NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 27/17 | 7. MÄRZ 2017
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Umwelt/Vögel
NABU: 1,5 Millionen Vögel sterben pro Jahr an Stromleitungen
Miller: Netzbetreiber müssen Leitungen sichern 
 
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Berlin – Mindestens 1,5 Millionen Vögel kollidieren pro Jahr an
Hochspannungsleitungen. Das ermittelte ein vom NABU beauftragtes
Gutachten („Vogel-Kollisionsopfer an Hoch- und
Höchstspannungsfreileitungen in Deutschland – eine Abschätzung“). Die
Gutachter berechneten das Risiko von Vögeln gegen freistehende
Hochspannungsleitung zu fliegen auf Grundlage vorliegender Daten aus
Europa und auf Basis von  61.000 Kilometer Freileitungen. Insgesamt sei
davon auszugehen, „dass es in Deutschland jährlich zu Kollisionsopfern
an Vögeln in der Größenordnung zwischen 1,5  bis 2,8 Millionen
Individuen kommt“, so das Ergebnis. Der NABU fordert eine nachträgliche
Sicherung der Leitungen sowie eine sorgfältige Planung künftiger
Trassen. 
 
„Die Verluste könnten um bis zu 90 Prozent vermieden werden: Mit den
richtigen Vogelschutzmarkierungen an den besonders schlecht zu sehenden
Erdseilen über den Leitungen könnten vor allem die bereits bestehenden
Trassen nachgerüstet werden“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif
Miller. „Da es dazu allerdings, trotz internationaler Abkommen, keine
gesetzliche Verpflichtung gibt, haben die Netzbetreiber bisher nur
wenige Freileitungen vogelsicher gemacht.“
 
Verbesserte rechtliche Vorgaben wären für die vollständige Nachrüstung
nötig. Dabei hätten Vogelschutz- und Rastgebiete mit
kollisionsgefährdeten Arten oberste Priorität. Der NABU schätzt, dass
dies zehn bis 15 Prozent der bestehenden Leitungen betreffen würde. „Aus
Vogelschutzgründen wären Erdkabel die beste Variante. Der Gesetzgeber
sollte sie bei keinem Netzausbauvorhaben pauschal ausschließen“, so
Miller.
 
Zur Nachrüstung  fordert der NABU, schwarz-weiße Plastikstäbe an die
Freileitungen zu hängen. „Vor allem Großvögel wie Trappen, Kraniche und
Störche sowie Schwäne und fast alle anderen Wasservögel sind von
tödlichen Kollisionen an Freileitungen betroffen. Sie haben eher
einen guten Rundumblick, können aber schlecht nach vorn fokussieren. Für
ein unerwartetes Hindernis sind sie nicht manövrierfähig genug“, sagt
NABU-Vogelschutzexperte Eric Neuling. Auch die schnell fliegenden
Watvögel seien gefährdet. Bewegliche und kontrastreiche Markierungen
sorgen dafür, dass die Tiere das Hindernis frühzeitiger ausmachen.
 
Das Kollisions-Risiko erhöht sich auch für nachtaktive oder nachts
ziehende Vögel. Einen großen Einfluss kann auch das Wetter haben. „Bei
dichtem Nebel kam es im Dezember 2015 zum Beispiel zu einer
Massenkollision von etwa 100 Kranichen im Westen Brandenburgs obwohl die
Leitung markiert war“, so Neuling. Die wirkungslosen Markierungen wurden
schnell durch bessere Modelle ausgetauscht.
 
„Im Hoch- und Höchstspannungsnetz sind Kollisionen für Vögel die fast
ausschließliche Todesursache an oberirdischen Stromleitungen, während im
Mittelspannungsbereich der Stromschlag auf ungesicherten Strommasten die
größte Gefahr darstellt“, so Neuling. Im Zuge des für die Energiewende
erforderlichen Übertragungsnetzausbaus muss der Vogelschutz bei jeder
einzelnen Vorhabenplanung eine viel höhere Aufmerksamkeit erfahren. Beim
Neubau von Trassen können Vögel vor allem geschützt werden, wenn
zumindest Gewässer und Rastgebiete, in denen kollisionsgefährdete Arten
vorkommen, großräumig gemieden werden. Vogelschutzgebiete sollten
sowieso tabu sein.
 
Hintergrund zur Studie:
Mit dem Gutachten wurde das Büro TNL Umweltplanung in Hungen/Hessen
beauftragt. Die Kollisionszahl wurde aus der Verschneidung mehrerer
Quellen ermittelt: Studien zu Leitungsanflügen vor allem aus dem
europäischen Raum, das artspezifische Kollisionsrisiko, umfangreiche
aktuelle Rast- und Brutvogeldaten sowie Verteilung und Umfang des
deutschen Übertragungsnetzes. 
 
Die Studie zum Download unter: www.NABU.de/stromleitung (
http://www.nabu.de/stromleitung ) 
 
 
Für Rückfragen: 
Eric Neuling, NABU-Vogelschutzexperte, Tel. +49 (0)30.28 49 84-1812,
E-Mail: Eric. [email protected] 
 
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