amerika21

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27.04.2017 

 

Chile will Produktion von Lithium steigern

 

Nach fallenden Kupferpreisen setzt Regierung auf das Alkalimetall. Nachfrage
wegen Stromspeicherung in Elektroautos. Größter Markt ist China

 

Von Jakob Graf 

 

SANTIAGO DE CHILE. Die chilenische Regierung plant die Steigerung der
Lithiumproduktion. Dadurch sollen neue Investoren ins Land gelockt und die
globale Nachfrage nach dem Rohstoff befriedigt werden. Insbesondere durch
die zunehmende Entwicklung von Elektroautos wird das Leichtmetall wichtiger
denn je. Umweltschützer warnen hingegen vor schweren Umweltschäden durch den
Abbau des Lithiums für die vermeintlich saubere und ökologische
Elektromobilindustrie. 

 

Im globalen Maßstab werden 35 Prozent des produzierten Lithiums für
Batterien und Akkumulatoren genutzt
<https://minerals.usgs.gov/minerals/pubs/commodity/lithium/mcs-2016-lithi.pd
f> . Einen der zukunftsträchtigsten Märkte in diesem Bereich stellt sicher
der Automobilmarkt dar. Zwar ist der Anteil an Elektromotoren auf den
Straßen der meisten Länder noch äußerst gering, doch die Verkaufszahlen von
Hybrid- und Elektroautos wachsen
<http://www.ev-volumes.com/news/global-plug-in-sales-for-2016/>  rasant. So
baut China derzeit seine entsprechenden Produktionskapazitäten massiv aus.
Zudem sollen in der Volksrepublik dieses Jahr 800.000 Elektroautos verkauft
werden
<http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.automesse-elektromobilitaet-au
f-erfolgsspur-in-china.4d455a0b-aa80-4f9c-a84c-820b7461d5c5.html> , 2018
weit über eine Million. Derzeit ist dort eine Quote für die Produktion von
Autos mit elektrischen Antrieben in der Diskussion, die schon bald in Kraft
treten könnte: Je mehr Elektroautos verkauft werden, umso mehr dürfte ein
Hersteller auch Autos mit Verbrennungsmotoren auf den Markt bringen.

 

Gerade Argentinien, Bolivien und Chile können so auf einen neuen Absatzmarkt
bauen. Die drei Länder, die auch als Lithium-Dreieck bekannt sind, besitzen
85 Prozent der globalen Vorkommen.

 

Mit den fallenden Kupferpreisen ist Chile, das stark von seinen
Kupferexporten abhängig
<http://www.infomine.com/investment/metal-prices/copper/5-year/>  ist, in
einer schwierigen Lage. Die Pläne der chilenischen Behörde zur Förderung der
Wirtschaft (Corfo), die Produktion von Lithium zu erhöhen, könnte eine
Strategie sein, dem entgegenzuwirken. Im chilenischen Atacama-Salzsee werden
25 Prozent der weltweiten Lithiumreserven vermutet.

 

Dort produzieren
<http://www.elciudadano.cl/2017/01/11/350605/corfo-y-rockwood-confirman-acue
rdo-para-la-produccion-de-litio/>  derzeit lediglich zwei Unternehmen:
Rockwood und SQM. Mit dem transnationalen Unternehmen Rockwood, dem weltweit
führenden Hersteller von Lithiumverbindungen, konnte die Corfo im Januar ein
Abkommen schließen, das dem chilenischen Staat große Zuwendungen zusichern
soll: "Wir haben geschätzt, dass allein in dem Teil des Atacama-Salzsees,
der sich unter dem Gebiet von Rockwood befindet, zwischen 2017 und 2043 ein
Betrag von über drei Milliarden US-Dollar für den Staat herausspringen
wird", erklärte Corfo-Vizepräsident Eduardo Bitran. Wenn man weiter in die
Zukunft blicke, könnte allein aus diesem Teil des Salzsees mit einem Wert
von zehn Milliarden US-Dollar gerechnet werden, so Bitran. Zudem ist in dem
Abkommen eine internationale Ausschreibung enthalten, die sich an Investoren
richtet, die Lithium im Rahmen der Batterie- und Kathodenproduktion
innerhalb des Landes weiterverarbeiten. Den entsprechenden Investoren werden
laut Corfo 25 Prozent des im Rahmen des Abkommens produzierten Lithiums zum
Vorzugspreis garantiert
<http://www.elciudadano.cl/2017/01/11/350605/corfo-y-rockwood-confirman-acue
rdo-para-la-produccion-de-litio/> .

 

Indes warnen
<https://www.stromschnell.de/nachhaltigkeit/wie-schaedlich-ist-die-produktio
n-und-entsorgung-von-batterien_5117634_5093816.html>  Umweltschützer, dass
das Verfahren zur Gewinnung von Lithium mit hohen Belastungen für die Natur
verbunden ist. Für die Batterieherstellung wird Lithiumkarbonat mit einem
Reinheitsgrad von 99,95 Prozent benötigt. Im Atacama-Salzsee lagern nach
Schätzungen des US Geological Survey, einer wissenschaftlichen Behörde im
Geschäftsbereich des Innenministeriums der USA, noch Lithium-Reserven von
drei Millionen Tonnen. Die Bergwerksgesellschaft hat dort riesige
Verdunstungsbecken angelegt. Nachdem ein Großteil des Wassers verdunstet
ist, bleibt eine Lösung mit hohem Lithium-Gehalt zurück, die unter Zugabe
von Soda in Lithiumkarbonat umgewandelt wird. Laut Geological Survey kann
von den vorhandenen drei Millionen Tonnen technisch bedingt nur rund eine
Million Tonnen gewonnen werden, "zum Preis der massiven Zerstörung des
Sees".

 

 

 

 

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