NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 73/16 | 21. JUNI 2016
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Umwelt/EU
NABU: EU-Kommission muss sich endlich zu Naturschutzrichtlinien
bekennen
Tschimpke: Entscheidung von Juncker ist überfällig - Bundesregierung
sendet richtiges Signal Richtung Brüssel
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Luxemburg/Berlin/Brüssel – Der NABU begrüßt, dass sich die
Bundesregierung erneut deutlich für den Erhalt der
EU-Naturschutzrichtlinien ausgesprochen hat und auf EU-Ebene dabei
vorangeht. In Vertretung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks
brachte die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter
am Montag bei einem Treffen der EU-Umweltminister in Luxemburg, die
Enttäuschung der Bundesregierung darüber zum Ausdruck, dass die
EU-Kommission ihre überfällige Entscheidung zur Zukunft der
EU-Naturschutzrichtlinien noch nicht getroffen und die Ergebnisse des
„Fitness-Checks“ immer noch nicht veröffentlicht hat.
Schwarzelühr-Sutter betonte, dass es für die Bundesregierung wichtig
sei, dass das Paket nicht aufgemacht werde, die Naturschutzrichtlinien
sich bewährt hätten und der Schwerpunkt auf der besseren Umsetzung
liegen solle. Die Kommission hat im Rahmen eines „Fitness Checks“ die 
EU-Naturschutzrichtlinien überprüft. Die Ergebnisse sollten Anfang Juni
veröffentlicht werden. 
 
Sowohl in der offiziellen Debatte im EU-Umweltrat, als auch vor dem
Ratsgebäude wurde der Ärger der Minister über das Vorgehen Jean-Claude
Junckers deutlich. Mehrere ließen sich gemeinsam mit Vertretern des NABU
und seiner europäischen Partnerverbände vor einem Plakat fotografieren,
das vom Kommissionspräsidenten die sofortige Sicherung der
EU-Naturschutzrichtlinien verlangt, darunter neben Schwarzelühr-Sutter
auch die französische Umweltministerin, Ségolène Royale, ihre
Luxemburger Kollegin Carole Dieschbourg sowie die Umweltminister
Estlands und Griechenlands. Die Erwiderung von EU-Umweltkommissar
Karmenu Vella in Luxemburg war enttäuschend. Vella betonte, dass die
Kommission mehr Zeit für den Abschluss des „Fitness-Checks“ der
Naturschutzrichtlinien benötige und verwies auf eine mögliche
Entscheidung im Herbst. 
 
„Die EU-Kommission riskiert mit dieser Hinhalte-Taktik die
Glaubwürdigkeit der EU. Seit Januar liegt das Expertenvotum zu den
Richtlinien vor. Präsident Juncker sollte endlich akzeptieren, dass die
von seiner Behörde selbst durchgeführte Überprüfung zu einem eindeutigen
Ergebnis gekommen ist: nämlich, dass die EU-Naturschutzgesetze wirken",
sagte NABU-Präsident Tschimpke. Die Ergebnisse waren vergangene Woche
durch einen Leak bekannt geworden, und sowohl die EU-Umweltminister als
auch das Europäische Parlament haben sich bereits für die Beibehaltung
der Richtlinien ausgesprochen. Vor diesem Hintergrund 
appelliert der NABU an die Bundesregierung, nun auf höchster Ebene auf
die Spitze der EU-Kommission einzuwirken, bevor diese die
Glaubwürdigkeit der EU bei Millionen von Umweltschützern in Europa
ruiniere. 
 
„Die unsägliche Debatte um den Rechtsrahmen lähmt den Naturschutz. Der
Verlust der Artenvielfalt geht weiter, und statt uns um den Einsatz
unserer verfügbaren Naturschutzinstrumente kümmern zu können, müssen wir
uns mit einem unbekannten, wohl von Lobbyisten gesteuerten,
einflussreichen Naturschutzgegner in der Kommission auseinander setzen“,
sagte NABU-Leiter für EU-Naturschutzpolitik Konstantin Kreiser, der für
den NABU in Luxemburg vor Ort war. In jüngsten Äußerungen von
Umweltkommissar Vella und Vizepräsident Timmermans klinge an, dass sie
nicht selbst für die Verzögerung der Entscheidung verantwortlich seien,
was auf das direkte Umfeld von Präsident Juncker hinweise. 
 
Erst vergangene Woche hatte sich auch der britische Premierminister
David Cameron für den Erhalt der Naturschutzrichtlinien ausgesprochen,
da er auf die vielen Millionen Stimmen der Natur- und Vogelschützer beim
Referendum am 23. Juni hofft. 
 
Zum Hintergrund:
Die EU überprüft derzeit ihre beiden wichtigsten
Naturschutzrichtlinien, die Vogelschutz- und die
Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie. Dieser Prozess ist Teil des so
genannten REFIT-Programms zur „Entbürokratisierung“ der EU. Seit 2014
läuft dieser aufwändige Überprüfungsprozess für die beiden
Naturschutzrichtlinien. Während dieser Überprüfung sprachen sich in der
bislang größten EU-Bürgerbefragung mehr als eine halbe Million Bürger
für die Beibehaltung der Naturschutzgesetze aus. Ebenso gab es
Stellungnahmen vom EU-Parlament, den nationalen Umweltministern sowie
dem Ausschuss der Regionen. Auch sie plädierten eindeutig für die
Beibehaltung, aber bessere Umsetzung der Richtlinien. Noch heute ist auf
der Internetseite der EU-Kommission zu lesen, dass eine Veröffentlichung
der Ergebnisse für „Frühling“ beziehungsweise das „zweite Quartal 2016″
vorgesehen ist.
 
Mehr zum EU-Fitness-Check und zur Aktion in Luxemburg: 
blogs.nabu.de/naturschaetze-retten/protest/
Kostenfreie Pressebilder: www.NABU.de/presse/fotos/#naturschaetze (
http://www.nabu.de/presse/fotos/#naturschaetze ) 
 
Für Rückfragen:
Konstantin Kreiser, NABU-Leiter für EU-Naturschutzpolitik, Tel. +49
(0)30.284984-1614, Mobil +49 (0) 172.4179730, E-Mail:
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