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Feed: Heinrich-Böll-Stiftung/Klima der Gerechtigkeit
Posted on: Wednesday, April 26, 2017 10:08 AM
Author: Lili Fuhr ([email protected])
Subject: Klimaschutz im Landsektor - Vorsicht ist angebracht!

 

Land- und Waldsektor spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung des 
Pariser Klimaabkommens und sind daher bei den UN-Klimaverhandlungen auch 
Gegenstand verschiedener Arbeitsgruppen und Diskussionen. Lösungen und 
Instrumente, die hier diskutiert werden, könnten dazu beitragen, eine 
Agrarwende einzuleiten, Landrechte zu schützen und die Entwaldung zu stoppen. 
Sie könnten aber auch die industrielle Land- und Forstwirtschaft intensivieren, 
die Vertreibung indigener und lokaler Gemeinschaften verstärken und neue 
Hintertüren öffnen, um Emissionen aus dem fossilen Sektor durch dubiose 
Kompensationsmaßnahmen auszugleichen. Es steht also viel auf dem Spiel und die 
entscheidenden politischen Fragen sind oft hinter komplizierten und technisch 
anmutenden Agendapunkten versteckt.

 

Die Arbeitsgruppe CLARA (Climate Land Ambition Rights Alliance) ist ein 
informeller Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen Organisationen und 
Expert/innen aus aller Welt, die sich genau mit diesen Fragen befasst und 
versucht, gemeinsam gezielten Einfluss auf die Verhandlungsergebnisse zu 
nehmen. Nun hat sich die CLARA-Gruppe erstmals mit einem eigenen Papier auch 
öffentlich präsentiert und positioniert: CLARA - Action in the land sector 
<http://klima-der-gerechtigkeit.de/2017/04/26/klimaschutz-im-landsektor-vorsicht-ist-angebracht/clara_action-in-the-land-sector_final/>
 .

 

Das Papier wird von folgenden Organisationen mitgetragen: Greenpeace, Brot für 
die Welt, Oxfam, Heinrich-Böll-Stiftung, ActionAid International, Action Contre 
la Faim, Asian Peoples’ Movement on Debt and Development, Asociación Ambiente y 
Sociedad Colombia, Biofuelwatch, Carbon Market Watch, CCFD-Terre Solidaire, 
Center for International Environmental Law, Climate Justice Programme, Derecho 
Ambiente y Recursos Naturales, Fern, Forests of the World, Friends of the 
Siberian Forests, Global Forest Coalition, Groupe de Travail Climat Redd 
Rénové, Institute for Agriculture and Trade Policy, Komunitas Sonservasi 
Indonesia WARSI, Philippine Movement for Climate Justice, Pivot Point, Pro 
Natura - Friends of the Earth Switzerland, Rainforest Foundation Norway, SONIA, 
Yayasan Madani Kerkelanjutan - Indonesia, International Federation of Organic 
Agriculture Movements, Development and Peace - Caritas Canada, Secours 
Catholique - Caritas France.

 

Ganz allgemein ist wichtig: Ohne einen klaren Fokus auf radikale 
Emissionsreduktionen vor 2020 bleibt das in Paris gesetzte 1.5°C 
<http://klima-der-gerechtigkeit.de/2016/10/31/kurswechsel-15-grad-wege-in-eine-klimagerechte-zukunft/>
 -Limit ein leeres Versprechen. Böden und Wälder können erhebliche Mengen CO₂ 
absorbieren. Aber die Frage der geeigneten Methoden ist hoch umstritten. Das 
Pariser Klimaabkommen enthält wichtige Passagen zu Menschenrechten, Rechten 
indigener Gemeinschaften und der Integrität von Ökosystemen. Eine Umsetzung 
kann also nur bedeuten, dass wir Maßnahmen ergreifen, die sowohl Klimazielen 
dienen als auch Menschrechte und Ökosysteme schützen. Jegliche Maßnahmen im 
Wald- und Landsektor dürfen dabei unter keinen Umständen dazu genutzt werden, 
Nichthandeln in anderen Sektoren zu entschuldigen. Das CO₂-Budget, das wir uns 
in Paris gesetzt haben, lässt keinen Raum für Offsets 
<https://de.wikipedia.org/wiki/Kompensationsgesch%C3%A4ft#Kompensationsgesch.C3.A4fte_zum_Klimaschutz>
 !

 

In den Verhandlungen bedeutet das konkret: Erhöhung der 
Emissionsreduktionsziele für 2020, ohne dass wir uns darauf verlassen, dass wir 
überschüssige Emissionen mit negativen Emissionstechnologien (z.B. BECCS) 
<http://klima-der-gerechtigkeit.de/2016/10/25/going-negative-wie-gefaehrliche-rechenspiele-unser-klima-aufs-spiel-setzen/>
  ausgleichen können. Dagegen kann der Schutz von Landrechten dazu beitragen, 
Wälder zu schützen, die Ernährungssicherheit zu erhöhen und Emissionen zu 
reduzieren.

 

Konkret fordern die CLARA-Mitglieder ...

 

Was wir tun und schützen müssen:

 

*       Food security and human rights;
*       Free, prior and informed consent (FPIC) and full and effective 
participation of indigenous peoples and local communities at all stages - 
including from the project planning and design phase;
*       Halting of deforestation and degradation, and protection and 
restoration of degraded forests and ecosystems;
*       Security of land rights, including collective land rights;
*       Counting of the emissions from the burning of biomass;
*       Reduction of non-CO₂ emissions from industrialised agriculture systems, 
such as methane (CH4) and nitrous oxide (N2O);
*       Agro-ecological approaches for agricultural adaptation strategies;
*       A scaling-up of climate finance and addressing the particularly large 
gap in adaptation finance.

 

Was wir vermeiden müssen:

 

*       Attempts to use terrestrial carbon sinks to offset fossil carbon 
emissions;
*       Unreliable accounting for soil carbon removals;
*       Harmful geo-engineering experiments or large-scale land use for 
Bioenergy with Carbon Capture and Storage (BECCS);
*       Strategies that increase the risk of forced land acquisitions form 
indigenous peoples and local communities;
*       Counterproductive „Climate Smart Agriculture“ approaches.

 

View article... 
<http://klima-der-gerechtigkeit.de/2017/04/26/klimaschutz-im-landsektor-vorsicht-ist-angebracht/>
 

 

 

 

 

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