Pressetext Austria (pte)
http://www.pressetext.com/news/20160722015

Klimawandel beeinträchtigt Afrikas Kaffeeplantagen

Ugandas Kaffeebauern kritisieren Meteorologen wegen Fehlprognosen 

Von Wilfried Seywald

Mbarara (pte/22.07.2016/10:30) Kürzlich hat der Vize-Chef der Uganda Coffee 
Development Authority (UCDA), Deus Mutabataina, die Meteorologen des 
ostafrikanischen Landes scharf kritisiert, sie würden ständig falsche 
Wetterprognosen liefern und damit die ganze Kaffee-Ernte in Gefahr bringen. Sie 
sollten lieber bessere Vorhersagen treffen, um den Kaffeebauern die Arbeit zu 
erleichtern, forderte Mutabataina, und nicht Regen zum falschen Zeitpunkt oder 
in falscher Intensität ankündigen. Oft regne es zu früh, dann wieder so stark, 
dass die Kaffeesetzlinge verloren gingen, wetterte Mutabataina auf einer Messe 
im westugandischen Mbarara.

Seit dem erstmaligen Rückgang der Produktionszahlen 2016 liegen die Nerven der 
Kaffeefunktionäre in Südwestuganda blank. Denn die Plantagen sind schon wieder 
mit Schädlingen, Pilzbefall und anderen Krankheiten konfrontiert. Zwar bietet 
die UCDA den Bauern mittlerweile kostenfrei resistentere Sorten von Setzlingen 
und Schulungen an, während die Regierung alte Farmen rehabilitiert und 
Pestizide erlaubt. Der Streit ums Wetter ist letztlich aber eine Folge des 
Klimawandels, der nicht nur die Gletscher, Wasserversorgung, Tier- und 
Pflanzenwelt, sondern inzwischen auch die Agrarproduktion beeinträchtigt.

Uganda Top-Kaffeeproduzent Afrikas 

Noch ist alles eitel Wonne. Uganda ist Afrikas größter Kaffee-Exporteur und die 
Nummer sieben weltweit (2,5 Prozent der Weltproduktion). Mit einer 
Jahresproduktion von rund 4,5 Millionen Sack oder 270.000 Tonnen liegt das Land 
noch vor Äthiopien, aber doch hinter großen Kaffeeländern wie Brasilien, 
Vietnam, Kolumbien oder Indonesien. Obwohl Uganda als frühere britische Kolonie 
ein traditionelles Tee-Anbaugebiet ist, liefert der Kaffee bis zu 25 Prozent 
der Exporterlöse. 500.000 Kleinbauern und vier Millionen Menschen leben direkt 
vom Kaffee-Anbau - geröstet und verarbeitet bringt er den Menschen bis zu 6.000 
Uganda-Shillings (zwei Dollar pro Kilogramm), während die Teepreise bei maximal 
30 bis 60 Cent dümpeln.

Auch wenn der Kaffee-Anbau nahezu im ganzen Land möglich ist, konzentriert sich 
die Produktion der hochwertigeren Arabica-Sorten auf die Hügellandschaften im 
Nordosten entlang der kenianischen Grenze, rund um Bugisu und den Mount Elgon, 
und im Westen auf die Umgebung des Ruwenzori-Gebirges und die Region Bwindi. 
Die resistenteren Robusta-Sorten werden flächendeckend angebaut und machen 80 
Prozent der Kaffeeproduktion aus. Uganda ist damit auch eines der wichtigsten 
Anbauländer für Robusta-Kaffee. Ein Problem stellen allerdings nach wie vor die 
fehlenden Transportwege zu den Häfen Mombasa in Kenia oder Daressalam in 
Tansania dar.

Förderprogramme zur Produktionssteigerung 

Der wachsenden globalen Nachfrage nach Kaffee begegnet Uganda mit laufenden 
Förderprogrammen, um die Produktion und die Erlöse zu steigern. Weitere 
Anbauflächen sollen erschlossen, bis zu 200 Millionen neue Sträucher gepflanzt 
werden. Der Kaffee-Offensive stehen aber zahlreiche Hemmnisse im Wege, so sind 
etwa die Folgen eines Pilzbefalls vor fast 20 Jahren noch immer nicht ganz 
überwunden. Knapp die Hälfte der Robusta-Sträucher waren damals von der 
Welke-Krankheit befallen. Die alten und kranken Pflanzen werden zwar nach und 
nach durch ertragreichere ersetzt. Aber auch die Anbaumethoden sind nicht mehr 
auf dem neuesten Stand, hinzu kommen die Auswirkungen des Klimawandels.

Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster, Wetterkapriolen, 
längere Trockenzeiten und kürzere, umso intensivere Regenzeiten mit 
Überschwemmungen sind ebenso schädlich für den Kaffee-Anbau wie Parasiten und 
Krankheiten, die dadurch noch zunehmen. Wenn Blütenbildung und Erneerträge 
abnehmen, die Qualität und Größe der Bohnen leidet, sinken Preise und Erlöse. 
Hinzu kommt, dass immer weniger junge Menschen auf dem Feld arbeiten wollen. 
Sie gehen lieber in die Städte, wo sie zum Beispiel mit Motorradtaxis rascher 
Geld verdienen können. Für den Kaffee-Anbau braucht es Geduld, da erst drei 
Jahre nach dem Anpflanzen eines Strauches geerntet werden kann.

Temperaturanstieg fördert Krankheiten 

Dass die steigenden Temperaturen einen idealen Nährboden für Kaffeeparasiten 
und Krankheiten darstellen, hat sich auch schon bei Malaria gezeigt, die 
bereits das Hochland erreicht hat. Sollten die Temperaturen wie befürchtet um 
mehr als zwei Grad Celsius steigen, könnte die Produktion von Robusta-Kaffee 
nur noch in den kühleren Hochlandgebieten möglich sein. Der Kaffeerost etwa, 
der lange Zeit nur die Kaffeepflanzen befiel, die unterhalb 1.400 Meter 
angepflanzt worden waren, ist inzwischen auch in 1.800 Meter Seehöhe 
anzutreffen. Auch die Kaffeebohnenkrankheit, die dem Arabica-Kaffee zusetzt, 
ist inzwischen oberhalb 1.800 Meter anzutreffen. Zuvor hatte sie sich auf Höhen 
unterhalb 1.600 Meter beschränkt.

Ugandas Meteorologen haben sich die Kopfwäsche der Kaffeebauern wohl gefallen 
lassen. Dass die Wetterfrösche von der staatlichen Meteorologie-Abteilung aber 
künftig bessere Prognosen liefern werden, glaubt inzwischen niemand mehr. Vor 
allem im Hügel- und Bergland ist die Wetterentwicklung zunehmend schwerer 
prognostizierbar, Regen und Trockenzeit nicht mehr so einfach vorhersehbar. Die 
Kaffeebauern müssen sich auf die neuen Umweltbedingungen einstellen, mit 
robusteren Kaffeesorten und noch mehr Arbeitseinsatz auf ihren Plantagen.




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