NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 49/17 | 1.  MAI 2017


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Umwelt/Verkehr/Schifffahrt


NABU und führende Lungenärzte warnen vor hoher Abgasbelastung an Deck
von Kreuzfahrtschiffen


Luftschadstoffmessungen des ZDF-Magazins „WISO“ an Bord der AIDA Sol
sind alarmierend
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Berlin – Nachdem verdeckte Abgasmessungen des ARD Magazins „Plusminus“
erst vor wenigen Wochen das Kreuzfahrtschiff AIDA Prima als
Dreckschleuder entlarvt haben, dokumentierte nun das ZDF Magazin „WISO“
während einer Kanarenkreuzfahrt alarmierende Konzentration besonders
gesundheitsgefährdender ultrafeiner Partikel an Bord der AIDA Sol. 


Bis zu 475.000 Partikel je Kubikzentimeter Umgebungsluft zeigte das
Messgerät bei verschiedenen Messungen auf dem Sonnendeck des Rostocker
Kreuzfahrtanbieters an. Eigentlich wären bei sauberer Seeluft Werte von
gerade einmal 1000 Partikeln je Kubikzentimeter erwartbar.


„Die nunmehr dritte verdeckte Abgasmessung von verschiedenen
Fernseh-Teams auf Kreuzfahrtschiffen verschiedener Anbieter in
unterschiedlichen Regionen zeigen, dass die Kreuzfahrtindustrie seinen
Passagieren und der Umwelt ein gewaltiges Abgasproblem zumutet.
Unabhängig davon, ob jemand eine Seereise auf Nord- und Ostsee, im
Mittelmeer oder im Atlantik plant, ist davon auszugehen, dass man
erhebliche Feinstaubmengen an Deck der Schiffe einatmen muss. Nur der
Umstieg auf höherwertigen Kraftstoff und der Einsatz von Systemen zur
Abgasreinigung können hier effektiv Abhilfe schaffen“, sagte
NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. 


AIDA Cruises hatte das Problem der Abgasbelastung bereits 2012 erkannt
und versprochen, die gesamte eigene Schiffsflotte bis Ende 2016 mit
Rußpartikelfiltern auszustatten. Bis heute sei jedoch kein einziges
Schiff nachgerüstet, kritisiert der NABU. Bereits im vergangenen Jahr
konnten die Umweltschützer zudem aufdecken, dass das vollmundig
angepriesene Filtersystem der AIDA Prima nicht in Betrieb war, was das
Unternehmen darauf hin auch eingestand.


Auch Dr. Michael Barczok, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der
Pneumologen, bewertet die neuerlichen Messungen an Bord der AIDA Sol als
höchst gesundheitsgefährdend: „Die Abgaswerte auf der AIDA Sol sind
extrem hoch. Crew und Passagiere an Bord werden einer Konzentration von
Luftschadstoffen ausgesetzt, die weit über dem Niveau stark befahrender
Straßen liegen. Ich kann keinem Passagier empfehlen, sich lange an Deck
eines Kreuzfahrtschiffes aufzuhalten.“ 


Leider lehnen die Reeder nach wie vor das Angebot ab, mit dem NABU und
unabhängigen Gutachtern offizielle Messungen auf ihren Schiffen
durchzuführen und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Die Branche weiß
um das Problem, weigert sich aber aus Kostengründen, auf das giftige
Schweröl zu verzichten und die nötigen Filter einzusetzen. „Die
neuerlichen Messungen offenbaren den Handlungsdruck für die
Kreuzfahrtbranche. Wir fordern AIDA und andere Reeder im Interesse der
Umwelt und der Gesundheit der Passagiere auf, ihre Schiffsflotte bis
2020 komplett mit Rußpartikelfilter und Stickoxidkatalysatoren
nachzurüsten“, sagt NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger.


Zur Sendung: www.zdf.de/verbraucher/wiso 


Kostenfreie Pressefotos:
www.nabu.de/presse/pressebilder/index.html#kreuzfahrtschiffe




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