. Um sie zu verbessern, könnte die laufende Reform der
Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hilfreich sein. Neue
Einstufungen der Flüsse anhand ihrer tatsächlichen Bedeutung für den
Gütertransport und damit künftig besser am Bedarf ausgerichtete
Maßnahmen können den Druck auf die Flüsse deutlich reduzieren.
 
Hintergrund zu den aktuellen Ereignissen und NABU-Forderungen: 
 
Besonders betroffen waren Mittelgebirgsregionen. Bei solchen starken
Unwettern wird in der Regel immer der gesamte Talboden geflutet. Wegen
der Besiedelung der Flächen ist in diesen Regionen der Platz beengt und
der Fluss hat wenig Raum. Früher gab es  dort mehr Moore, die Wasser
aufgenommen und es über Wochen wieder abgegeben haben. Heute sind die
Berglagen in aller Regel erschlossen und werden vielfach intensiv
forstlich bzw. landwirtschaftlich genutzt. Nicht selten transportieren
Drainagen und Gräben das Wasser auch noch beschleunigt in das Tal.  
 
Insgesamt ist die Fähigkeit unserer Landschaft, Niederschlag
zurückzuhalten, durch Nutzungen in den vergangenen Jahrhunderten
stark reduziert worden. Für das dadurch schneller abfließende
Niederschlagswasser fehlt in den besiedelten Auen der
Abflussquerschnitt, also die Menge Wasser, die gespeichert werden kann,
wenn man den Querschnitt senkrecht zur Fließrichtung bildet.  Mit
künstlichem Retentionsersatz (Rückhaltebecken) wird aus NABU-Sicht daher
nur wenig erreicht, da diese an jedem Taleingang errichtet werden
müssten. Darüber hinaus  fehlen für solche Becken der Platz und das
Aufnahmevolumen.
 
Was ist zu  tun?
Der NABU spricht sich für eine wesentliche Verbesserung natürlicher
Rückhalteflächen in  Bergregionen durch eine strikt nachhaltige
Landnutzung aus.  Dazu zählt vor allen Dingen die Erhöhung der
natürlichen Speicherfunktion durch Moore, Humus-Bildung, naturnahe
Wälder sowie die Beseitigung von Drainagen und Entwässerung 
außerhalb von Siedlungen. Neben dem meist bestehenden technischen
Hochwasserschutz ist vor allem die Schaffung von Abflussmöglichkeiten
durch eine umfassende Auenentwicklung notwendig,  ein Bauverbot in
Gefahrengebieten und die Anpassung der  kommunalen Raumplanung an
mögliche Gefahrensituationen durch Unwetter. 
 
Mehr Infos: www.NABU.de/fluesse
 
NABU-Leitbild „Lebendige Flüsse für Deutschland“:
www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/lebendigefluesse/150128-nabu-leitbild-fluesse.pdf
 
NABU-Rechtsgutachten zur Umsetzung von Umweltzielen an
Bundeswasserstraßen:
www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/lebendigefluesse/151130-nabu-gutachten-fassbender-wrrl.pdf
 
Für Rückfragen:
Till Hopf, NABU-Leiter Naturschutz und Landnutzung, Tel. +49
(0)30.284-984-1618,  E-Mail: [email protected]
 
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