NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 72/16 | 17. JUNI 2016
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Umwelt/Ressourcen/Verbraucher
NABU: Wertstoffgesetz verkommt zum Verpackungsgesetz
Miller: Bundesregierung nimmt selbst gesteckte Umweltziele nicht ernst

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Berlin – Die Mülltrennung in Deutschland bleibt kompliziert, wenn es
nach den Plänen des Bundesumweltministeriums geht. Dem NABU liegt der
neue, noch nicht öffentliche Referentenentwurf zum Wertstoffgesetz vor.
Demnach wird es auch künftig keine bundesweite Wertstofftonne geben, in
der alle wertstoffhaltigen Abfälle gesammelt werden. Stattdessen würde
das alte und undurchsichtige System beibehalten: In der Gelben Tonne
landet weiterhin nur Verpackungsmüll und die so genannten „stoffgleichen
Nichtverpackungen“, wie Putzeimer oder Zahnbürsten, im Restmüll, der in
der Regel verbrannt wird.
 
„Bleibt die Bundesregierung bei ihren Plänen, müsste sie ehrlicherweise
von einem Verpackungsgesetz statt von einem Wertstoffgesetz sprechen.
Denn viel mehr bleibt beim genauen Hinschauen nicht übrig. Die
Bundesregierung nimmt ganz offensichtlich ihr im Koalitionsvertrag
selbst gestecktes Umweltziel nicht ernst. Hier hat sie explizit die
haushaltsnahe gemeinsame Sammlung von Verpackungen und
Nicht-Verpackungen vorgesehen“, kritisierte NABU-Bundesgeschäftsführer
Leif Miller.
 
Der neue Entwurf ist das unbefriedigende Ergebnis eines monatelangen
Streits zwischen Privatwirtschaft und Kommunen darüber, wer die
wertstoffhaltigen Haushaltsabfälle in Zukunft sammeln darf. „Dieses
Tauziehen und Geschacher muss endlich ein Ende haben, im Sinne von
Verbrauchern und Umwelt. Auch die Bundesländer müssen endlich aufhören,
Organisations- und Finanzierungsfragen vor den Umweltschutz zu stellen.
Denn die Lösung liegt auf der Hand: Eine bundesweite Wertstofftonne muss
kommen. Bund und Länder müssen in den kommenden Tagen an einer
zukunftsweisenden Lösung arbeiten: mit gemeinsamer Wertstofferfassung,
klaren Vorgaben zur Abfallvermeidung und recyclingfreundlichen
Verpackungen sowie hohen Recyclingquoten“, forderte Miller. 
 
Weil der aktuelle Entwurf vorsieht, dass Nichtverpackungen aus Metall
oder Kunststoff weiter im Restmüll landen und damit verbrannt werden,
gehen in Deutschland 570.000 Tonnen Wertstoffe verloren. „Obwohl
hierzulande die Mengen an Verpackungsmüll steigen, spielt das Thema
Abfallvermeidung im Gesetzentwurf keine Rolle. Dabei bräuchten wir ganz
dringend den nächsten Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft. Dazu
müssen Nichtverpackungen aus Kunststoff und Metall Teil des Gesetzes
sein und es muss Mindestsammelmengen und Mehrwegquoten geben“, so Sascha
Roth, NABU-Abfallexperte.
 
 
Die Bewertung des neuen Entwurfs für das Wertstoffgesetz aus NABU-Sicht
in Kürze:
 570.000 Tonnen Wertstoffe kommen nicht ins Recycling, weil
„stoffgleiche Nichtverpackungen“ aus dem Gesetz gestrichen sind
das Thema Abfallvermeidung spielt im Gesetzentwurf keine Rolle, obwohl
in Deutschland die Menge an Verpackungsmüll steigt
weil ursprünglich geplante Mindestsammelmengen für Verpackungsabfälle
gestrichen werden, gibt es keine Anreize für bessere Sammelstrukturen
bei der Gelben Tonne oder den eher ineffizienten Wertstoffhöfen
die Bundesregierung will das ökologische Design von Verpackungen, ihre
Recyclingfreundlichkeit und den Einsatz von Rezyklaten weder fördern
noch ordnungsrechtlich fordern
die Recyclingquote für Kunststoffe wurde von 72% auf 63% reduziert (im
Vergleich zum vorherigen Gesetzentwurf). Damit verringern sich auch die
Anreize für mehr Investitionen in Sortier- und Recyclinganlagen. Denn
der derzeitige Stand der Technik erlaubt eine höhere Quote.
im Vergleich zur geltenden Verpackungsverordnung findet sich im
Gesetzentwurf keine Mehrwegquote für Getränkeverpackungen, womit der
Einweg-Plastikflut in den Supermärkten weiter Tür und Tor geöffnet
wird.

 
Mehr Informationen zum Wertstoffgesetz und Recycling: 
www.NABU.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling (
http://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling )
 
Kostenfreie Pressebilder: 
www.NABU.de/presse/fotos/#konsum (
http://www.nabu.de/presse/fotos/#konsum )  
 
 
 
Für Rückfragen:
Sascha Roth, NABU-Referent für Umweltpolitik, Tel. +49 (0)30.28 49
84-1660,  E-Mail: [email protected]
 
 
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